Start Memmingen Der Feldherr kehrt zurück: Memmingen stimmt sich auf Wallenstein 2026 ein

Der Feldherr kehrt zurück: Memmingen stimmt sich auf Wallenstein 2026 ein

Wallenstein 2026 in Memmingen: Auftakt auf dem Marktplatz - Foto: Alfred Rauch

Wenn Trommeln über den Marktplatz hallen, Kinderfestlieder gesungen werden und plötzlich Musketiere, Marketenderinnen, Gaukler und Soldaten in historischen Gewändern vor der Großzunft aufmarschieren, dann ist in Memmingen eines sicher: Der Wallenstein-Sommer rückt näher. 2026 verwandelt sich die Altstadt wieder in eine Bühne der Geschichte – und zwar bereits zum zwölften Mal. Die eigentliche Wallenstein-Woche findet vom 26. Juli bis 2. August statt, doch der Auftakt auf dem Marktplatz hat schon jetzt gezeigt, wie groß die Vorfreude in der Stadt ist. Der Fischertagsverein erinnert alle vier Jahre an das Jahr 1630, als Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein in Memmingen residierte und die Stadt für mehrere Monate in den Mittelpunkt europäischer Politik rückte. Die offizielle Darstellung nennt für Wallensteins Aufenthalt den Zeitraum vom 30. Mai bis 22. Oktober 1630.

Bei sommerlicher Witterung verfolgten Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer das Programm, das der Memminger Fischertagsverein um seinen Vorsitzenden Thorsten Burghart zusammengestellt hatte. Den Anfang machten die Trommlerbuben und -mädchen, später folgten Kinderfestlieder und ein kurzer Vortrag von Heimatpflegerin Sabine Streck. Danach gehörte der Marktplatz den Wallenstein-Gruppen, die mit ihren Gewändern, Waffen, Fahnen und Figuren einen ersten Vorgeschmack auf die Historische Woche gaben. Schon der offizielle Ablauf der Auftaktveranstaltung setzte dabei die wichtigsten Akzente: Eröffnung durch die Trommler, Aufmarsch der Gruppen, Vorstellung von Wallenstein und Prinz Ulrich von Dänemark, Einzug des Fasswagens, Präsentation des Festbiers „Eusebius“ und anschließender Fassanstich.

„Ungefähr 4500 Mitwirkende sind heuer mit dabei“, kündigte Burghart an. Nach fast zweijähriger Planung „kribbelt es bei uns allmählich gewaltig“, sagte der Vereinsvorsitzende. Auch der neue Wallenstein-Darsteller Wolfgang Manz stellte sich dem Publikum vor und machte mit wenigen Worten deutlich, worum es in der kommenden Festwoche gehen soll: um Marketenderinnen und Näherinnen, Fuhrwerker und Soldaten, aber auch um eine „friedliche, fröhliche und unvergessliche Woche“. Mit Stefan Honold als Prinz Ulrich von Dänemark trat zudem eine weitere historische Figur vor die Kulisse der Altstadt.

Was Ende Juli beginnt, ist weit mehr als ein historischer Umzug. Unter dem Motto „Wallenstein 1630 in Memmingen – Bürger der Stadt spielen ihre Geschichte“ stellen über 4.000 Mitwirkende die Ereignisse des Jahres 1630 nach. Zum Programm gehören Ein- und Auszug Wallensteins, Reiterspiele, Lagerspiele, historischer Markt, Handwerk, Gottesdienst, Lagerleben und das Theater auf dem Marktplatz. Die wichtigsten Spielorte liegen mitten in der Stadt: Marktplatz, Grimmelschanze, Reichshain und Innenstadt.

Einer der großen Höhepunkte ist der Wallenstein-Umzug. Am Sonntag, 26. Juli, zieht der Feldherr mit Heer, Hofstaat und Gefolge durch die Stadt; am Sonntag, 2. August, folgt der Auszug. Beide Umzüge beginnen um 13.30 Uhr. Nach Angaben des Veranstalters wirken dabei mehr als 4.000 Personen, rund 300 Pferde und über 40 historische Gruppen mit. Reiterei, Pikeniere, Musketiere, Artilleristen und Magyaren treffen auf fahrendes Volk, Marketenderinnen, Gaukler und Bettler – ein Bild, das die Kriegszeit nicht romantisieren, sondern erlebbar machen soll.

