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Mittwoch. 06. Juli 2022 / 27

Finanziellen Engpass mit Kredit überbrücken: Eine gute Idee?

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Die Preise steigen so stark wie noch nie in diesem Land. Die Inflationsrate erreicht Monat für Monat neue Höhepunkte, ein Einkaufwagen voller Lebensmittel ist für viele nur noch schwer leistbar. Auch an den Tanksäulen macht sich Frust breit: Volltanken kostet 80 Euro oder mehr, je nachdem, wie groß der Tank ist. Finanzielle Engpässe sind vorprogrammiert. Entsteht bei akutem Geldbedarf eine größere Lücke, kann ein Kredit die passende Lösung sein. Doch nur unter bestimmten Bedingungen.

Wann ist von einer Kreditaufnahme abzuraten?

Wenn dauerhaft finanziell „Land unter“ herrscht, ist von der Kreditaufnahme abzuraten. Denn das Darlehen muss Monat für Monat getilgt werden, inklusive Zinsen. Wer sich aber jetzt schon am Limit der finanziellen Belastbarkeit befindet, kann keine zusätzlichen finanziellen Verbindlichkeiten mehr tragen. In diesem Fall ist es eher ratsam, an der Einnahmenseite zu arbeiten und womöglich die Ausgaben zu reduzieren.

Falls es sich hingegen nur über einen vorübergehenden finanziellen Engpass handelt, lohnt sich der Blick auf ein Vergleichsportal wie LoanScouter.com durchaus. Die dortigen Experten haben die Daten zahlreicher seriöser Finanzdienstleister gesammelt und präsentieren sie dem breiten Publikum. User können hier relativ zügig die einzelnen Konditionen prüfen und vergleichen. Dieser Service kostet nichts und ist völlig unverbindlich. Die Nutzer gelangen, wenn sie möchten, auf direktem Weg zum ausgewählten Anbieter, um sich dort weitere Informationen und anschließend den gewünschten Kredit zu holen.

Niemals überstürzt einen Kredit aufnehmen

Der Weg zum Kredit ist dank dem World Wide Web also kurz, die Angelegenheit schnell erledigt. Allerdings gilt es, vor Vertragsabschluss erst einmal innezuhalten und sich gründlich selbst zu prüfen. Denn auch wer tatsächlich nur einen Engpass überbrücken möchte und sich insgesamt finanziell sicher fühlt, bewegt sich eventuell auf riskantem Gelände. Im Grunde sollte jeder, der sich mit dem Gedanken der Kreditaufnahme trägt, eine Bonitätsprüfung an sich selbst durchführen.

Die Bonität ist die Zahlungsfähigkeit einer Person, also die Befähigung, ein aufgenommenes Darlehen tatsächlich zurückzuzahlen. Banken und Finanzdienstleister prüfen die Bonität normalerweise von sich aus, bevor sie ihr Geld verleihen. Allerdings fällt die Analyse nicht immer gleich umfangreich aus. Einige Anbieter beschränken sich darauf, festzustellen, ob die jeweilige Person über ein Arbeitseinkommen verfügt. Viele verlangen zusätzlich eine Schufa-Auskunft, um den berüchtigten Score abzufragen. So lassen sich vergangene oder aktuelle Finanzprobleme aufspüren und in die Bonitätsprüfung mit einbeziehen.

Eine Inventur: Wie viel kann ich mir leisten?

Doch nur einer weiß, wie finanzstark ein Mensch wirklich ist, und das ist die Person selbst. Nur hat nicht jeder ad hoc den kompletten Überblick, dafür sind unsere Finanzverhältnisse oft zu komplex. Also gilt es, erst einmal Inventur zu machen: Welche Einnahmen habe ich – und welche Ausgaben stehen ihnen gegenüber? Empfehlenswert ist eine schriftliche Auflistung, orientiert an den Kontoauszügen und eventuell an gesammelten Quittungen. Aber Achtung! Die Ausgaben sind meistens umfangreicher als gedacht, allzu häufig gerät die eine oder andere Position in Vergessenheit. Darum hier eine Checkliste ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Miete / Kreditraten fürs Haus
  • Energie und Wasser
  • Gebühren und (Grund)steuern
  • Versicherungen
  • Mobilitätskosten (Auto, öffentlicher Nahverkehr)
  • Unterhaltsleistungen
  • Medien wie Internet, Smartphone, Zeitung, GEZ
  • Abonnements, z.B. Streamingdienste
  • Ernährung
  • Kleidung und Schuhe
  • Kosten für Haustiere
  • Freizeitausgaben (Hobbys und Unterhaltung)
  • Beiträge zu Vereinen und Verbänden
  • Raten für bestehende Kredite außer Immobiliendarlehen
  • Medikamente und andere Gesundheitskosten
  • Regelmäßige Spenden
  • Instandhaltungs- und Handwerkerkosten
  • Schulausstattung und Kita-Gebühren
  • Urlaubskosten

Die Liste ist lang und kann durchaus noch länger werden. Wichtig ist, nichts zu vergessen und jeden Punkt finanziell zu beziffern – und wenn es sich um eine Schätzung handelt. Zum Schluss alle Ausgaben zusammenrechnen und von den Einnahmen abziehen: Welcher Betrag bleibt übrig?

Die Summe, die jeden Monat frei zur Verfügung steht, sollte nie ganz in eine Kreditrate fließen. Ein Teil davon dient dazu, Rücklagen zu bilden, falls es zu einem Notfall kommt. Sonst bringt zum Beispiel eine Autoreparatur oder der Totalausfall der Waschmaschine die Finanzsituation ins Wanken, im schlimmsten Fall bis zum Zahlungsausfall.

Photo by 652234 (Author), Pixabay Licence (Licence)

Kredit aufnehmen – oder besser nicht?

Schlussendlich muss jeder selbst abwägen, ob sich die finanzielle Belastung durch einen Kredit lohnt oder nicht. Das hängt sicher auch davon ab, welche Anschaffung von dem Darlehen getätigt werden soll. Einige Dinge sind dringend nötig, andere weniger, und wieder andere gelten als Luxus. Wer sich mitten in der Krise ein Segelschiff anschafft, muss entweder von sich aus viel Geld haben oder schlichtweg leichtsinnig sein. Eine Person hingegen, die sich ein dringend benötigtes Auto kauft, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, tätigt eine zukunftsträchtige Investition. Es ist empfehlenswert, auch die derzeitige Krise in die Überlegungen mit einzubeziehen, um auch nächstes Jahr noch fleißig tilgen zu können.

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