2.1 C
Memmingen
Donnerstag. 20. Januar 2022 / 03

Was macht ein Bilanzbuchhalter?

-

ANZEIGE
Print Friendly, PDF & Email

Entgegen der weitverbreiteten Meinung hat der Beruf des Bilanzbuchhalters weitaus mehr zu bieten als nur trockene Zahlen und Statistiken. Er lockt mit vielseitigen Aufgabenbereichen, guten Job- und Karrieremöglichkeiten und attraktiven Gehaltsaussichten.

Der Bilanzbuchhalter – Vorstellung und Realität

Klischees sind allgegenwärtig im Privat- und Berufsleben. Sie werden von den Medien überall verbreitet und beeinflussen unsere positive oder negative Wahrnehmung und Beurteilung von Personen, Sachverhalten und Institutionen. Egal, ob ein propagiertes Image der Realität entspricht oder schlichtweg falsch ist – Stereotypen halten sich hartnäckig und sind aus den Köpfen einfach nicht weg zu bekommen. Auch über Berufsprofile sind im Alltag die unterschiedlichsten Klischees im Umlauf und in der öffentlichen Meinung fest verankert. Zu den gängisten Berufsklischees gehören z.B. der Anwalt, der den ganzen Tag nur Golf spielt oder der Fussballprofi, der den ganzen Tag nur auf seiner Luxusyacht im Mittelmeer vor Mallorca in der Sonne liegt.

Ein weiteres Berufsbild, das unter einem schlechten Image leidet, ist das des Bilanzbuchhalters. Langweiler mit dicken Hornbrillen und verschwitzten Hemden, die ihre Zeit nur mit dem Wälzen und Durchforsten von verstaubten, kaffeebefleckten Aktenordnern in ihrem dunklen Kämmerlein verbringen und nur in Zahlen, Statistiken und Analysen versunken sind – und das sind nur einige der vielen antiquierten und überkommenen Klischees, mit denen der Beruf des Bilanzbuchhalters bis heute zu kämpfen hat. Aber weit gefehlt! Nichts könnte realitätsferner sein als diese Stereotypen. Entgegen der landläufigen Meinung hat das Berufsprofil eines modernen Bilanzbuchhalters überhaupt nichts mit diesem spießigen Image zu tun, das ihm immer noch angedichtet wird. Vielmehr ist das genaue Gegenteil der Fall. Bei näherer Betrachtung präsentiert es sich als ein abwechslungsreiches, krisensicheres und zukunftsträchtiges Berufsbild, das vielfältige Einsatz- und Aufgabenbereiche, sehr gute Job- und Karrierechancen und attraktive Gehaltsaussichten bietet.

Viele Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Aufgrund ihrer Schlüsselposition im Unternehmen hat die Bilanzbuchhaltung schon lange Eingang in die berufliche Fortbildungslandschaft in Deutschland gefunden. Viele private und staatliche Aus- und Weiterbildungsinstitute berücksichtigen dieses Berufsprofil bei der Gestaltung ihrer Lehrpläne und haben ihr umfangreiches berufliches Aus- und Weiterbildungsprogramm um die dazugehörigen Kursen und Seminare erweitert. Heute können sich berufliche Neu- und Quereinsteiger zu einem staatlich anerkannten Bilanzbuchhalter weiterqualifizieren lassen und bekommen in den entsprechenden berufsqualifizierenden Lehrgängen und Schulungen das erforderliche analytische, rechnerische, betriebswirtschaftliche und buchhalterische Handwerkszeug vermittelt.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über das Berufsbild des Bilanzbuchhalters.

Das Berufsbild des Geprüften Bilanzbuchhalters

Die korrekte Berufsbezeichnung für dieses Berufsprofil lautet in Deutschland „Geprüfter Bilanzbuchhalter“. Die entsprechende Berufsausbildung ist nicht als eine duale Berufsausbildung organisiert, sondern wird als eine eigenständige, öffentlich-rechtlich anerkannte kaufmännische Aufstiegsfortbildung angeboten. Diese kann mit einem von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannten Abschluss erfolgreich absolviert werden.

Diese Ausbildungsangebot richtet sich an Bewerber mit starkem kaufmännisch-betriebswirtschaftlichem Hintergund. Formale Zugangsvoraussetzungen sind entweder ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften und eine mindestens zweijährige Berufspraxis oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf. Als berufsspezifische Fähigkeiten werden Planungs- und Organisationstalent, Rechtschreibsicherheit, mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen sowie ein ausgeprägtes Zahlenverständnis und gute mathematische Kenntnisse vorausgesetzt. Weitere berufsqualifizierende Fertigkeiten sind Leistungs-, Einsatz- und Lernbereitschaft, ein kaufmännisches Verständnis, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, eine selbstständige Arbeitsweise und Diskretion.

Mögliche Arbeitgeber für Geprüfte Bilanzbuchhalter sind u.a. kaufmännische Unternehmen aller Branchen und die öffentliche Verwaltung. Hier können sie in einem Angestelltenverhältnis ein durchschnittliche Monatsgehalt zwischen 3.544 Euro brutto und 4.254 Euro brutto bzw. ein durchschnittliches Jahresgehalt zwischen 41.900 Euro brutto und 59.400 Euro brutto verdienen.

