Flughafen Memmingen: Warum der Allgäu Airport für die Region immer wichtiger wird

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Flughafen Memmingen: Der Allgäu Airport hat sich in den vergangenen Jahren von einem reinen Ferienflieger-Standort zu einem bedeutenden Infrastruktur- und Wirtschaftsfaktor für das Allgäu und Bayerisch-Schwaben entwickelt. Mit 3.698.900 Passagieren und 35.546 Flugbewegungen im Jahr 2025 ist klar: Der Airport spielt heute regional eine deutlich größere Rolle als noch vor wenigen Jahren.

Der Standort ist längst mehr als nur ein Abflughafen für Urlauber. Der Flughafen Memmingen ist heute ein wichtiger Baustein für Tourismus, Arbeitsmarkt, Mittelstand und Mobilität in der Region. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Entwicklung, dass größere Ausbauschritte ohne öffentliche Kofinanzierung kaum möglich gewesen wären.

Flughafen Memmingen als Motor für Tourismus und Wirtschaft

Für das Allgäu bringt der Airport vor allem eines: bessere Erreichbarkeit. Davon profitieren nicht nur Reisende, sondern auch Hotels, Gastronomie, Freizeitwirtschaft und exportorientierte Unternehmen. Gerade für eine touristisch starke Region wie das Allgäu ist ein gut angebundener Flughafen ein echter Standortvorteil.

Hinzu kommt der sogenannte Incoming-Effekt. Der Allgäu Airport ist nicht nur für Reisende aus der Region wichtig, sondern auch ein Tor für Gäste aus dem Ausland. Wintertouristen, Sommerurlauber und Geschäftsreisende sorgen für zusätzliche Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie, Mietwagenbranche und Freizeitangeboten.

Auch für den Arbeitsmarkt ist der Flughafen relevant. Der Betreiber betonte 2025 ausdrücklich die Funktion als Verkehrsdrehscheibe für Beschäftigte in Pflege, Hotellerie und Gastronomie. Ende 2025 beschäftigten der Flughafen und die Tochtergesellschaft ALLgate zusammen 432 Menschen.

Starke Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Allgäu Airport

Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt, dass der Flughafen Memmingen heute robuster dasteht als früher. Im Nachhaltigkeitsbericht für 2024 weist der Betreiber einen Umsatz von 27,741 Millionen Euro und ein EBITDA von 3,847 Millionen Euro aus. Im selben Jahr wurden 3.242.090 Passagiere und 31.625 Flugbewegungen gezählt.

Die Start- und Landebahn mit 2.981 Metern Länge und 45 Metern Breite ermöglicht die problemlose Abfertigung typischer Low-Cost-Flugzeuge wie Boeing 737 oder Airbus A320/A321. Auch General Aviation und Business Aviation spielen eine wachsende Rolle. Gerade bei den Business-Jet-Bewegungen legte Memmingen 2025 zu.

Regional getragen, aber ohne Förderung kaum so gewachsen

Auffällig ist die Eigentümerstruktur des Airports. Der Flughafen ist kein klassischer Staatsflughafen, sondern stark regional und privat geprägt. Die operative Flughafen Memmingen GmbH gehört mehrheitlich privaten Unternehmern aus der Region. Auch an der Allgäu Airport GmbH & Co. KG sind zahlreiche Unternehmen und Körperschaften beteiligt.

Dennoch gilt: Ohne staatliche Unterstützung wären die großen Entwicklungsschritte kaum möglich gewesen. Besonders wichtig war die 2017 von der EU genehmigte Investitionsbeihilfe von bis zu 12,2 Millionen Euro. Ziel war es, internationale Standards zu sichern, die Code-4D-Fähigkeit zu erhalten und die Wetterrobustheit zu verbessern.

Später kamen weitere Hilfen hinzu. Für eine neue Gepäckhalle und Ankunftszone investierte der Flughafen rund 3 Millionen Euro, wovon laut Betreiber rund 70 Prozent der Freistaat Bayern übernahm. Für das Corona-Jahr 2020 erhielt Memmingen zudem 1,26 Millionen Euro Ausgleich für Vorhaltekosten. 2025 kündigte der Flughafen weitere Investitionen in den Terminalausbau an.

Mehr als nur Flugbetrieb: Parken, Gewerbepark und Bodenabfertigung

Das Geschäftsmodell des Flughafens Memmingen geht längst über das Ticketgeschäft hinaus. Einnahmen entstehen auch durch Parken, Immobilien, Vermietung im Gewerbepark, Büro- und Hallenflächen, Gastronomie, Werbung sowie Business Aviation. Hinzu kommt die Bodenabfertigung über ALLgate. Seit Ende 2025 verfügt der Standort sogar über eine eigene Treibstoffversorgung.

Damit ist der Flughafen nicht nur Startbahn und Terminal, sondern auch ein regionaler Gewerbe- und Aviation-Standort mit zusätzlicher Wertschöpfung.

Streckennetz macht den Flughafen Memmingen wirtschaftlich interessant

Getragen wird das Streckennetz vor allem von Ryanair und Wizz Air. Hinzu kommen unter anderem SunExpress, Freebird, Aegean, GP Aviation und Avanti Air. Der Sommerflugplan 2026 zeigt klar, worauf Memmingen setzt: Balkan, Osteuropa, Mittelmeerziele sowie Verbindungen nach Großbritannien und Irland.

