Landkreis Neu-Ulm | COVID-19: Corona-Abstriche am Sendener Feuerwehrhaus

Foto: Landratsamt Neu-Ulm

Das mobile Testzentrum ist in Betrieb – Am ersten Tag wurden 150 Patienten in ihren Autos getestet

Ungefähr zehn Autos stehen in der Schlange am Feuerwehrhaus in Senden. Der erste Wagen fährt vor. Die Fahrerin kurbelt das Seitenfenster auf der Fahrerseite herunter. Sie grüßt den Arzt, der sie nach ihrem Befinden fragt. „Welche Symptome haben Sie? Waren Sie in einem Risikogebiet?“, fragt Dr. Thomas Milz aus Vöhringen. Er ist einer von drei Ärzten aus der Region, die für die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) am 20. März 2020 die Corona-Tests am Feuerwehrhaus in Senden vornehmen. Seither befindet sich dort das mobile Corona-Testzentrum im Landkreis Neu-Ulm.

Dr. Milz packt ein Teststäbchen aus und steckt es in den Rachen der Patientin im Auto. Etwa zehn Sekunden nimmt der Mediziner den Speichel-Abstrich. Zum Schluss sagt er: „Das Ergebnis des Tests werden Sie in drei bis vier Tagen per Telefon mitgeteilt bekommen.“ Die Patientin fährt davon, es kommt der nächste. Eine Sache von nicht einmal fünf Minuten.

Insgesamt 150 Einwohnerinnen und Einwohner aus dem Landkreis Neu-Ulm lassen sich am ersten Betriebstag der mobilen Teststation auf diese Weise beproben. Fällt die Probe bei der Analyse im Labor positiv aus, ist die Testperson mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert. 34 Landkreisbürgerinnen und -bürger haben sich bislang – Stand 20. März 2020 – mit dem Krankheitserreger angesteckt, gegen den es (noch) kein Heilmittel und keinen Impfstoff gibt.

Weitere Infizierte werden in den nächsten Tagen und Wochen hinzukommen. Das wird allgemein erwartet. Denn seit Tagen stehen die Telefone mit der Rufnummer 116 117 beim Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst Bayern nicht still. Bei wem berechtigter Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Keim besteht, der bekommt einen ID-Code, mit dem er berechtigt ist, am „Drive-in“ in Senden vorzufahren und getestet zu werden. Drei Teststationen gibt es dort, jede ist mit einem Arzt besetzt. Dazu kommen Assistenzkräfte des Medizinischen Katastrophenhilfswerkes Deutschland (MHW). Alle haben einen hellblau-weißen Ganzkörperschutzanzug an, dazu ein Haarnetz und eine Gesichtsmaske, damit das Virus sie nicht befallen kann.

Die Infrastruktur und die Logistik stellt die Feuerwehr Senden zur Verfügung. Organisiert haben alles Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt sowie Kreisbrandinspektor Peter Walter, der in Personalunion Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Senden ist. Sendener Floriansjünger kümmern sich um die Absperrung und Zugangskontrolle. Außerdem sind zwei Beamte der Polizeistation Senden vor Ort. Sie müssen nicht eingreifen. Alles verläuft am ersten Tag in geordneten Bahnen.

Parallel zu diesem im Landkreis neuen Testsystem gibt es weiterhin die Hausbesuche des KVB-Fahrdienstes. Dieses Prozedere ist schweren Fällen vorbehalten und/oder wird angewandt, wenn der Patient beziehungsweise die Patientin nicht selbst mit dem Auto zum mobilen Testzentrum in Senden kommen kann.

Landrat Thorsten Freudenberger freut sich über die Ruhe und die Disziplin, mit der am ersten Betriebstag alles abgelaufen ist. „Am Montag kam das Angebot der KVB, ein mobiles Testzentrum im Landkreis zu betreiben. Am Freitag derselben Woche konnten wir starten. Alles ging schnell und geräuschlos vonstatten. Damit können wir sehr zufrieden sein“, fasst der Landrat zusammen.

Er steht für das Versprechen, mit seinem Katastrophenschutz-Team alles Menschenmögliche zu tun, damit die Corona-Krise sich nicht zu einer großen Katastrophe auswächst, die viele Menschenleben kostet. Dafür, so Freudenberger, „brauchen wir in der ganzen Bevölkerung Vernunft, Solidarität und Hilfsbereitschaft“.