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Dienstag. 28. September 2021 / 39

Polizei: Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene etabliert – 17 Fahrzeuge sichergestellt

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17 sichergestellte Fahrzeuge und 47 Anzeigen sind das bisherige Fazit der neu gegründeten „Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene“ beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West.

Illegale Autorennen, übermäßige Lärmbelastung der Anwohner durch aufheulende Motoren, gefährliche Fahrmanöver und illegale, teils verkehrsgefährdende Anbauten an Kraftfahrzeugen. Die „Autoposer“-Szene sorgte in den letzten Monaten vielerorts zunehmend für Polizeieinsätze. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West stellt sich diesem Trend mit einer schlagkräftigen Kontrollgruppe entgegen. Seit vier Wochen führen die speziell geschulten Beamten an Treffpunkten der Szene regelmäßig Verkehrskontrollen durch.

Dabei geht es aber ausdrücklich nicht darum, Personen zu kriminalisieren, die ihrem Hobby nachgehen und An- und Umbauten fachgerecht und ordnungsgemäß vornehmen. Sondern um die Wenigen, die mit illegalem Tuning und durch gefährliche Fahrmanöver die Szene in Verruf bringen.

Auch bei den jüngsten Kontrollen am Wochenende 09./10./11.07.2021 in Memmingen wurden erneut fünf Fahrzeuge sichergestellt und 15 Fahrer wegen nicht zulässiger Umbauten und zu lauten Abgasanlagen angezeigt. Mehrfach wurde Fahrzeugen die Weiterfahrt untersagt, weil die Betriebserlaubnis erloschen ist.


MEMMINGEN. Am vergangenen Freitag- und Samstagabend führte die Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene im Bereich um die Europastraße zahlreiche Kontrollen durch. Hierbei wurden wiederum einige Fahrzeugumbauten beanstandet, was zu Fahrzeugstilllegungen führte. Insgesamt wurde acht Fahrzeugen die Weiterfahrt untersagt, weil sie verkehrsunsicher waren. Drei Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden, fünf Fahrzeuge wurden sichergestellt und einem technischen Sachverständigen vorgeführt. So wurde beispielsweise ein Audi A6 stillgelegt, an dem das Luftfahrwerk manipuliert war. Auch Fahrzeuge mit nicht funktionierenden Katalysatoren wurden beanstandet. Bei anderen Fahrzeugen konnten Umbauten an Turboladern und Softwaremanipulationen festgestellt werden. König der Kontrollen war ein 40-Tonner-Sattelzug der mit über 100 dB Lautstärke an einer Polizeistreife vorbeifuhr. Die anschließende Verkehrskontrolle erbrachte, dass an dem Lkw der Auspuff manipuliert war und somit per Schalter die Abgase am Katalysator in ohrenbetäubender Lautstärke vorbeigeleitet werden. Der Lkw wurde sichergestellt und steht nun beim Gutachter. Am frühen Sonntagmorgen fiel auch ein Lamborghini auf, der mit lautem Motorknallen durch die Europastraße fuhr und zudem noch den Motor aufheulen ließ. Bei der anschließenden Kontrolle musste er für diesen unnötigen Lärm ein Bußgeld zahlen. Der 19-jährige Fahrer wurde von der Polizei belehrt, dass er das gemietete Fahrzeug nicht in dieser Lautstärke bewegen darf. Als er seine Fahrt fortsetzte, wurde er von der Polizei beobachtet, wie er erneut den Motor knallen und aufheulen ließ. Er wurde wiederum angehalten und musste erneut ein Bußgeld bezahlen. Der junge Mann gab daraufhin bekannt, dass er nun keine Lust mehr habe und jetzt nach Hause fahren wird.
(Kontrollgruppe Posing- und Tuningszene)


Foto: Rizer

In den letzten Jahren hatten sich bereits mehrere Dienststellen im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West intensiv gegen ein vermehrtes, jedoch eher lokal beschränktes Auftreten von „Autoposern“ aufgestellt.

Zu einer Lageneubewertung kam es aber, nachdem sich am 12. Juni 2021 Anhänger der Tuningszene mit entsprechenden Fahrzeugen an diversen Orten im Schutzbereich des PP Schwaben Süd/West getroffen hatten. An diesem Samstagabend waren Personen teilweise bis aus der Schweiz und Liechtenstein sowie aus diversen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs angereist. Zusammen mit erlebnisorientierten jungen Erwachsenen fanden sich zeitweise bis zu 250 Fahrzeuge bzw. 500 Personen an einschlägigen Treffpunkten ein. Im Schutz der Masse kam es zu zahlreichen Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften. Bei etlichen Fahrzeugen musste davon ausgegangen werden, dass sie massiv gegen die Zulassungsvorschriften verstießen.

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West reagiert mit speziell geschulten Beamten und konsequenten Kontrollen!

Als Reaktion auf diese Ereignisse richtete das PP Schwaben Süd/West unverzüglich eine „Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene“ ein. Gemeinsam mit den örtlich zuständigen Polizeiinspektionen und mit Unterstützung der Einsatzzüge des Präsidiums finden nun jedes Wochenende Schwerpunktkontrollen statt. Diese haben das Ziel, von vornherein entsprechenden Ansammlungen entgegen zu wirken, Verhaltensverstöße durch polizeiliche Präsenz bereits im Vorfeld zu unterbinden und bei getunten Fahrzeugen eine vertiefte Kontrolle durchzuführen.

„Die „Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene“ hat sich bereits in den vergangenen Wochen als schlagkräftige Einheit erwiesen. Die Beamten haben die Szene im Blick und sind auch mit den benachbarten Polizeipräsidien gut vernetzt“, stellt der stellvertretende Leiter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Herr Dr. Stadler, fest.

Bereits die ersten vier Wochenenden zeigen die Effizienz der „KG PT“. Bei 28 Fahrzeugen wurde ein Erlöschen der Betriebserlaubnis festgestellt, siebzehn Fahrzeuge, mit denen die Besitzer in der Szene kurz zuvor noch für leuchtende Augen und Bewunderung sorgen wollten, wurden aufgrund ihrer technischen Veränderungen sichergestellt und teilweise vor den Augen der mehrheitlich ungläubig reagierenden Szenenangehörigen zum Gutachter abgeschleppt. In diesen Fällen stehen den Haltern neben den Kosten für die Gutachten und den Abschleppvorgang regelmäßig auch hohe Kosten für den Rückbau der Fahrzeuge ins Haus. Abgesehen von sicherheitsrelevanten Mängeln wurden zudem diverse Verkehrsordnungswidrigkeiten, aber auch Straftaten wie Fahren ohne Fahrerlaubnis und Betäubungsmitteldelikte festgestellt.

„In der Szene hat sich die Kontrollgruppe und deren Knowhow inzwischen herumgesprochen. Illegale Kraftfahrzeugrennen, gefährliche Umbauten an Fahrzeugen und rücksichtslose Verkehrsverstöße werden wir nicht tolerieren und auch künftig konsequent zur Anzeige bringen“, so Dr. Stadler.

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