Dickenreishausen feiert 900 Jahre Geschichte und 50 Jahre Gebietsreform

-

Dickenreishausen feiert sein 900-jähriges Bestehen. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes steht im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Rot an der Rot im Jahr 1126. Damals zählte die Siedlung zum Gründungsbesitz des Klosters. Bei einer Feierstunde zum 900-jährigen Bestehen des Dorfes und zu 50 Jahren Gebietsreform tauchten rund 100 Gäste in die bewegte und wechselvolle Geschichte Dickenreishausens ein. Oberbürgermeister Jan Rothenbacher gratulierte herzlich zum 900-jährigen Jubiläum.

Stadtarchivar blickt auf die Geschichte zurück

In den vergangenen Monaten hatte sich der Heimat- und Gedächtnisverein Dickenreishausen mit seiner Vorsitzenden Hildegard Braun im Stadtarchiv intensiv mit der langen Historie des Dorfes beschäftigt. Stadtarchivar Christoph Engelhard ließ bei der Feierstunde in der evangelischen Kirche St. Agatha und St. Ottilia die wichtigsten Ereignisse aus der Dorfgeschichte Revue passieren. Begleitet wurde sein Rückblick von zahlreichen historischen Dokumenten und Fotos. Während in den ersten Jahrhunderten die Grundherren von Dickenreishausen immer wieder wechselten, blieb das Dorf ab 1472 beim Spital der Reichsstadt Memmingen.

Kriege, Krisen und Landwirtschaft prägten das Dorf

Die Bewohnerinnen und Bewohner Dickenreishausens waren über die Jahrhunderte immer wieder Kriegen und Krisen ausgesetzt. Sie litten während der Bauernkriege um 1525 ebenso wie im Dreißigjährigen Krieg. Auch Krankheiten setzten der Bevölkerung schwer zu. Die Fluren des Dorfes waren für die Getreideversorgung der Region von großer Bedeutung. Eine Flurbereinigung im 18. Jahrhundert sollte die Erträge steigern. Viele Bauern sahen dadurch jedoch die Dorfgemeinschaft bedroht. Die Maßnahme der Reichsstadt war entsprechend umstritten. Nach dem Ende der Reichsstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam Dickenreishausen im Königreich Bayern unter die Aufsicht eines Bezirksamtmanns. Ortsvorsteher und Bürgermeister kümmerten sich fortan um die Belange im Dorf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Dickenreishausen Haltepunkt an der neuen Lokalbahn zwischen Memmingen und Legau. Besonders beliebt war damals auch die Bahnhofsrestauration.

50 Jahre Gebietsreform und Eingemeindung nach Memmingen

Vor 50 Jahren sprach sich bei einer Bürgerbefragung die Mehrheit der Dickenreishauser Bürgerinnen und Bürger für eine Eingemeindung in die Stadt Memmingen aus. Darüber berichtete der langjährige frühere Vorsitzende des Bürgerausschusses, Gerhard Unold. Ein wichtiges Argument für die Eingemeindung war die damals problematische Abwassersituation. Diese konnte durch einen Anschluss über Memmingen an das neu gebaute Gruppenklärwerk Heimertingen gelöst werden. Seit 1997 gibt es in Dickenreishausen einen Bürgerausschuss. Dieser bespricht wichtige Anliegen mit dem Oberbürgermeister, dem Stadtrat und der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Jan Rothenbacher betonte mit Blick auf die Eingemeindung, Dickenreishausen habe vor 50 Jahren nicht den Bürgermeister verloren. Das Dorf müsse ihn nur teilen. Der Oberbürgermeister der Stadt Memmingen sei auch der Bürgermeister von Dickenreishausen, jeder könne mit seinen Anliegen kommen.

Restaurierte Brücke, neuer Kindergarten und Hurrentrasse

Auch aktuelle Entwicklungen wurden beim Jubiläumsabend angesprochen. Im Jahr 2025 wurde die denkmalgeschützte Steinerne Brücke sehenswert restauriert, informierte Gerhard Unold. Zudem wurde ein moderner Kindergarten eröffnet. Auch den Neubau der Kreisstraße MM20, der sogenannten Hurrentrasse, zwischen dem Illerwinkel und Dickenreishausen konnte der Oberbürgermeister eröffnen. Unold hob außerdem hervor, dass Dickenreishausen ein Vorbild in der Klimapolitik sei. Viele Haushalte hätten mittlerweile auf eine zentrale Nahwärmeversorgung umgerüstet.

Festabend mit Musik und Empfang

Moderiert wurde der Festabend von Alexandra Demmeler, der neu gewählten Vorsitzenden des Bürgerausschusses, sowie ihrer Stellvertreterin Isabell Lanki. Pfarrer Markus Müller gab einen geistlichen Impuls. Musikalisch gestaltet wurde der Abend durch den Posaunenchor Dickenreishausen-Woringen unter der Leitung von Dorothea Königsberger sowie durch Andreas Kutter an der Orgel. Bei einem gut besuchten Empfang im neuen Pfarrgemeindesaal klang der Jubiläumsabend aus. Dort kamen die Gäste bei Gesprächen und Fotografien aus der Geschichte Dickenreishausens weiter miteinander ins Gespräch.

spot_img