Aufgezeichnetes Geständnis von kolumbianischem Drogenboss gestohlen

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Ein aufgezeichnetes Geständnis des bekannten kolumbianischen Drogenbosses Dairo Antonio Úsuga ist nach Behördenangaben gestohlen worden. Wie die kolumbianische Wahrheitskommission am Samstag (Ortszeit) mitteilte, drangen „Unbekannte“ in der Nacht in das Haus des zuständigen Ermittlers ein. „Bei dem Vorfall wurden die digitalen Aufnahmegeräte und ein während des Verhörs genutzter Computer gestohlen.“
Die Befragung des auch unter dem Namen Otoniel bekannten Úsuga hatte am Mittwoch durch ein Mitglied der Wahrheitskommission stattgefunden. Zuvor hatte die Kommission „Garantien“ gefordert, dass die „Vertraulichkeit“ und Privatsphäre in den Befragungen des Ex-Kartellchefs gewahrt bleiben müssten. Am Donnerstag unterbrachen Polizisten eine Anhörung Otoniels mit der Begründung, dass bei dem Drogenboss Fluchtgefahr bestehe.
Otoniel war der meistgesuchte Drogenboss des Landes und im vergangenen Oktober im Nordwesten Kolumbiens festgenommen worden. Danach hatte Staatschef Iván Duque Otoniels Kartell Clan del Golfo, das für 30 Prozent des Drogenschmuggels in dem Land verantwortlich sein soll, für „erledigt“ erklärt.
Der Golf-Clan ist aus früheren paramilitärischen Gruppen hervorgegangen. Die Gruppe wird für den tonnenweisen Schmuggel von Kokain nach Zentralamerika und in die USA verantwortlich gemacht. Kolumbien ist nach wie vor der größte Kokain-Exporteur der Welt.
Kolumbiens Wahrheitskommission befragt Otoniel im Rahmen ihrer Aufgabe, Menschenrechtsverstöße in dem langen bewaffneten Konflikt zwischen der kolumbianischen Armee und den Farc-Rebellen zu untersuchen, der 2016 durch einen Friedensvertrag beigelegt worden war.
Die USA hatten eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (rund 4,2 Millionen Euro) für die Ergreifung von Otoniel ausgesetzt. Der Drogenboss war bereits 2009 von der US-Justiz angeklagt worden, in New York und Miami laufen Auslieferungsverfahren gegen ihn.
isd

© Agence France-Presse