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Freitag. 23. Februar 2024 / 08

Landkreis Unterallgäu | Warum Katastrophenschutzübungen so wichtig sind

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Zuletzt haben Rettungskräfte von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz (BRK), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD) im November 2023 im Skyline Park in Rammingen geübt. Rund 300 Personen waren in die Katastrophenschutzteilübung eingebunden.

Die Übungsausgangslage war der Absturz eines Doppeldeckers, der beim Landeanflug auf den Sportflugplatz Bad Wörishofen technische Probleme meldete und an Höhe verlor. Dabei kam es zur Berührung mit einem Fahrgeschäft, dem „Allgäu-Flieger“. Das Flugzeug stürzte daraufhin in eine Wiese, dabei flogen Wrackteile in den Freizeitpark. Der Strom fiel aus, Fahrgeschäfte bleiben stecken, in Gebäuden kommt es zu Bränden. Auch die Kläranlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Es kam zu zahlreichen Verletzten, auch Toten bei dem Unglück, Betroffene unverletzte mussten betreut werden.

Solche Großschadenslagen können nicht mehr nur von örtlichen Kräften bewältigt werden, hier ist die Unterstützung weiterer Rettungskräfte notwendig. Für solche Schadensfälle gibt es dann Führungsstrukturen, die immer wieder erprobt werden müssen. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK), die in jeden Landkreis und freien Kreisstadt vorgehalten wird, wird in solchen Fällen alarmiert und sie tritt die wie in diesem Fall im Landratsamt in Mindelheim zusammen. Von dort aus koordiniert und unterstützt die FüGK die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) vor Ort. Die ÖEL führt den Einsatz vor Ort.

Foto: Roland Kühnl

Bei Großschadenslagen oder Unglücken wird in der Regel ein Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) eingesetzt. Er trifft die Entscheidungen an der Schadenstelle. Unterstützt wird er von Fachberatern; Führungskräften und seinen Stab. Alle Informationen von der Einsatzstelle laufen bei ihm zusammen. Im Landkreis Unterallgäu gibt es mehrere ÖEL, die vom Landrat entsprechend ernannt wurden und über mehrere Jahre Einsatzerfahrung verfügen und spezielle Lehrgänge absolviert haben.

Foto: Roland Kühnl

Von der Örtlichen Einsatzleitung (ÖEL) wird die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) ständig über die Lage informiert. Alles, was an der Unglücksstelle benötigt wird, wie z.B. zusätzliche Spezialisten, Bundeswehr, Höhenretter, Betriebsstoffe, Verpflegung etc. wird von der FüGK organisiert und über übergeordnete Strukturen gegebenenfalls angefordert.

Foto: Roland Kühnl

Sprich wir haben zum einen die Kommunikation an der Unglücksstelle unter den einzelnen Einheiten (Löschzügen, Sanitäts- und Betreuungseinheiten) und zwischen Örtlicher Einsatzleitung und der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Bei Großschadenslagen kann es auch passieren, dass mehrere Örtliche Einsatzleiter/Einsatzleitungen zum Einsatz kommen. Zum Beispiel, wenn die Schadensorte zu weit auseinander liegen. Man kann sich vorstellen, wie wichtig hier eine ordentliche und funktionsfähige Kommunikation zwischen den Führungsebnen ist.

All dies wurde im Herbst 2023 an einer Schadenstelle im Skyline Park erprobt und wichtige Erkenntnisse gewonnen. Bei solchen Übungen werden zahlreiche Übungsbeobachter eingesetzt. Sie kommen in der Regel aus anderen Behörden, Kreisbrandinspektionen, Rettungsdiensteinheiten und vom THW. Sie wohnen der Übung bei und analysieren die Abläufe und notieren sich Schwachpunkte und arbeiten Checklisten ab.

Anlässlich einer ausführlichen Nachbesprechung im Landratsamt Unterallgäu konnten wichtige Punkte aufgearbeitet und Ansätze zur Verbesserung erarbeitet werden.

Foto: Roland Kühnl

Von Vorteil war die Übertragung der Drohnen-Live-Bilder von der Unglücksstelle in die ÖEL vor Ort und auch ins Landratsamt nach Mindelheim in die FÜGK. So konnte gerade die Führungsgruppe im Landratsamt sich ein besseres Bild von der Lage vor Ort machen du die Meldungen von der ÖEL besser einschätzen. Diese technische Lösung wurde vom THW Memmingen zur Verfügung gestellt.

EPS-Web ist ein elektronisches Kommunikationssystem innerhalb der Führungsstrukturen. Hier werden die Anforderungen von der Schadensstelle an die FüGK erfasst und übertragen, ebenso wird die Lage darin und das Einsatztagebuch geführt. Alle Führungskräfte haben auf diese Daten Zugriff und sind somit immer auf dem gleichen Stand. Hier wurde festgestellt, dass weiterer Schulungsbedarf notwendig ist, um den Umgang mit dem System in Fleisch und Blut übergeht.

Auch der Einsatz des Bürgertelefons ist ein wichtiger Bestandteil bei Großschadenslagen. Schnell melden sich Angehörige, wenn sie von Unglücksfällen hören und ihre Lieben nicht erreichen können. Hier ist es eben wichtig, dass die Betroffen, hier die Park-Besucher, an der Unglücksstelle ordentlich registriert werden, damit die Daten der Auskunftsstelle zur Verfügung gestellt werden können und gesicherte Informationen zur Verfügung stehen.

Allein diese Punkte zeigen, wie wichtig das Üben von Großschadenslagen ist. Das war auch das Ergebnis der Teilnehmenden. Man wird nun die Ergebnisse aus der Übung umsetzen und zu vertiefen. Vermutlich 2025 wird man dann erneut, im Rahmen einer Katastrophenschutzvollübung, wieder üben und schauen, an welchen Stellschrauben noch justiert werden muss.

Foto: Roland Kühnl

Das Fazit ist aber, der Katastrophenschutz funktioniert im Landkreis Unterallgäu, die Strukturen sind vorhanden und einsatzfähig. Aber wie in jedem Unternehmen kann, man die Qualität immer verbessern, mit Aus- und Fortbildung und mit neuer Technik und Ausrüstung.

Im Katastrophenfall muss man aber immer dran denken, dass auch mal die Technik versagen kann, wie Internet, Bildübertragung, etc. und man dann wieder auch auf Alternativen zurückgreifen muss – auch das muss weiterhin geübt werden.