
Der Historische Verein Memmingen lädt gemeinsam mit dem Kulturamt zu einer dreiteiligen Vortragsreihe über den Nationalsozialismus ein. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten aus Memmingen oder mit Bezug zur Stadt, die während der NS-Zeit in unterschiedlichen Wirkungsfeldern tätig waren.
Die Vorträge stellen Forschungsergebnisse vor, die im Zusammenhang mit der Arbeit der Kommission für historisch belastete Straßennamen und Ehrenbürgerwürden gewonnen wurden. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Drei Vorträge über Memminger Persönlichkeiten in der NS-Zeit
Die Vortragsreihe beleuchtet unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche: Ingenieurwesen, Stadtpolitik und Kirche. Damit geht es nicht nur um große historische Linien, sondern auch um konkrete Biografien und Verantwortlichkeiten vor Ort. Gerade der lokale Blick auf die NS-Zeit macht die Reihe für Memmingen besonders bedeutsam.
Ingenieure im Nationalsozialismus: Claude Dornier und Karl Bäßler
Der erste Vortrag findet am Mittwoch, 24. Juni 2026, um 19:00 Uhr im Lesesaal des Stadtarchivs Memmingen in der Ulmer Straße 19 statt. Im Mittelpunkt stehen Claude Dornier und Karl Bäßler. Dr. Susanne Meinl hat sich intensiv mit dem Wirken des Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier beschäftigt. Ab Mitte der 1930er-Jahre war Dorniers Unternehmen Teil der NS-Rüstungsindustrie, in der zahlreiche Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt wurden. Anschließend stellt Stadtarchivar Christoph Engelhard das Leben von Karl Bäßler vor. Der gebürtige Memminger Ingenieur und Architekt war ab 1933 Verwaltungsdirektor des Deutschen Museums. Dort war er an verantwortlicher Stelle mit dem vom NS-Regime geförderten Aufbau des Museums sowie später mit dessen Wiederaufbau nach 1945 beschäftigt.
Bürgermeister im Nationalsozialismus: Dr. Heinrich Berndl
Der zweite Vortragsabend findet am Montag, 29. Juni 2026, um 19:00 Uhr im Antoniersaal am Martin-Luther-Platz 1 statt. Die Augsburger Historikerin Katrin Holly M.A. widmet sich der Rolle des Memminger Bürgermeisters Dr. Heinrich Berndl während des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen unter anderem sein Handeln bei der Etablierung des NS-Regimes ab 1933 sowie seine Rolle bei der jahrelangen Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aus Wirtschaft und Gesellschaft.
Pfarrer im Nationalsozialismus: Oskar Daumiller und Walter Wittmann
Der dritte Vortrag findet am Mittwoch, 1. Juli 2026, um 19:00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Steinheim statt. Philip Weidner M.A. spricht über Walter Wittmann und die Rolle der protestantischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Wittmann war Pfarrer der württembergischen Landeskirche. Ab 1933 war er nicht nur Vertreter der „Deutschen Christen“, sondern auch engagierter Verfechter nationalsozialistischer Weltanschauung im Kirchen- und ab 1938 im Schuldienst. Eine Verbindung nach Memmingen ergibt sich durch Oskar Daumiller. Der gebürtige Memminger Pfarrer und Oberkirchenrat der bayerischen Landeskirche ermöglichte Wittmann nach dessen Haft im Internierungslager von 1945 bis 1948, in der Kirchengemeinde Steinheim als Pfarrer zu wirken.
Historische Forschung wird öffentlich zugänglich
Mit der Reihe macht der Historische Verein Memmingen aktuelle Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Vorträge zeigen, wie eng lokale Geschichte mit den Entwicklungen der NS-Zeit verbunden war. Zugleich machen sie deutlich, warum die Auseinandersetzung mit belasteten Straßennamen, Ehrenbürgerwürden und lokalen Biografien bis heute wichtig bleibt.
Musik von Christoph Rheineck in Memmingen
Neben der Vortragsreihe weist der Historische Verein auch auf ein Konzert mit Musik des Memminger Komponisten Christoph Rheineck hin. Am 17. Juni 2026 um 20:00 Uhr ist in der Aula der FOS/BOS im Claußweg 1 Rheinecks Klavierkonzert F-Dur zu hören. Die Hofkapelle München spielt an diesem Abend außerdem Werke von Mozart, Babbi und Rosetti beziehungsweise Nanette von Schaden. Karten für das Memminger Meisterkonzert gibt es bei der Tourist Information Memmingen.
Quellenkurs im Stadtarchiv Memmingen
Auch ein Quellenkurs der Bezirksheimatpflege Schwaben wird angekündigt. Der zweitägige Kurs findet am 26. Juni und 3. Juli 2026 jeweils von 9:00 bis 17:00 Uhr im Stadtarchiv Memmingen in der Ulmer Straße 19 statt. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Archivalien finden, alte Schriften entziffern, Inhalte verstehen und korrekt interpretieren. Außerdem werden Hilfsmittel vorgestellt und Wege aufgezeigt, historische Hintergrundinformationen für die Auswertung von Quellen zu finden. Weitere Informationen und Anmeldung gibt es über die Bezirksheimatpflege Schwaben.
Infokasten: Vortragsreihe zum Nationalsozialismus
Veranstalter: Historischer Verein Memmingen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt
Thema: Persönlichkeiten aus Memmingen oder mit Bezug zur Stadt in der Zeit des Nationalsozialismus
Eintritt: frei
1. Vortrag: Ingenieure im Nationalsozialismus: Claude Dornier und Karl Bäßler
Termin: Mittwoch, 24. Juni 2026, 19:00 Uhr
Ort: Lesesaal des Stadtarchivs, Ulmer Straße 19
2. Vortrag: Bürgermeister im Nationalsozialismus: Dr. Heinrich Berndl
Termin: Montag, 29. Juni 2026, 19:00 Uhr
Ort: Antoniersaal, Martin-Luther-Platz 1
3. Vortrag: Pfarrer im Nationalsozialismus: Oskar Daumiller und Walter Wittmann
Termin: Mittwoch, 1. Juli 2026, 19:00 Uhr
Ort: Dorfgemeinschaftshaus Steinheim


