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Montag. 04. Juli 2022 / 27

Kommentar | Wer entscheidet wie und wann der Notarzt ausrückt

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Kommentar zu einem Beitrag der Memminger Zeitung „Wenn jede Minute zählt“ vom 14.03.2022 (hier der Link zum Beitrag im Netz leider ein PlusArtikel)


In dem Bericht geht es um den Einsatz von Notärzten, die Organisation, das Einsatzaufkommen und die Entlohnung für die Ärzte.

Der Notfallmediziner Rupert Grashey, der im Klinikum Memmingen Chefarzt der Notfallklinik ist, geht in dem Gespräch mit der Memminger Zeitung auch auf den Aspekt der steigenden Notarzteinsätze ein. Grashey berichtet von einem kontinuierlichen Anstieg der Einsatzzahlen. Er führt dies vor allem darauf zurück, dass immer öfter der Notarzt gerufen werde, obwohl dies gar nicht nötig sei. Die Hilferufenden würden oftmals lieber den Notarzt rufen, obwohl keine Lebensgefahr für den Patienten besteht.

Diese Darstellung kann man so nicht stehen lassen. In Bayern, aber auch in den anderen Bundesländern, gibt es zum einen den Notruf 112 für dringende Notfälle und die Rufnummer 116 117 für den ärztlichen Notdienst.

Wählt man den Notruf 112 kommt man in Bayern in einer der 26 Integrierten Leitstellen (ILS) heraus – im Raum Memmingen, Unterallgäu, Neu-Ulm, Günzburg, bei der ILS Donau-Iller, die in Krumbach/Schwaben beheimatet ist. Hier wird der Notruf von ausgebildetem Rettungs- und Feuerwehrpersonal entgegen genommen. Nach einem einheitlichen Abfrageschema wird der Notruf abgearbeitet. Der Disponent entscheidet dann entsprechend der abgefragten Faktoren, ob er nur einen Rettungswagen oder zusätzlich einen Notarzt alarmiert oder den Anrufer an den ärztlichen Notdienst (116 117) weiterleitet. Es gib einen entsprechenden Katalog für die Disponenten, die bestimmte Symthome und Erkrankungsmuster in einem sogenannten „Notarzt-Indikationskatalog“ aufgelistet sind. Nach dieser Bewertung wird der Notarzt zum Rettungswagen hinzualarmiert. Somit liegt es nicht in der Hand des Anrufers/Hilfesuchenden, ob ein Notarzt ausrückt oder nicht, sondern vielmehr in der fachlichen Beurteilung des Disponenten in der ILS. Oftmals ist es auch so, dass ein Notarzt durch das vor Ort befindliche Team des Rettungswagens nachgefordert wird, weil bestimmte Schmerzmittel oder andere Medikamente notwendig sind, die von einem Arzt verabreicht werden müssen. Eigentlich sollte das Berufsbild des „Notfallsanitäters“ und dessen dreijährige Ausbildung, die Zahl der Notarzteinsätze senken, jedoch wird den sehr gut ausgebildeten Fachkräften von Seiten der verantwortlichen Ärzteschaft die notwendige Genehmigung für standardisierte Schmerztherapien nicht freigegeben.

Abschließend kann man sagen, dass der Notarzteinsatz vom Lagebild der Notrufabfrage und damit in der Beurteilung des Disponenten in der Integrierten Leitstelle abhängig ist und nicht vom Notrufer/Hilfesuchenden verantwortet wird.

Unabhängig davon steigt die Zahl der Notfallpatienten auch mit der Alterspyramide, die gerade in den letzten Jahren steigende Zahlen ausweist.

Kommentar von Thomas Pöppel

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