Sternfahrt nach Memmingen: Bauern protestieren gegen Mercosur-Abkommen

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Am Samstagabend, 10.01.2025, riefen Landwirte und Bauernvertreter zu einer Sternfahrt nach Memmingen auf. Der Demonstrationsaufruf richtete sich gegen das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay). Nach Angaben vor Ort beteiligten sich rund 20 Traktoren, die zusätzlich von zahlreichen Pkw mit Gelblicht begleitet wurden – wie es von anderen Protestfahrten bereits bekannt ist.

Die Kolonnen starteten unter anderem aus dem Bereich Babenhausen sowie Erkheim und fuhren mit Traktoren, Transparenten und Plakaten nach Memmingen. Hintergrund der Proteste: Viele Landwirte im Unterallgäu sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht und warnen vor langfristigen Folgen für die regionale Landwirtschaft.

„Doppelte Standards“ im Fokus der Kritik

Im Zentrum der Kritik steht weniger die Angst vor Wettbewerb an sich, sondern vor allem der Vorwurf ungleicher Regeln. Während EU-Landwirte nach eigenen Angaben unter sehr strengen Vorgaben bei Tierwohl, Pflanzenschutz und Umweltschutz wirtschaften, befürchten die Demonstrierenden eine zunehmende Konkurrenz durch günstige Importe aus Südamerika, die unter anderen Produktionsbedingungen entstehen könnten. Immer wieder genannt werden dabei mögliche Unterschiede beim Einsatz von Pestiziden oder Wachstumshormonen, die in der EU teils verboten sind.

Sorge um regionale Versorgung und Landwirtschaft im Allgäu

Bauern vor Ort machten in Memmingen deutlich, dass das Abkommen aus ihrer Sicht das Höfesterben in Bayern beschleunigen könnte. Gerade die kleinstrukturierte, familiengeführte Landwirtschaft im Allgäu befürchtet, dass sie bei einem stärkeren Importdruck – etwa durch günstigeres Fleisch oder Zucker – kaum noch kostendeckend arbeiten kann. Die Landwirte warnten zudem vor Folgen für die regionale Lebensmittelversorgung und die Ernährungssouveränität.

Polizei begleitet Protest – Autobahnauffahrten im Blick

Die Aktion verlief nach den vorliegenden Informationen friedlich, führte aber stellenweise zu kurzen Verkehrsbehinderungen. Die Polizei war am Samstagabend mit starken Kräften im Einsatz, begleitete die Fahrzeugkolonnen und sicherte zudem die Autobahnauffahrten der A96 und A7, um zu verhindern, dass Fahrzeuge versehentlich auf die Autobahn gelangen.



ℹ️ Hintergrund-Box (Fakten für den Artikel)

Falls Sie den Artikel mit Fakten anreichern wollen, hier die Eckdaten zum Streitpunkt:

  • Was ist Mercosur? Ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay).

  • Das Ziel: Zölle abbauen, um den Handel zu erleichtern (Autos/Maschinen aus der EU nach Südamerika; Agrarprodukte aus Südamerika in die EU).

  • Die Kritik:

    • Landwirtschaft: Import von Billigfleisch, Zucker und Ethanol, das Umwelt- und Sozialstandards unterläuft.

    • Umwelt: Befürchtung, dass für mehr Weide- und Ackerflächen in Südamerika der Regenwald weiter abgeholzt wird.


+ POLIZEIMELDUNG +

Für den Samstagabend wurde aus Protest gegen das Mercosur-Handelsabkommen eine Sternfahrt als sich fortbewegende Versammlung angekündigt. Treffpunkte waren Babenhausen, Türkheim, Erkheim und Memmingen. Von diesen Sammelorten fuhren insgesamt 19 Traktoren, 37 Pkw und ein Lkw nach Erkheim. Geschmückt waren die Traktoren mit Transparenten, auf denen die Versammlungsteilnehmer ihre Meinung kundtaten. Um für die anderen Verkehrsteilnehmer deutlich sichtbar zu sein, fuhren sie mit eingeschalteten gelben Rundumlichtern. Abfahrt war jeweils etwa gegen 17.30 Uhr. Die letzten Fahrzeuge trafen dann gegen 19.30 Uhr in Erkheim ein, wo dann auf Höhe der Autobahnausfahrt der A96 ein weithin sichtbares Mahnfeuer entzündet wurde. Die Versammlung verlief störungsfrei, wobei es durch die Sternfahrt zu leichten Verkehrsbehinderungen kam. Gegen 19.45 Uhr wurde die Versammlung durch den Leiter für beendet erklärt. Um einen reibungslosen Verlauf der Versammlung gewährleisten zu können, war die Verkehrspolizei Günzburg mit unterstellten Kräften im Einsatz.

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