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Montag. 26. Oktober 2020 / 44

Umdenken in Deutschland: Digitale Bezahlung erfreut sich wachsender Beliebtheit

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Nur Bares ist Wahres. Das alte Sprichwort hat sprichwörtlich ausgedient und wird Schritt für Schritt durch den Einsatz von EC-Zahlungen, digitalen Zahlungsanbietern und Kryptowährung abgelöst. Was die Welt als Vorteil schon lange erkannt hat, findet nun auch in Deutschland endlich Anklang und lässt das Bargeld aus den Geldbörsen der Deutschen verschwinden.

Der Einzelhandel hat ein Problem. Deutsche Innenstädte verlieren wichtige Geschäftsflächen, der stationäre Shop vor Ort verzeichnet einen Kundenrückgang und die Gewinne bleiben aus. Das unaufhaltsame Ausdünnen der ehemaligen Einkaufsstraßen hat einen Grund, den niemand von der Hand weisen kann: Der Online-Handel hat das Zepter im Konsumverhalten übernommen. Doch statt den Anbietern die Schuld in die Schuhe zu schieben, sind einzig und allein die Kunden für diese Entwicklung verantwortlich. Die Lust auf einfache Lieferungen, unkompliziertes Shoppen auf dem Sofa und die Option der bargeldlosen Bezahlung in vielfältiger Art machen das Einkaufen auf digitaler Ebene so verführerisch.

Die Beliebtheitskurve zieht eine weitere Trendkurve mit sich, die von Experten als zukunftsweisend betrachtet wird. Digitales Bezahlen und Online Payment halten Einzug in den Alltag der Menschen. Während die skandinavischen Länder, Amerika oder China in diesem Bereich weit fortgeschritten sind, wagt sich Deutschland zögerlich an die Thematik. Die Integration von Apple Pay oder die Nutzung von Bitcoins findet im Internet statt, doch die Anwendung im Supermarkt ist noch Zukunftsmusik. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Es ist schneller, unkompliziert und sicherer. Die Möglichkeit, Geld kontaktlos und zeitsparend zu transferieren, spielt dabei die größte Rolle. Beispielsweise ersparen Zahlungen mit Kryptowährung die zweitägige Bearbeitungszeit, die sich Banken für den Transfer von Überweisungen vorbehalten. Wer Poker online spielt, wird wissen, wie nervig es sein kann, dass die Spielrunde zwangspausieren muss aufgrund der Wartezeit, die das Geldaufladen mit sich bringt. Mit einem Bitcoin-Transfer dauert es dagegen nur wenige Minuten.

Mit Online Payment lassen sich Zeit und Nerven sparen. (Quelle: Pixabay)

Obwohl alles für den Einsatz von Onlinezahlungen oder Mobile Payment spricht, wird der Weg in Deutschland mit Vorsicht beschritten. Mit der bargeldlosen Zahlung wie EC- oder Kreditkarten haben die Deutschen kaum ein Problem. Die Möglichkeit besteht in fast allen Stores und gastronomischen Einrichtungen und wird von den Kunden genutzt. Doch die Entwicklung der mobilen Anwendungen stellt die Geschäfte vor eine neue Herausforderung. Es gibt zahlreiche Anbieter, die eine einfache Zahlung mit dem Handy oder der Smartwatch ermöglichen. Jedoch bräuchten die Betreiber im Einzelhandel für jede Option eine eigene Schnittstelle, um die Zahlungsmöglichkeit anzubieten. An dieser Problematik scheitert das Wachstum der digitalen Zahlungen. Nur wenige Kassensysteme wie Tillhub, bieten eine kompakte Lösung, die durch eine clevere Integration viele Möglichkeiten des Zahlens eröffnen.

Beliebte Zahlungsanbieter

Um sich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtzufinden, sollten sich Nutzer auf eine Auswahl an Zahlungsanbieter konzentrieren. Das Nutzen von zahlreichen Optionen sorgt schnell dafür, dass der Überblick im digitalen Geldbeutel verloren geht. ApplePay hat sich seit seinem amerikanischen Launch 2014 bei Apple-Nutzern als unumstößliches Must-Have entwickelt. Durch Auflegen des Handys an die Kontaktstelle wird der Geldtransfer freigegeben und die Zahlung abgewickelt. In der Wallet hinterlegte Daten buchen die Summe von Kreditkarten oder Bankkonten des Nutzers ab. Am 11. Dezember 2018 begann der amerikanische Konzern den Roll-Out in Deutschland. Nach 1 ½ Jahren haben sich bereits mehrere Banken mit dem Modell angefreundet und bieten ihren Kunden die Option an. Zu Beginn vertrauten nur wenige Geldinstitute dem neuen System. Auffällig war, dass moderne und „Online Only“-Anbieter wie N26, Bunq oder o2 Banking die neue Vielfalt als perfekte Ergänzung zu ihrem digitalen Angebot bereitstellten.

ApplePay zählt zu den meistgenutzten Mobile Payments. (Quelle: Pexels)

Konkurrent GooglePay ließ nicht lange auf eine Gegenantwort warten. Der Launch in Amerika fand 2015 statt. Die Bereitstellung in Deutschland schaffte der Suchmaschinen-Konzern jedoch mit 6 Monaten Vorsprung zu Apple. Ab Juni 2018 war die Zahlung per GooglePay über die App möglich. Apple und Google zählen aufgrund ihrer großen Bekanntheit auch bei deutschen Verbrauchern zu den Zahlungsanbietern, die beim Mobile Payment vorn liegen.

Umschwung muss im kleinen Rahmen stattfinden

Laut einer Umfrage vermissen 65 Prozent der Kunden die bargeldlose Zahlung kaum in Geschäften. Dies zeigt, dass noch ein langer Weg bevorsteht. England, Norwegen oder China sind dazu übergegangen, den Mindestwert für bargeldlose Transaktionen zu verbannen. Kaugummis für Cent-Beträge, ein Bier an der Bar oder ein Brot beim Bäcker können im Ausland unkompliziert mit Kartenzahlungen oder Smartphones bezahlt werden. In Deutschland wird oft mit einem Mindesteinkaufswert diese Hürde aufrechterhalten. Der gänzliche Wegfall von Bargeld ist daher schwer vorstellbar.

Bargeld wird in Deutschland immer ein Thema bleiben. (Quelle: Pixabay)

Was der Onlinehandel längst geschafft hat, muss nun in die reale Welt transportiert werden. Die Überwindung des letzten Zweifels scheint etwas paradox: In vielen Branchen und Industrien wird sich auf die Technik verlassen, aufwendige Arbeiten werden durch maschinelle Alternativen ersetzt und digitale Vereinfachungen im Job sorgen für schnellere Lösungen. Warum aber herrscht die anhaltende Skepsis vor digitaler Währung und Zahlungen? Das Festhalten am eingangs erwähnten Sprichworts scheint bei der älteren Generation das Umdenken zu blockieren.

Für die nachrückende Jugend wird sich das Bild in wenigen Jahren ändern: 2018 befand sich der Bargeldanteil im Umsatz des Einzelhandels erstmals unter 50 Prozent. Die Mehrheit zahlte mit Giro- und Kreditkarten. Der Beweis dafür, dass das Umdenken bereits im vollen Gange ist.

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