Wer die Zukunft der angeschlagenen Allgäuer Supermarktkette Feneberg maßgeblich mitgestalten wird, ist weiterhin offen. Als mögliche Investoren gelten der bisherige Kooperationspartner Edeka, der Handelskonzern Rewe sowie weitere große Unternehmen des deutschen Lebensmittelhandels wie Aldi oder die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland.
In den vergangenen Tagen war bereits mit einer Entscheidung des fünfköpfigen Gläubigerausschusses gerechnet worden. Dieses Gremium vertritt die Interessen der Gläubiger und ist an zentralen Weichenstellungen im Insolvenzverfahren beteiligt, etwa bei der Beurteilung von Sanierungsplänen oder Investorenlösungen. Eine Entscheidung liegt bislang jedoch noch nicht vor. Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens soll aber bald Klarheit herrschen.
Offen ist damit weiterhin, wie die Sanierung im Detail ablaufen soll und in welcher Struktur Feneberg künftig fortgeführt wird. Auch die Frage, welcher Investor am Ende zum Zug kommt, ist derzeit noch unbeantwortet.
Schutzschirmverfahren endet, Eigenverwaltung folgt
Fest steht inzwischen, dass auf das bisherige Schutzschirmverfahren nun ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung folgt. Das Schutzschirmverfahren war am 8. Januar beim Amtsgericht Kempten beantragt worden und wurde von der Kanzlei Grub Brugger begleitet.
Die Eigenverwaltung bedeutet, dass das Unternehmen die Sanierung weiterhin selbst organisiert, dabei aber unter gerichtlicher Aufsicht und unter Kontrolle der Gläubiger steht. Für die Unternehmensführung um Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold bleibt damit ein gewisser Handlungsspielraum erhalten.
Eine wichtige Änderung betrifft die Personalkosten: Diese muss Feneberg nun wieder selbst tragen, nachdem sie in der vorherigen drei-Monats-Phase von der Agentur für Arbeit übernommen worden waren.
Rund 200 Millionen Euro Schulden
Die wirtschaftliche Ausgangslage bleibt angespannt. Nach Angaben von Stephan Leibold belaufen sich die Schulden des Unternehmens auf rund 200 Millionen Euro. Zu den Hauptgläubigern gehören demnach die Pensionssicherungskasse mit rund 100 Millionen Euro sowie die Edeka-Gruppe und die Sparkasse.
Die Pensionssicherungskasse übernimmt in solchen Fällen Verpflichtungen aus der betrieblichen Altersversorgung. Dass sie zu den größten Gläubigern zählt, zeigt, wie hoch die finanzielle Belastung für das Unternehmen ist.
Edeka und Rewe gelten als Favoriten
Auch wenn dies von Feneberg selbst bislang nicht bestätigt wurde, gelten offenbar vor allem Edeka und Rewe als Favoriten für einen Einstieg. Beide Unternehmen hätten gute Gründe für ein Engagement.
Edeka ist bereits Kooperationspartner von Feneberg und im Allgäu deutlich stärker vertreten als Rewe. Aus Sicht von Branchenbeobachtern wäre ein Einstieg für Edeka daher naheliegend. Rewe könnte umgekehrt die Gelegenheit nutzen, seine Präsenz in der Region deutlich auszubauen und dort eine stärkere Marktstellung zu gewinnen.
Unklar bleibt, ob ein Investor die Märkte langfristig unter dem Namen Feneberg weiterführen würde oder ob später eine Umfirmierung auf die jeweilige Handelsmarke erfolgen könnte. Gerade diese Frage dürfte für viele Kundinnen und Kunden in der Region eine wichtige Rolle spielen.
Was die Sanierung für Filialen und Beschäftigte bedeutet
Für Kundinnen und Kunden ändert sich vorerst nichts: Der Betrieb läuft nach Unternehmensangaben ohne Einschränkungen weiter. Das bedeutet, dass die Filialen geöffnet bleiben und das Tagesgeschäft zunächst normal fortgeführt wird.
Dennoch zeichnen sich Einschnitte ab. Besonders in der zentralen Verwaltung am Firmensitz in Kempten könnte es Veränderungen geben. Dort beschäftigt Feneberg rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beobachter rechnen damit, dass es in diesem Bereich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Kürzungen kommen wird.
Wie es mit den derzeit 70 Filialen im Allgäu und in angrenzenden Regionen weitergeht, ist dagegen noch offen. Als eher unwahrscheinlich gilt inzwischen, dass ein Investor nur besonders rentable Standorte übernimmt. Dieses Vorgehen wird häufig als „Cherry Picking“ bezeichnet, also das gezielte Herausgreifen der wirtschaftlich attraktivsten Teile eines Unternehmens. Stattdessen wird eher damit gerechnet, dass das gesamte Filialnetz übernommen wird. Welche Standorte langfristig als zukunftsfähig gelten, ist bislang jedoch nicht bekannt.
Auch für die Region ist die Entscheidung wichtig
Die anstehende Investorenentscheidung ist nicht nur für das Unternehmen selbst von Bedeutung. Sie betrifft auch die Nahversorgung in vielen Orten, die Zukunft zahlreicher Arbeitsplätze und die Frage, ob eine etablierte regionale Marke erhalten bleibt. Genau deshalb dürfte die Entscheidung im Allgäu weit über das Unternehmen hinaus aufmerksam verfolgt werden.
Familiencharakter soll erhalten bleiben
Geschäftsführerin Amelie Feneberg, die 2025 in vierter Generation in die Leitung des Kemptener Familienunternehmens aufgerückt war, hat mehrfach betont, sich für jeden der rund 3000 Arbeitsplätze einsetzen zu wollen. Zugleich kündigte sie an, auch im Fall eines Investoreneinstiegs den familiären Charakter des Unternehmens bewahren zu wollen.
Nicht von der Insolvenz betroffen sind die Landbäckerei Sinz, das Nahversorgungszentrum Fenepark sowie die Veranstaltungshalle Big Box mit Hotel in Kempten.