Zu den wichtigen Zielen zählen unter anderem Tirana, Pristina, Belgrad, Skopje, Palma, Alicante, Málaga, Faro, Antalya, Malta, London-Stansted, Manchester, Dublin und Amman. Besonders starke Strecken waren 2025 Tirana und Palma. Dieses Mischprofil aus Urlaubsverkehr, Familienbesuchen, Arbeitsmigration und etwas Geschäftsreiseverkehr macht den Standort wirtschaftlich stabiler als einen reinen Ferienflughafen.

Konkurrenz zu München, Stuttgart, Friedrichshafen und Zürich

Natürlich steht der Allgäu Airport im Wettbewerb mit anderen Flughäfen. Der direkteste regionale Konkurrent ist Friedrichshafen. München, Stuttgart und Zürich spielen dagegen in einer anderen Liga. Dort stehen Netzwerkverkehr, Umsteigeverbindungen und Interkontinentalrouten im Mittelpunkt.

Memmingen punktet dagegen mit einem anderen Profil: günstige Preise, kurze Wege, einfache Abfertigung, schnelles Parken und direkte Low-Cost-Verbindungen. Genau darin liegt die Stärke des Airports. Mit Friedrichshafen überschneidet sich das Geschäftsmodell am stärksten, mit München und Zürich vor allem das Einzugsgebiet.

Wie tragfähig ist das Geschäftsmodell des Flughafen Memmingen?

Die wirtschaftliche Antwort fällt heute positiver aus als noch vor einigen Jahren. Positive operative Ergebnisse, ein wachsendes Streckennetz und Rekordzahlen bei Passagieren zeigen: Im laufenden Betrieb ist der Flughafen deutlich stabiler geworden.

Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Öffentliche Kofinanzierung war für den Ausbau und die heutige Robustheit des Airports mitentscheidend. Ohne Zuschüsse wäre Memmingen sehr wahrscheinlich nicht dort, wo der Flughafen heute steht.

Für das Allgäu längst unverzichtbar

Unterm Strich ist der Flughafen Memmingen für das Allgäu und Bayerisch-Schwaben heute weit mehr als ein Ferienflieger-Standort. Der Airport ist ein Infrastrukturprojekt, Wirtschaftsfaktor, Tourismusmotor und Arbeitsmarktstandort zugleich.

Für Bayern insgesamt ist Memmingen kein zweites München. Aber genau das muss der Flughafen auch nicht sein. Seine Stärke liegt in der Rolle als regional verankerter, preisgünstiger Low-Cost- und Point-to-Point-Flughafen. Der Markt hat längst gezeigt, dass es für genau dieses Modell eine starke Nachfrage gibt.


Öffentliche Finanzmittel (Steuergelder) für den Flughafen Memmingen – Allgäu Airport

Bund-/Landesmittel für den Flughafen Memmingen bzw. den Standort

  • 2008 – Freistaat Bayern – 5.618.328 €
    Investitionskostenzuschuss für den Ausbau des ehemaligen Militärflugplatzes zum zivilen Verkehrsflughafen.
  • 2009 – Freistaat Bayern – 1.126.836 €
    Investitionskostenzuschuss, unter anderem für die Erweiterung des Terminals und Vorfeldtechnik.
  • 2010 – Freistaat Bayern – 663.943 €
    Investitionskostenzuschuss, unter anderem für Dachsanierung, Sicherheitszaun sowie Fahrzeuge/Ausrüstung.
  • 2019 bis 2021 – Freistaat Bayern – 14,5 Mio. €
    Förderung für Verbreiterung und technische Ausrüstung der Start- und Landebahn sowie Anpassungen an Gepäckhalle und Vorfeld.
  • 2021 (für Vorhaltekosten aus 2020) – Freistaat Bayern – 1,26 Mio. €
    Corona-Ausgleich für Vorhaltekosten des Flughafens im Zeitraum 4. März bis 30. Juni 2020.
  • 2022 – Freistaat Bayern – 6 Mio. €
    Regionalmedien berichten, der Freistaat unterstütze den Ausbau der Passagierabfertigung mit 6 Mio. € und trage damit 75 Prozent der geplanten Kosten von 8 Mio. €.
  • 2025 – Bund – knapp 560.000 €
    Bundesförderung für klimafreundliche Bodenstromgeräte am Flughafen Memmingen.
  • 2025 – Freistaat Bayern – rund 1 Mio. €
    Der Freistaat investiert laut Staatsregierung 2025 am Flughafen Memmingen rund 1 Mio. € zur Optimierung von Kontrollabläufen und für Sicherheitstechnik in der Fluggastkontrolle. Für 2026 ist dort außerdem ein weiterer Betrag von rund 1 Mio. € angekündigt.
  • 2025 – Freistaat Bayern – 5 Mio. €
    Für das Elektrolyseur-Projekt am Flughafen Memmingen nennt der Flughafen einen Zuschuss von 5 Mio. € aus dem bayerischen Förderprogramm; das Wirtschaftsministerium bestätigt, dass die Airport Energie Management GmbH zu den geförderten Projekten gehört.
  • 2025 – Freistaat Bayern – Betrag öffentlich nicht beziffert
    Die Wasserstofftankstelle am Flughafen wird laut öffentlichen Angaben ebenfalls durch den Freistaat gefördert.

Die Zahlen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, für die Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden.


 

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