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Montag. 26. Oktober 2020 / 44

Klinikum Memmingen | Woche der Wiederbelebung

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Anästhesisten rufen dazu auf, auch in Corona-Zeiten Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten.

Nicht tatenlos dastehen, sondern handeln – So lautet die Devise, wenn ein Mitmensch einen Herzstillstand erleidet. Dass es auch in Corona-Zeiten wichtig ist, Erste Hilfe zu leisten, betonten anlässlich der Woche der Wiederbelebung (14. bis 20. September) Anästhesisten des Klinikum Memmingen. „Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen und jeder kann helfen“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie, Professor Dr. Lars Fischer. „Wichtig ist, dass man nicht panisch davonrennt, sondern handelt, wenn jemand bewusstlos wird“, appelliert der

Der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operativen
Intensivmedizin und Schmerztherapie, Prof. Dr. Lars Fischer. – Foto: Klinikum Memmingen

Chefarzt und betont: „Man kann dabei nichts falsch machen. Das einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun!“ Auch in Corona-Zeiten sei es wichtig, Erste Hilfe zu leisten: „Das Infektionsrisiko bei reiner Herzdruckmassage und einem Masketragenden Helfer ist nicht höher als sonst“, so Fischer. Ein Tuch oder Kleidungsstück, das über das Gesicht des Patienten gelegt werde, könne zusätzlichen Schutz vor Aerosol-Bildung bieten. Was genau zu tun ist, wenn ein Mitmensch einen Kreislaufstillstand erleidet, demonstrieren die Anästhesisten Dr. Eva-Maria Bauser und Dr. Michael Laupheimer an einer Puppe. „Die Formel lautet: Prüfen, rufen, drücken“, erklärt Bauser. „Das bedeutet im Klartext: Als Erstes prüft man, ob der Mensch noch ansprechbar ist und atmet. Als Zweites ruft man andere um Hilfe und informiert den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.“ Und als Drittes werde mit der Reanimation begonnen: „Dabei drückt man 30 Mal fest und schnell auf den Brustkorb“, erklärt Dr. Laupheimer. Anschließend folgt normalerweise die Mund-zu-Mund-Beatmung. Diese sei aber nicht zwingend erforderlich. „Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist auch schon vor der CoronaPandemie für Laien nicht zwingend empfohlen worden“, erklärt Chefarzt Fischer. Wichtiger als die Beatmung sei die HerzDruck-Massage. „Der Druckpunkt liegt dabei in der Mitte des Brustbeins“, erläutert Funktionsoberärztin Bauser. „Man beugt sich senkrecht über den Patienten und hält die Arme ausgestreckt, denn dann braucht man weniger Kraft, als wenn die Arme angewinkelt sind.“ Bei der Herzdruckmassage müsse der Brustkorb um Seite 3 von 3 mindestens fünf Zentimeter eingedrückt und anschließend wieder vollständig entlastet werden. „Nur so kann man die Pumpfunktion des Herzens übernehmen, das in diesem Fall nicht mehr schlägt.“ Durch die Reanimation hält man den lebenswichtigen Blutkreislauf in Gang, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Die sofortige Herzdruckmassage verdopple bis verdreifache die Überlebenschance des Patienten: „Denn jede Körperzelle kann nur überleben, solange sie Sauerstoff bekommt“, erklärt Chefarzt Fischer. Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff kommt es beispielsweise zu unwiederbringlichen Schäden im Gehirn.“ Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergingen aber im Schnitt bis zu acht Minuten. „Dieses kritische Zeitfenster kann man als Ersthelfer überbrücken“, so Fischer.

Mehr Informationen zur Laienreanimation finden Sie auf folgender Internetseite: www.einlebenretten.de

 

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