Bereits seit 2014 sind dem Landratsamt Unterallgäu steigende Nitratwerte im Grundwasser der Memminger Schotterebene bekannt. Damals wandten sich die Stadt Memmingen, der Markt Bad Grönenbach sowie der Zweckverband Woringer Gruppe an das Wasserwirtschaftsamt Kempten, um den Ursachen für die Belastung auf den Grund zu gehen. Das Landratsamt wurde regelmäßig über die Entwicklungen informiert.
Im Jahr 2018 stellte das Wasserwirtschaftsamt bei einer Messstelle erstmals eine Überschreitung des Schwellenwerts für Nitrat im Grundwasser fest – nicht im Trinkwasser, wie Landrat Eder ausdrücklich betont. Die gesetzlichen Grenzwerte für Trinkwasser seien bislang nicht überschritten worden.
Zuständigkeiten und Maßnahmen: Ein Flickenteppich
Die konkrete Umsetzung von Maßnahmen liegt laut Landratsamt bei übergeordneten Stellen: So sind das Bayerische Landesamt für Umwelt sowie die Wasserwirtschaftsämter verantwortlich für Maßnahmen bei steigenden Nitratwerten im Grundwasser. Die Kontrolle der Düngeverordnung wiederum fällt in den Zuständigkeitsbereich der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – in diesem Fall das Amt in Krumbach/Schwaben in Mindelheim.
Das Landratsamt Unterallgäu selbst sieht seine Rolle vor allem in der Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Bereits 2001 und 2013 wurden solche Schutzgebiete für die Brunnen der Stadt Memmingen und der Woringer Gruppe festgelegt. Für den Markt Bad Grönenbach soll das bestehende Schutzgebiet aus dem Jahr 1981 bald aktualisiert werden. Derzeit laufen dazu hydrogeologische Untersuchungen.
Reaktion auf BUND-Kritik: „Nitratanstieg ist bekannt“
Auf die Kritik des BUND, der auf einen kontinuierlichen Anstieg der Nitratwerte hinweist, reagiert das Landratsamt gelassen – aber nicht tatenlos: Die Belastung sei bekannt, erste Maßnahmen seien eingeleitet. Sollte die Qualität des Trinkwassers künftig gefährdet sein, müssten Wasserversorger Sanierungspläne vorlegen, einschließlich eines auf das Einzugsgebiet abgestimmten Düngekonzepts.
Landrat Eder betont: „Sauberes Trinkwasser ist von elementarer Bedeutung und es ist gut, dass wir hier genau hinsehen und kontrollieren. Natürlich ist hier auch die Landwirtschaft in der Pflicht.“
Zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserschutz
In Bezug auf mögliche Interessenskonflikte stellt das Landratsamt klar: Trinkwasserschutz habe Priorität, müsse jedoch nicht im Widerspruch zur Landwirtschaft stehen – sofern diese sich an die Vorgaben der Düngeverordnung halte. Der Fokus liege auf einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung.
Ausblick: Beobachten statt Eingreifen
Konkrete neue Maßnahmen plant das Landratsamt derzeit nicht. Die Nitratwerte liegen nach eigenen Angaben aktuell noch unterhalb kritischer Grenzwerte. Ein aktives Einschreiten sei daher nicht vorgesehen. Man beobachte die Situation in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren und wolle im Bedarfsfall schnell handeln.
Nitratbelastung im Grundwasser: Stadtwerke Memmingen nehmen Stellung
BUND Naturschutz | Intensivlandwirtschaft bedroht Trinkwasser im Unterallgäu









