KI-Frühwarnsystem für Hochwasser: Unterallgäu plant Messnetz mit Bodensensoren

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Droht Hochwasser – und wo genau? Um im Ernstfall schneller warnen und gezielt Schutzmaßnahmen einleiten zu können, will der Landkreis ein KI-gestütztes Frühwarnsystem aufbauen. Kern sind Bodensensoren, die Niederschlag, Bodenfeuchte und Wasserstände in Echtzeit erfassen und bei Gefahr automatisch Alarm auslösen.

Der Kreisausschuss hat dafür nun einstimmig den Startschuss gegeben: Zunächst wird ein Messnetzkonzept erarbeitet, das festlegt, wo Sensoren sinnvoll platziert werden. Landrat Alex Eder und Isabell Sittner-Zehner (Leitung Katastrophenschutz) empfehlen ein abgestuftes Vorgehen: Erst analysieren, dann die passenden Sensoren und Software auswählen – statt eines teuren Komplettpakets „von der Stange“.

Das Konzept klärt Bedarfe von Landkreis und Gemeinden: Jede Kommune kann die gewünschte Genauigkeit bestimmen und das Netz bei Bedarf verdichten. Fachlich eingebunden wird das Wasserwirtschaftsamt. So arbeiten alle Ebenen Hand in Hand:

  • Wasserwirtschaftsamt: Hochwasservorsorge an größeren Gewässern (1. & 2. Ordnung)

  • Gemeinden: Zuständigkeit für kleinere Bäche (3. Ordnung)

  • Landratsamt: Warnung der Bevölkerung und Einsatzkoordination

Ein Vorteil: Die Kosten lassen sich transparent verteilen – abhängig von der Betroffenheit vor Ort. Für das Messnetzkonzept 2026 sind bis zu 100.000 Euro veranschlagt, gefördert über das EU-Programm LEADER. Parallel bleibt der Austausch mit den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg sowie mit Ost- und Oberallgäu eng. Ziel ist ein gemeinsames Datenbild über Kreisgrenzen hinweg – für frühere Erkennung kritischer Entwicklungen und mehr Reaktionszeit bei Starkregen und Hochwasser.

Mit dem Schritt legt das Unterallgäu die Basis für ein modernes, skalierbares Frühwarnsystem, das Datengüte, Kosteneffizienz und Praxisnutzen verbindet – und damit den Katastrophenschutz in der Region nachhaltig stärkt.


Kommentar von Thomas Pöppel

Die Pressemeldung des Landratsamts Unterallgäu zum geplanten KI-gestützten Hochwasser-Frühwarnsystem ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Ein flächendeckendes Sensorennetz, das Niederschlag, Bodenfeuchte und Pegel in Echtzeit erfasst, kann im Ernstfall wertvolle Zeit verschaffen und hilft, Maßnahmen gezielt zu steuern.

Was wir bei der Planung aber nicht aus dem Blick verlieren dürfen: Hochwasser ist kein lokales Ereignis und macht an Landkreisgrenzen nicht halt. Gerade bei Starkregen und gesättigten Böden steigen die Pegel häufig dann kritisch an, wenn zusätzlich Wasser aus den Alpen nachkommt. Es ist daher entscheidend, nicht nur das Unterallgäu zu betrachten, sondern konsequent die umliegenden Landkreise wie Oberallgäu und Ostallgäu sowie die kreisfreien Städte Kempten, Kaufbeuren und Memmingen mitzudenken. Im Text ist von engem Austausch mit den Nachbarlandkreisen die Rede – wichtig ist, dass daraus am Ende auch wirklich ein gemeinsames, verzahntes System und kein Flickenteppich wird.

Bei aller moderner Technik brauchen wir außerdem Strukturen, die auch dann noch funktionieren, wenn der Strom ausfällt oder Datennetze gestört sind. Jedes elektronische System im Katastrophenschutz braucht eine robuste Rückfallebene. Aus meiner Sicht gehört dazu ein einfaches, klar definiertes Meldesystem der örtlichen Feuerwehren, das bei bestimmten Wetterlagen aktiviert werden kann – etwa ein Ampelsystem, das in der Kreiseinsatzzentrale geführt wird:

  • Grün: Lage entspannt

  • Gelb: Pegel im Anstieg, erste Vorkehrungen

  • Rot: mehrere Einsätze im Ort, akute Hochwasserlage

Ergänzend dazu braucht es konkrete Hochwassereinsatzpläne für die einzelnen Kreisbrandmeisterbereiche: zentrale Sandsackabfüllstationen, die frühzeitige Einbindung freiwilliger Helferinnen und Helfer aus der Bevölkerung, Personalplanung, die Bevorratung ungefüllter Sandsäcke und anderes Material.

All das lässt sich bereits heute vorbereiten – und es funktioniert unabhängig von Strom, Servern und Datenleitungen. Die Kombination aus moderner KI-Technik und bewährten, analogen Strukturen macht den Katastrophenschutz am Ende wirklich krisenfest.


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