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Freitag. 22. Januar 2021 / 03

Memmingen | Eschen im Stadtgebiet als Kunstobjekte – Weitere Nutzung des Holzes

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Motorsägenkünstler gesucht!

Eigentlich ist es ein trauriger Anlass. So traurig, dass sich Michael Koch, Leiter des Garten- und Friedhofsamts, dafür eine Traueranzeige wünschen würde. Für all die Eschenbäume, die er im Memminger Stadtgebiet schon fällen lassen musste und für alle, die in den nächsten Jahren noch hinzukommen. Und das werden nicht wenige sein. „Nicht nur das Eschentriebsterben setzt den Bäumen zu, auch der Hallimasch Pilz, der die Wurzeln schädigt“, erklärt Michael Koch vor Ort. Während man das Eschentriebsterben oft auch als Laie erkennt, ist der Befall durch den Hallimasch Pilz nur nach teilweiser Freilegung der Wurzeln und für das geschulte Auge sichtbar. Aber fast gefährlicher, denn ein von außen noch grüner und augenscheinlich gesunder Baum, kann durch das Absterben der Wurzeln so geschädigt werden, dass er bei einem Sturm oder heftigem Wind einfach umkippt. Damit das nicht passiert, müssen die befallenen Bäume gekennzeichnet und regelmäßig auf den Befall kontrolliert oder aber, wie bei drei stark geschädigten Exemplaren in der Nähe des Haienbachs im Kalker Feld, gefällt werden.

„Die Stadt ist hier verantwortlich, dass von den Bäumen keine Gefahr ausgeht. Die sogenannte Verkehrssicherheit muss regelmäßig überprüft werden“, betont der Amtsleiter. Von den drei Eschen, die Koch alle auf gut über 60 Jahre schätzt, stehen jetzt nur noch je zwei Meter hohe Torsi. Die Stämme hat der Gartenamtsleiter aus einem bestimmten Grund auf dieser Höhe absägen lassen. „Wir wollen, dass Interessierte mit der Motorsäge oder anderen Werkzeugen aus den Rest-Stämmen Kunstwerke gestalten können. So kann der Baum weiter das Stadtbild bereichern und es kann auf kreative Weise auf das Eschensterben aufmerksam gemacht werden“, so Koch. Trotz der geschädigten Wurzeln könne die Standfestigkeit bei der Höhe von zwei Metern für mindestens zehn Jahre gewährleistet werden. So kann man den Künstlerinnen und Künstlern für diesen Zeitraum die Gelegenheit zur Ausstellung ihres Werks im öffentlichen Raum geben und den Eschenstämmen ein zweites Leben. Und sollten sich mehr als drei Künstlerinnen oder Künstler für die Gestaltung melden, werden in den kommenden Jahren bestimmt weitere Eschen als Grundlage für Skulpturen und Figuren hinzukommen, ist sich Koch leider sicher.

Doch nicht nur dem zurückgelassenen Rumpf der Eschenbäume wird das Garten- und Friedhofsamt eine weitere Verwendung zukommen lassen. Auch das Holz der bereits gefällten Bäume wird nicht als Brennholz enden. „Nachdem der Holzpreis in diesen Tagen sowieso im Keller ist, haben wir uns dazu entschieden, die Stämme sägen zu lassen und weiterzuverwenden. Einige Stämme werden zum Beispiel als Fahrradständer umgewidmet“, berichtet Michael Koch. Ein erster wurde bereits auf dem Gelände des derzeit entstehenden Spielplatzes an der Waldfriedhofstraße fest verankert. Dort wird, wie auch an weiteren Standorten, Eschenholz für die Infotafeln verwendet. Weitere Stämme wurden halbiert und können an beliebten Routen als Sitzbänke für Spaziergänger aufgestellt werden, die ersten sind schon für Plätze in der Nähe von Steinheim geplant. Das spart nicht nur Kosten: „Die Idee dahinter ist, dass selbst wenn sie als grüne Bäume verschwunden sind, die Eschen so noch für einige Jahre das Stadtbild bereichern werden. Ob als Bank oder als Kunstwerk.“

Wer Lust hat einen Eschentorso am Spielplatz am Haienbach zu gestalten, der wendet sich, am besten mit einer Skizze, an michael.koch@memmingen.de oder ruft unter 08331 850 551 an.

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