Tierschützer decken auf: Ermittlungen gegen Großbetrieb in Hawangen – Biogasstrom versorgt Flughafen Memmingen

Ein neuer Tierschutzskandal erschüttert das Allgäu. Aufnahmen, die der Organisation SOKO Tierschutz zugespielt wurden, zeigen teils grausame Zustände in einem Schweinemastbetrieb in Hawangen im Landkreis Unterallgäu. Neben der Tierrechtsorganisation haben auch der Tierrechtsaktivist Philipp Hörmann sowie die staatliche Kontrollbehörde KBLV Strafanzeige gegen den verantwortlichen Landwirt erstattet.
Schwer kranke Tiere und verwahrloste Haltung

Die veröffentlichten Videoaufnahmen zeigen Schweine, die in Spaltenböden über ihren eigenen Fäkalien liegen. Viele Tiere seien verletzt, krank oder sterbend – ohne erkennbare tierärztliche Versorgung. Besonders erschütternd: Kadaver sollen tagelang in den Stallgängen liegen, Blutlachen trocknen am Boden ein, Maden sind zu sehen. Die Bilder dokumentieren zudem Tiere mit schweren, große Nabelbrüche mit Wundstellen und Verletzungen, vereiterten Augen und einem Ferkel, das über Tage hinweg unter Schmerzen verendet.


„Kranke und verletzte Tiere müssen separiert werden. Wenn man sie einfach im Bestand lässt, bedeutet das ein Sterben unter Höllenqualen„, erklärt Friedrich Mülln, Sprecher von SOKO Tierschutz.
Feuergefahr durch marode Elektrik
Auch bauliche und sicherheitstechnische Mängel werfen ernste Fragen auf. Laut SOKO Tierschutz seien die Stallungen des Betriebs in einem desolaten Zustand. Besonders die Elektrik sei verwahrlost und veraltet – ein Umstand, der angesichts der zahlreichen Stallbrände in Deutschland alarmiere.

„So ein Stümpertum würde jeden Hausbesitzer vor Gericht bringen. Aber in einem Stall mit knapp 3.000 Schweinen schaut die Politik weg und nimmt den Feuertod der Tiere billigend in Kauf“, so Mülln weiter. Laut Statistik entstehen rund 30 Prozent aller Stallbrände durch Mängel an der Elektrik – allein in den letzten Wochen sollen bundesweit mehr als 10.000 Tiere bei Bränden in landwirtschaftlichen Betrieben ums Leben gekommen sein.

Prestigeprojekt mit zweifelhaftem Hintergrund?
Brisant ist auch die politische Komponente des Falls: Der Betrieb speist Strom aus seiner riesigen Biogasanlage in das Netz des Flughafens Memmingen – ein Prestigeprojekt, das von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger öffentlichkeitswirksam unterstützt wurde. Hinter den Fassaden des scheinbar modernen Agrarbetriebs offenbart sich nun ein anderes Bild.

Fleisch landet im Handel und in der Gastronomie

Laut SOKO Tierschutz wird das Fleisch des Betriebs unter anderem über die Allgäuer Landmetzgerei A. B. GmbH vertrieben. Deren Produkte gelangen in Filialen von Edeka und Penny – sowie in die regionale Gastronomie. Für viele Konsumenten dürfte diese Information überraschend sein: „Hier haben wir den typischen Bauern von nebenan, dem die Menschen vertrauen. Die Realität ist der Albtraum Massentierhaltung, der längst im Allgäu fest verankert ist“, so Mülln.
Ermittlungen laufen
Die zuständigen Behörden haben nach Bekanntwerden der Vorwürfe Ermittlungen aufgenommen. Ob es zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die aktuellen Bilder werfen ein grelles Licht auf die Missstände in der industriellen Tierhaltung – und auf die Lücken im Kontrollsystem. Aber wie immer gilt, auch in diesem Fall, bis zum Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung.
Quelle: Pressemitteilung SOKO Tierschutz
Foto: SOKO Tierschutz
Tierschutzskandal in Hawangen: SOKO Tierschutz deckt massive Missstände auf