Aufstellung und Publikation des Jahresabschlusses

Unter dem Gesichtspunkt der Unternehmensstruktur ist die Bilanzbuchhaltung – genauso wie z.B. die Debitoren- und die Lohnbuchbuchaltung – nur einer von mehreren Teilbereichen des betrieblichen Rechnungswesens. Wenn die anderen Teilbereiche aber die „klassischen“ Buchhaltungsdisziplinen sind, dann ist die Bilanzbuchhaltung die Königsdisziplin der betrieblichen Buchführung.

Ihre wichtigste Aufgabe ist das Erstellen und Veröffentlichen von unternehmensinternen Bilanzen. Diese umfassen nicht nur die monatlichen, viertel- und halbjährlichen Zwischenbilanzen, sondern insbesondere auch den Jahresabschluss einer Firma. Dieser stellt den rechnerischen Abschluss eines kaufmännischen Geschäftsjahres dar und fasst in der Bilanz und in der GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) die betriebswirtschaftlichen Kennziffern aus allen betrieblichen Buchhaltungsabteilungen zusammen. Als Saldierung der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im Geschäftsjahr eines Unternehmens gibt er Aufschluß über dessen Geschäftstätigkeit und ist das endültige Benchmark für dessen wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg.

Die Bilanzbuchhaltung fungiert in der Unternehmensstruktur als Schnittstelle aller Teilbereiche des betrieblichen Rechnungswesens, bei der die betriebswirtschaftlichen Zahlen und Ergebnisse aus allen Buchhaltungsabteilungen zusammenfließen. Sie ist sozusagen die Schaltzentrale der betrieblichen Buchführung.

 

Reportings über die wirtschaftliche Situation, Liquidität und Rentabilität

Dank ihrer Schlüsselstellung im betrieblichen Rechnungswesen hat die Bilanzbuchhaltung die aktuellsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens immer im Blick.

Aufgrund dieses Informationsvorsprungs übernimmt sie auch klassische Controlling-Aufgaben wie die Aufklärung der Unternehmensführung über die wirtschaftliche Lage, die Liquidität und die Rentabilität einer Firma – und das Ableiten von unternehmenspolitischen Handlungsempfehlungen. Die betriebswirtschaftlichen Basis für diese Reportings sind die monatlichen, viertel- und halbjährlichen Zwischenbilanzen. Diese dienen als weitreichende Entscheidungsgrundlagen für die zukünftigen strategischen und operativen Planungen in der Finanz-, Investitions- und Personalpolitik eines Unternehmens.

Solche unternehmenspolitischen Fragestellungen betreffen u.a. das Durchführen von Finanzkontrollen zur Sicherung der Liquidität, die Einstellung von Mitarbeitern, das Durchführen von Maßnahmen der Kapitalbeschaffung und die Erstellung von Finanz- und Liquiditätsplanungen. Weitere Funktionen, die der Bilanzbuchhaltung aufgrund ihrer Schlüsselposition im Unternehmen ausübt, umfassen z.B. die Identifizierung und Bewertung von finanziellen Risiken im Unternehmen, die Verhandlung von Kreditkonditionen und das Aufzeigen von Maßnahmen zur Risikominderung und -vermeidung im Rahmen des Risk Managements sowie der Aufbau eines internen Kontrollsystems.

Berechnung der unternehmerischen Steuerpflichten

Als Dokumentations- und Informationsstelle für alle Geschäftsvorfälle einer Firma berechnet die Bilanzbuchhaltung nicht nur den Jahresumsatz, sondern auch die Steuerpflichten eines Unternehmens.

Diese komplexe und anspruchsvolle Aufgabe erfordert nicht nur ein umfangreiches betriebswirtschaftliches Know-How und gute rechnerische Fähigkeiten, sondern auch ein umfangreiches steuerrechtliches Wissen. Ein Bilanzbuchhalter muss immer den Durchblick im dichten Paragraphendschungel des nationalen und internationalen Steuerrechts behalten und alle relevanten juristischen Anforderungen kennen. Deshalb muss er auch mit einer fortlaufenden beruflicher Weiterbildung dafür sorgen, dass er im Bereich nationales bzw. internationales Steuerrecht immer auf dem neuesten Wissensstand. Nur so ist gewährleistet, dass bei der Ermittlung der unternehmerischen Steuerpflichten alle Steuervorteile und Sonderregelungen beachtet und dass alle relevanten steuergesetzlichen und juristischen Vorgaben eingehalten werden.

Seine steuerrechtlichen Pflichten umfassen u.a. die Ableitung des steuerliches Ergebnisses aus dem handelsrechtlichen Ergebnis, die Berechnung des zu versteuerndes Einkommens und der festzusetzenden Körperschaftsteuer sowie die Bestimmung des zu versteuernden Gewinns entsprechend der einzelnen Gewinnermittlungsarten. Weitere Aufgaben sind z.B. die Vorbereitung von Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen sowie die Prüfung von Geschäftsvorfällen auf ihre umsatzsteuerliche Relevanz und auf ihre Vorsteuer.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE