Parteienforscher: Union sollte sich Debatte über Zusammenarbeit mit AfD nicht verschließen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Mehrere Parteienforscher raten der Union, sich einer Debatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) nicht zu verweigern. Der Politikwissenschaftler Everhard Holtmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hält unter bestimmten Voraussetzungen eine Annäherung bereits bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen (31. August) sowie in Brandenburg und Thüringen (beide am 14. September) für denkbar. „Sollte die CDU in Sachsen und vor allem in Thüringen auf kleine Koalitionspartner angewiesen sein, könnte die AfD durchaus in das regionale Unions-Kalkül rücken“, sagte Holtmann „Handelsblatt-Online“.

„Für Sachsen halte ich allerdings die schwarz-grüne Option für wahrscheinlicher.“ Allerdings, so Holtmann weiter, setze auch in der Landespolitik Koalitionsfähigkeit ein „klares programmatisches Profil“ sowie eine „berechenbare Führungsstruktur“ voraus. „Beides ist im Fall der AfD gegenwärtig nicht überzeugend.“ Dass in der CDU ein Richtungsstreit ausbrechen könnte, sieht Holtmann nicht. Der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter empfahl der CDU, sich mit der AfD kritisch auseinanderzusetzen. „Diskursverweigerung wäre ein sinnloses Zeichen der Schwäche“, sagte Oberreuter. „Die jetzt opportunistisch eingeschlagene Verweigerungsstrategie wird ihr Ende finden, sobald andere Opportunismen und Konstellationen Kommunikation und Kooperation nahe legen.“ Es komme jedoch zunächst darauf an, „dass die AfD nicht wie ein Komet verglüht“. Aus Sicht des Potsdamer Parteienforschers Jürgen Dittberner hängt die Zukunft der AfD auch von der Union selbst ab. „Wenn die sich weiter versozialdemokratisiert, macht sie weiter Platz für die AfD“, sagte Dittberner. Dann könne diese Partei auch erfolgreich bei Landtagswahlen sein. „Für die Union wäre sie zuerst ein Schmuddelkind, dann würde eine Diskussion über die AfD folgen und schließlich würde sie für die Union satisfaktionsfähig sein“, ist der Experte überzeugt. So sei das immer gewesen, beispielsweise im Verhältnis zwischen der SPD und den Grünen. „Wenn allerdings die Union ihre Versozialdemokratisierung stoppen würde, hätte die AfD keine Zukunft.“

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