Auch abends bleibt Memmingen im Jahr 1630. In der Grimmelschanze werden die Lagerspiele zu einer Mischung aus Artistik, Gaukelei, Musik, Tanz und Feuershow. Im Reichshain stehen die Reiterspiele im Mittelpunkt: Reitkunst, Wettkämpfe, Fechter, Kanoniere, Gallas Dragoner und die „Zündler“ sorgen dort für Spannung und Spektakel. Beide Formate laufen während der Festwoche mehrfach, meist um 20.15 Uhr.

Einen besonderen Platz nimmt das Theater auf dem Marktplatz ein. Vor der historischen Kulisse der Memminger Altstadt greift die Theatergruppe des Fischertagsvereins Geschehnisse rund um Wallensteins Aufenthalt auf und erzählt zugleich von den Menschen der Stadt: von Hoffnungen und Ängsten, von Liebe, Konflikten und vom Alltag in einer unruhigen Zeit. Aufführungen sind unter anderem am 26., 27., 29. und 30. Juli sowie am 1. August geplant.

Ein weiterer Publikumsmagnet ist der „Tanz auf dem Kopfstein“ am Dienstag, 28. Juli. Dann verwandelt sich der Marktplatz in einen Ballsaal unter freiem Himmel. Im Anschluss ziehen Truppenteile von Wallensteins Heer mit Fackeln sternförmig auf den Platz – Musketiere, Pikeniere, Kanoniere, Dragoner, Leibwache und Dänen versammeln sich im Licht der Flammen.

Wer die Wallenstein-Woche ohne Eintrittskarte erleben möchte, findet im Lagerleben und auf dem historischen Markt reichlich Gelegenheit dazu. In der Grimmelschanze und im Reichshain schlagen mehr als 40 historische Gruppen ihre Zelte auf; dort gibt es Lagerfeuer, Musik, Kommandorufe, Handwerk und kulinarische Angebote. Der historische Markt erstreckt sich über die Innenstadt, unter anderem über den Martin-Luther-Platz, das Gelände vor der Stadthalle und den Bereich vor der Frauenkirche. Für beide Angebote ist der Eintritt frei.

Zum Auftakt durfte natürlich auch das Festbier nicht fehlen. Ulrich Zimmermann von der Berg-Brauerei präsentierte das eigens aufgelegte „Eusebius“ – benannt nach Wallensteins vollständigem Namen Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein.

Begleitet wird die Historische Woche 2026 zudem von einem besonderen Schirmherrn: Oliver Pötzsch, Autor historischer Romane, übernimmt diese Rolle für die Memminger Festspiele. Der Fischertagsverein verweist dabei auf das gemeinsame Anliegen, Geschichte lebendig werden zu lassen, Menschen zusammenzubringen und die Vergangenheit in der Stadt spürbar zu machen.

So wurde aus dem Auftakt auf dem Marktplatz mehr als ein Vorgeschmack. Er war ein erstes Eintauchen in jene Atmosphäre, die Memmingen Ende Juli wieder prägen wird: Trommeln, Kostüme, Lagerfeuer, Pferde, Theater, Musik – und eine ganze Stadt, die ihre Geschichte spielt.

Foto: Alfred Rauch

 

Wallenstein 1630 in Memmingen: 26. Juli bis 2. August 2026
Veranstalter: Fischertagsverein Memmingen e.V.
Spielorte: Marktplatz, Grimmelschanze, Reichshain, Innenstadt
Höhepunkte: Einzug und Auszug Wallensteins, Reiterspiele, Lagerspiele, Theater auf dem Marktplatz, Tanz auf dem Kopfstein mit Fackelzug, historischer Markt, Lagerleben, Handwerk
Kostenfreie Angebote: Lagerleben in Grimmelschanze und Reichshain sowie historischer Markt in der Innenstadt