Oberallgäuer Feuerwehren trainieren in Kempten | Beim ADAC holen sich die Fahrer der Einsatzfahrzeuge den Feinschliff

Die Fahrer der Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren Oberallgäu haben im ADAC Fahrsicherheitszentrum Kempten im Allgäu trainiert. (Foto: Dumler)

Ein Stadel brennt lichterloh. Ein aufmerksamer Landwirt hat sogleich die 112 gewählt und die Feuerwehr informiert. Nun muss alles ganz schnell gehen. Die Mitglieder der benachbarten Freiwilligen Feuerwehr haben den Notruf erhalten, lassen alles liegen und stehen und eilen zum Feuerwehrhaus. Rein in die Feuerwehranzüge und ins Fahrzeug, nichts wie hin zum Brandort. Doch die Einsatzfahrten haben es in sich: Die Stressfaktoren speziell für die Fahrer der Löschfahrzeuge mit teilweise mehr als 1000 Litern Wasser im Tank sind enorm. Hier setzt das ADAC Fahrsicherheitstraining für Feuerwehren (und Blaulichtfahrzeuge) an. 42 Fahrer von 15 Freiwilligen Feuerwehren aus dem Oberallgäu nahmen mit ihren Fahrzeugen an insgesamt drei Kursen im ADAC Fahrsicherheitszentrum Kempten im Allgäu teil. Viele staunten nicht schlecht, was ihr Fahrzeug kann – und wo es
an seine Grenzen kommt.
Bevor es los ging, will ADAC Trainerin Doris Höllerer einiges von den 14 Feuerwehrlern in ihrem Kurs wissen. Wie viel Wasser ist in den Tanks? Ist die Bereifung neu oder alt? Sind schon Winterreifen drauf? Hat das Fahrzeug ABS? Was ist sonst noch alles an Bord? „Wir haben ein Stromaggregat und eine Wasserversorgung mit langen Schlauchleitungen auf unserem LF 10“, informiert etwa Konrad Fink von der Freiwilligen Feuerwehr Steibis. Rund 20 Einsätze im Jahr hat die Wehr des 800-Seelen-Dorfes. Dabei wird sie auch schon mal zu einer Türöffnung gerufen, erzählt er augenzwinkernd. Von den 38 Mitgliedern zwischen 18 und 60 Jahren sind zehn Fahrer. Zu diesem Training ist Konrad Fink mit seinem Sohn Sebastian gekommen. Mitgebracht haben sie ihr nagelneues MAN-Löschfahrzeug LF 10, das einen 34 Jahre alten Unimog ablöste. Und da kommt der Feuerwehr Steibis ein Fahrsicherheitstraining natürlich gerade recht.

Welche Erwartungen haben die Teilnehmer des Feuerwehr-Trainings? Die meisten wollen beispielsweise wissen, wie ihr Lkw, Unimog oder Sprinter in extremen Situationen, etwa bei nasser oder glatter Fahrbahn reagiert. „Im Winter, wenn es glatt ist, ist es schon immer auch kritisch“, sagt Konrad Fink. Was tun also, wenn das Fahrzeug in einer Kurve ausbricht, unter- oder übersteuert? Wie ist der Bremsweg des Löschfahrzeugs auf trockener und auf glatter Fahrbahn? Wie lenkt man am besten um ein Hindernis? All diesen Fragen geht Doris Höllerer mit den Teilnehmern auf der 30.000 Quadratmeter großen ADAC Anlage in Kempten nach. Beim Bremsen in der Kurve oder bei einer Not- und Gefahrenbremsung kommt so mancher Fahrer ins Schwitzen. Die Teilnehmer erleben hautnah, dass ‚nur ein paar km/h mehr‘ mitunter fatale Auswirkungen haben können. „Das hätte ich nicht gedacht“, diesen Satz hört ADAC Trainerin Doris Höllerer im Laufe des Trainings öfters von den Feuerwehrlern.

Für den Oberallgäuer Kreisbrandrat Michael Seger sind die ADAC Fahrsicherheitstrainings für die Feuerwehren ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit. Schließlich können sie dazu beitragen, dass die Retter nicht selbst Hilfe brauchen. „Wir helfen professionell, tun dies aber rein ehrenamtlich und zu jeder Tages- oder Nachtzeit“, sagt er. Viele Fahrer der Freiwilligen Feuerwehren seien ja keine Berufskraftfahrer und das Fahren mit den Löschfahrzeugen nicht gewohnt. Seger ist deshalb froh, dass die Kommunale Unfallversicherung Bayern die ADAC Fahrsicherheitstrainings mit 50 Prozent bezuschusst. Zwei bis drei Kurse pro Jahr absolvieren beispielsweise die Oberallgäuer Wehren im ADAC Fahrsicherheitszentrum Kempten im Allgäu. Dieses Mal machten sich Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Haldenwang, Börwang, Dietmannsried, Sulzberg, Durach, Niedersonthofen, Rettenberg, Rubi, Gunzesried, Immenstadt, Fischen, Oberstdorf, Bad Hindelang und Steibis fit für die nächsten Einsatzfahrten. Im Kreisfeuerwehrverband Oberallgäu sind 96 Freiwillige Feuerwehren und drei Werkfeuerwehren mit insgesamt über 4600 Ehrenamtlichen organisiert. Das Einsatzgebiet reicht von Oberstdorf im Süden bis Dietmannsried im Norden und von Wertach im Osten bis Oberstaufen im Westen. Im Jahr 2018 wurden die Oberallgäuer Feuerwehren zu rund 1900 Einsätzen gerufen. „Um Menschen zu helfen und Sachwerte zu schützen, leisteten unsere Feuerwehrler rund 39.000 Stunden“, betont Kreisbrandrat Michael Seger.