Die Nitratwerte im Grundwasser der Memminger Schotterebene steigen seit Jahren kontinuierlich an – mit besorgniserregenden Folgen für Umwelt und Trinkwasserversorgung. Hauptursache ist die intensive Landwirtschaft mit großen Milchviehbetrieben in der Region, wie ein aktueller Bericht des Wasserwirtschaftsamtes Kempten bestätigt. Umweltverbände wie der BUND Naturschutz fordern daher ein Umdenken: weg von industrieller Massentierhaltung, hin zu einer nachhaltigeren und regional verankerten Landwirtschaft. Besonders kritisch sehen Experten aktuelle Entwicklungen auf EU-Ebene, die wichtige Umweltauflagen für Agrarförderungen lockern könnten – mit potenziell dramatischen Konsequenzen für die Trinkwasserqualität im Unterallgäu.
Im Zuge der zunehmenden Sorge um steigende Nitratwerte im Grundwasser der Memminger Schotterebene haben sich die Stadtwerke Memmingen in Person ihres Leiters Marcus Geske zu den Entwicklungen und Maßnahmen geäußert. Im Interview beantwortet Geske zentrale Fragen zum Zustand des Trinkwassers, zu bisherigen Erkenntnissen und geplanten Schritten.
Seit wann sind den Stadtwerken steigende Nitratwerte bekannt?
Geske verweist auf langjährige Aufzeichnungen der Nitratkonzentrationen in den beiden Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke, die bis 1994 zurückreichen. Die Werte schwanken saisonal stark und hängen maßgeblich von Niederschlägen und dem Grundwasserstand ab. In den letzten 15 Jahren sei jedoch ein besorgniserregender Trend erkennbar, so Geske. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, wurde zwischen 2017 und 2023 eine umfassende Studie zur Grundwasserqualität in der Memminger Schotterebene durchgeführt. Der Ergebnisbericht liegt seit September 2024 vor.
Wann wurde eine Überschreitung gesetzlicher Grenzwerte festgestellt?
Laut Geske wurden Grenzwertüberschreitungen an einzelnen Messstellen – konkret an der Weihbrunner Quelle bei Zell – erst im Rahmen der aktuellen Studie bekannt. Die Entnahmebrunnen der Stadtwerke selbst sind davon jedoch nicht betroffen.
Welche Maßnahmen hat die Stadt bislang ergriffen?
Mehrere Schritte wurden bereits unternommen, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern:
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Kontinuierliche Überwachung der Nitratwerte aus den Brunnen mit engmaschiger Beprobung; künftig ergänzt durch eine Online-Messeinrichtung.
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Regelmäßige Kontrollen im Wasserschutzgebiet durch Mitarbeitende der Stadtwerke.
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Kompensationen für Landwirte, die durch die Schutzgebietsverordnung Einschränkungen hinnehmen müssen.
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Informationsaustausch mit Landwirten sowie enge Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Landwirtschaftsamt und dem Landratsamt.
Wie reagiert die Stadt auf die Kritik des BUND?
Geske betont, dass das Memminger Trinkwasser derzeit vollständig den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Es gebe keine Grenzwertüberschreitungen bei der abgegebenen Trinkwasserqualität. Dennoch nehme man die steigenden Nitratwerte sehr ernst. Eine Trendumkehr sei dringend erforderlich.
Wie bewertet die Stadt die Nitratüberschreitungen im Verhältnis zur Landwirtschaft?
Der Schutz des Trinkwassers habe höchste Priorität, so Geseke. Das betroffene Einzugsgebiet sei für rund 80.000 Menschen in der Region unverzichtbar. Zwar halte sich die große Mehrheit der Landwirte an geltende Vorschriften, doch gebe es auch einzelne Betriebe, die die rechtlichen Grenzen überschreiten.
Welche weiteren Schritte plant die Stadt?
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass besonders intensiv genutzte Böden im Süden der Memminger Schotterebene die Hauptursache für die Nitratbelastung darstellen. Zukünftig sollen die Fachbehörden noch stärker eingebunden und mögliche Verstöße gegen gute landwirtschaftliche Praxis konsequent geahndet werden.
BUND Naturschutz | Intensivlandwirtschaft bedroht Trinkwasser im Unterallgäu









