
Europas Luftverkehr steht nicht vor dem sofortigen Stillstand. Aber der Markt für Flugtreibstoff ist so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Die IATA spricht von einer faktisch kaum passierbaren Straße von Hormus seit Ende Februar und verweist darauf, dass Europa einen erheblichen Teil seines Jet-Fuel-Bedarfs aus dem Persischen Golf deckt. Gleichzeitig betont die EU-Kommission, dass im April noch kein akutes Risiko für die europäische Öl- und Gasversorgung besteht.
Das eigentliche Warnsignal ist derzeit vor allem der Preis. Laut IATA lag der globale Durchschnittspreis für Kerosin zuletzt bei 197,83 Dollar je Barrel. EUROCONTROL meldete für Europa am 27. März 2026 einen Durchschnitt von 4,73 Dollar je Gallone; im gesamten März lag der Mittelwert bei 4,57 Dollar je Gallone und damit etwa doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn.
Für Airlines ist das zunächst vor allem ein Kostenproblem, noch nicht flächendeckend ein akutes Versorgungsproblem. Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte laut Reuters, dass die Versorgung nach Einschätzung der Lieferanten vorerst bis Ende Mai stabil sei, bei anhaltender Krise ab Juni aber Risiken für Sommerflüge entstehen könnten.
Genau das ist der entscheidende Punkt: Europas Problem ist im Moment weniger der leere Tank von heute auf morgen als ein Markt mit knappen Puffern, teuren Umwegen und nervöser Beschaffung. Die EU-Kommission fordert deshalb bereits eine engere Koordination der Mitgliedstaaten zur Sicherung von Öl- und Raffinerieprodukten, sieht aktuell aber noch keine unmittelbare Versorgungslücke.
Für den Flughafen Memmingen wirkt das Bild Stand heute vergleichsweise robust. Der Airport hat seine Betankungsinfrastruktur zuletzt unter der Marke ALLfuel neu organisiert und versorgt Flugzeuge vor Ort regulär mit Kerosin. Zudem meldete Memmingen für 2025 ein Rekordjahr mit starkem Wachstum. Auch 2026 kommen neue Frequenzen hinzu: Für die Verbindung nach Antalya nennt der Flughafen bis zu sieben Flüge pro Woche, SunExpress selbst spricht zunächst von fünf wöchentlichen Flügen, in bestimmten Sommerphasen sogar von täglichen Verbindungen. Das spricht aktuell eher für laufenden Regelbetrieb als für eine akute Krisenlage.
Auch Friedrichshafen ist derzeit klar im Regelbetrieb. Der Bodensee-Airport weist in seinen eigenen Informationen Jet A-1-Betankung per Tankfahrzeug aus. Für 2025 meldete der Flughafen 250.881 Passagiere; für den Sommer 2026 nennt er 15 Ziele in acht Ländern. Im veröffentlichten Flugplan sind reguläre Linien- und Ferienverbindungen sichtbar.
Trotzdem ist die strukturelle Lage nicht für alle Flughäfen gleich. Größere Standorte mit mehr Volumen, höherer Frequenz und eigener Infrastruktur sind im Regelfall widerstandsfähiger als kleinere Regionalflughäfen. Die IATA verweist darauf, dass in angespannten Märkten vor allem Low-Volume-Routen unter Druck geraten, lange bevor große Drehkreuze reihenweise ausfallen. Für Passagiere bedeutet das: höhere Ticketpreise zuerst, Ausdünnung kleinerer Verbindungen danach.
Unterm Strich gilt damit am 13. April 2026: Europas Kerosinproblem ist real, aber ein sofortiger Kollaps des Luftverkehrs ist öffentlich nicht belegt. Für Memmingen und Friedrichshafen gibt es auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Stillstand. Memmingen wirkt wegen Größe und Treibstoff-Infrastruktur robuster, Friedrichshafen als kleinerer Regionalflughafen im Fall einer Eskalation eher anfälliger. Die eigentliche Gefahr liegt nicht im abrupten Grounding über Nacht, sondern in einem über Wochen oder Monate angespannten Markt.



