Im Landkreis Unterallgäu wird am Sonntag, 8. März 2026, der Landrat / die Landrätin neu gewählt – parallel zur Kreistagswahl. Erreicht im ersten Wahlgang niemand die absolute Mehrheit, ist in Bayern eine Stichwahl am 22. März 2026 vorgesehen.
Landrat im Unterallgäu: Mehr als „Kreischef“ – ein Amt mit Doppelfunktion
Das Amt des Landrats hat im Unterallgäu eine Doppelfunktion:
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Gewählter Vertreter des Landkreises und politischer Motor für Kreistag und Gemeinden.
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Leiter des staatlichen Landratsamts, das Vorgaben von Freistaat und Bund umsetzt – etwa in Bereichen wie Bauaufsicht, Wasserrecht, Verbraucherschutz oder Kfz-Zulassung.
Zusätzlich führt der Landrat den Vorsitz im Kreistag, vollzieht Beschlüsse – und muss im Alltag auch in eigener Zuständigkeit entscheiden.
Vier Kandidaten zugelassen – ein FDP-Bewerber scheitert an Unterschriften
Der Wahlausschuss hat vier Bewerber zugelassen:
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Verena Winter (CSU)
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Alex Eder (Freie Wähler) – Amtsinhaber
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Christoph Maier (AfD)
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Dr. Otto Schmid (Bündnis 90/Die Grünen)
Ein weiterer Bewerber (FDP) wurde nicht zugelassen, weil die erforderlichen Unterstützungsunterschriften deutlich verfehlt wurden.
Was bringen die Kandidaten mit? Erfahrung, Verwaltung, Politik
Alex Eder (Freie Wähler) ist seit Mai 2020 Landrat und bringt vor allem Verwaltungs- und Führungserfahrung aus der Praxis der Kreisverwaltung mit – inklusive Koordination mit Gemeinden, Kreistag und Behörden.
Verena Winter (CSU) ist Rechtsanwältin, seit 2020 im Kreistag aktiv und wird als Zweite Bürgermeisterin von Kettershausen genannt – mit Fokus auf moderne, digitale, serviceorientierte Verwaltung und Mittelstand.
Christoph Maier (AfD) ist Rechtsanwalt und seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtags – Erfahrung vor allem parlamentarisch und in Parteifunktionen.
Dr. Otto Schmid (Grüne) bringt langjährige Leitungs- und Organisationserfahrung aus dem Bildungsbereich mit (u. a. als Schulleiter) und setzt thematisch u. a. auf Gesundheit/Pflege, Mobilität, Wohnen, Jugendbeteiligung, Digitalisierung und Klimaschutz.
Welche Baustellen warten 2026–2032 im Unterallgäu?
In der nächsten Amtszeit geht es weniger um „ein großes Projekt“, sondern um mehrere Daueraufgaben gleichzeitig:
1) Finanzen unter Druck
Steigende Pflichtausgaben (z. B. Soziales), Umlagen und Investitionsbedarf treffen auf begrenzte Spielräume. Prioritäten setzen und Mehrheiten organisieren wird zur Kernaufgabe.
2) Bildung & Hochbau: teure Großprojekte mit langen Laufzeiten
Ob Schulen, Hallen oder Verwaltungsgebäude: Bauvorhaben brauchen Planung, Fördermittel, Ausschreibungen – und politisches Kostencontrolling.
3) Gesundheit: Klinikfinanzierung trifft Krankenhausreform
Krankenhausstrukturen und Finanzierung bleiben ein Dauerthema – zwischen Versorgungssicherheit, Reformdruck, Personalengpässen und Kreishaushalt.
4) Migration & Unterbringung: Verwaltung im Dauerbetrieb
Unterkünfte organisieren, Standards sichern, Integration ermöglichen und Konflikte moderieren – oft unter Flächen- und Budgetdruck.
5) Infrastruktur & Mobilität im ländlichen Raum
Kreisstraßen, Brücken, Bahnübergänge und Projekte im Schienenverkehr sind „unspektakulär“, aber entscheidend für Standort, Erreichbarkeit und Alltag.
Worauf es für Wählerinnen und Wähler ankommt
Die Landratswahl 2026 ist damit auch eine Entscheidung über Führungsstil und Handwerk: Wer kann Haushalt und Investitionen ausbalancieren? Wer hat tragfähige Ansätze für Gesundheit/Pflege? Und wer schafft es, Unterbringung, Integration und Verwaltung so zu steuern, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt im Landkreis stabil bleibt.









