Polizeiliche Kriminalstatistik 2013 – Wiederum unter 6 Millionen Straftaten und erneut weniger Tatverdächtige

bundesinnenminister-friedrichBundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und der Vorsitzende der Ständigen Konferenz der Innenminister und –senatoren der Länder, Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger, haben heute in Berlin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2013 vorgestellt.

Wie bereits in den beiden Vorjahren hat die Polizei auch 2013 weniger als sechs Millionen Straftaten registriert. Im Jahr 2013 wurden 5.961.662Straftaten  gezählt, ein Wert geringfügig unter dem des Vorjahres (2012: 5.997.040 Straftaten). Die Aufklärungsquote liegt mit einem Wert von 54,5% auf dem Niveau des Vorjahres 2012 (54,4%).

Die Zahl der Tatverdächtigen ist mit 2.094.160 gegenüber 2012 nahezu konstant geblieben. Über ein Viertel hiervon (26,7%) sind Mehrfachtatverdächtige, d.h. sie wurden mindestens zweimal als Tatverdächtige im Berichtsjahr polizeilich erfasst.

Bei den Straftaten gegen das Leben (Rückgang um 2,5% auf 2.951 Fälle) und der Gewaltkriminalität (Rückgang um 5,3% auf 184.847 Fälle) setzt sich der positive Trend sinkender Zahlen der vergangenen Jahre fort. Zurückzuführen ist die Entwicklung bei den Gewaltdelikten in erster Linie auf Rückgänge bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung um 6% auf 127.869 Fälle. Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist ein Anstieg um 2,1% auf 46.793 Fälle zu verzeichnen. Allerdings ist in diesem Deliktsfeld der sexuelle Missbrauch von Kindern um 1,5 % auf 12.437 Fälle gesunken.

Bundesinnenminister Dr. de Maizière erklärte dazu: „Die neue Polizeiliche Kriminalitätsstatistik bestätigt, dass Deutschland ein Land ist, in dem man sicher und ruhig leben kann. Dennoch ist jedes Opfer eines zu viel. Daher müssen wir besonders die Deliktsfelder aufmerksam verfolgen, in denen die Straftaten, die Opfer oder die Schadenssummen steigen. Das gilt leider für die Cyberkriminalität, also denjenigen Straftaten, die unter Ausnutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnik begangen werden. Für 2008 verzeichnete die PKS in Deutschland noch rd. 38.000 Straftaten der Cyber-Kriminalität, 2012 waren es bereits 64.000 Fälle. 2013 ist diese Zahl weitgehend gleich geblieben (64.426 Fälle). Alarmierend ist aber die Entwicklung bei einzelnen Delikten, etwa der Computersabotage. Die Fälle haben hier nach einem rasanten Anstieg im Jahr 2012 im Jahr 2013 erneut um 17,6% (12.766 Fälle) zugenommen. Gleichzeitig stagniert die Aufklärungsquote im Bereich der Cyberkriminalität bei einem Wert von 25,3%. Bei Datenveränderung und Computersabotage sank die Aufklärungsquote sogar von 17,5% auf 9,2%. Hier spiegelt sich wider, dass die Strafverfolgungsbehörden den größten Teil dieser Straftaten keinem Täter mehr nachweisen können, da die digitalen Spuren nicht zuletzt auch wegen fehlender und unterschiedlicher Regelungen für eine Mindestspeicherungsfrist in den einzelnen Staaten von den Tätern erfolgreich verwischt werden können.“

Cyberkriminalität ist ein flexibler, dynamischer und anonymer Deliktsbereich. Darauf muss die Sicherheitspolitik reagieren. Bund und Länder haben daher begonnen, ihre Kräfte für die Bekämpfung zu bündeln und zentrale Ansprechstellen zur Beratung der Wirtschaft und Bürger bei ihren Polizeien eingerichtet. Auch das BKA hat seine Ermittler in einem neuen Cybercrime-Center zusammengefasst und baut seine Kompetenzen auf diesem Spezialgebiet weiter aus.

Diebstahlsdelikte (2.382.743 Fälle) machen wie in den Vorjahren mit 40% den größten Anteil an der Gesamtkriminalität aus, die Fallzahlen insgesamt stagnieren im Vergleich zum Vorjahr (leichter Anstieg um 0,1 %). Ähnliches zeichnet sich bei der Kfz-Kriminalität ab, hier gibt es eine geringfügige Steigerung um 0,5 % auf 37.427 Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

Besorgniserregend ist der erneute Anstieg der Wohnungseinbruchsdiebstähle (um 3,7% auf 149.500 Fälle). Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote mit durchschnittlich 15,5% gering. Wohnungseinbruchskriminalität ist in erster Linie ein Großstadtphänomen, in ländlichen Bereichen sind die Fallzahlen deutlich niedriger. So sind bezogen auf die Bevölkerung die Stadtstaaten und die großstädtischen Räume sowie die Regionen entlang der Autobahnen betroffen. Die Grenzgebiete zu Polen, Tschechien, den Niederlanden und Frankreich sind weniger betroffen als die Großstädte.

Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl hat die Polizei zunehmend mit länderübergreifend organisierten Banden aus Ost- und Südosteuropa zu tun. Sie begehen bundesweit eine Vielzahl von Einbrüchen und Diebstählen. „Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern sollen deshalb noch umfassender zusammenarbeiten. Der Informationsaustausch muss noch enger werden“, betonte NRW-Innenminister Jäger. „Wir Innenminister arbeiten daher an der Entwicklung eines bundesweit abgestimmten Konzeptes zur Bekämpfung mobiler Einbrecherbanden.“

Bundesinnenminister Dr. de Maizière hierzu: „Die intensive Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden von Bund, Ländern und Nachbarstaaten ist mir ein besonderes Anliegen und zentraler Inhalt meiner Gespräche mit meinen Kollegen der Bundesländer als auch mit meinen Kollegen aus Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und den Niederlanden“.

Erfreulich ist, dass erneut die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher (14 bis unter 18 Jahre) um 5%  auf 190.205 (2012: 200.257) zurückgegangen ist. Noch stärker – um 11,9% auf 23.868 – ist der Rückgang des Anteils jugendlicher Tatverdächtiger bei der Gewaltkriminalität. (2012: 27.097); dies gilt auch und besonders für den Tatverdächtigenanteil an der gefährlichen und schweren Körperverletzung, der sich um 13,7% auf 18.179 jugendliche Tatverdächtige (2012: 21.066) verringerte.

Bundesminister Dr. de Maizière: „Diese Zahlen zeigen, dass die vielfältigen Bemühungen zur Bekämpfung von Gewaltkriminalität Früchte tragen. Ich denke hier an die unermüdliche Arbeit von Polizei und Justiz, aber auch an die zahllosen präventiven Projekte staatlicher und nichtstaatlicher Akteure.“

NRW-Innenminister Jäger forderte eine deutliche Ausweitung der Kriminalprävention. „Wir müssen alles unternehmen, damit Menschen nicht zu Opfern werden. Prävention hat darüber hinaus den positiven Effekt, dass weniger Menschen zu Tätern werden. Das erspart dem Staat Milliarden und vielen Menschen traumatische Erlebnisse“.  

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