Das neue Jahr beginnt für den Allgäuer Lebensmittel-Riesen mit einem Paukenschlag: Die Geschäftsführung der Feneberg Lebensmittel GmbH hat beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Ziel ist eine radikale Neuausrichtung des Traditionsunternehmens unter der Führung eines erfahrenen Sanierungsexperten.
Was bedeutet das Schutzschirmverfahren für Feneberg?
Ein Schutzschirmverfahren ist eine spezielle Form der Insolvenzordnung, die nur Unternehmen offensteht, die zwar unter finanziellem Druck stehen, aber noch zahlungsfähig sind. Der große Vorteil für das Familienunternehmen: Die Eigenverwaltung.
Innerhalb einer dreimonatigen Phase soll nun ein Sanierungsplan erarbeitet werden. Dieser beinhaltet in der Regel einen Schuldenschnitt, dem die Gläubiger zustimmen müssen. Parallel dazu wird intensiv nach einem Investor gesucht, der die Märkte und das Personal übernimmt. Branchenkenner vermuten, dass unrentable Standorte im Zuge dieses Prozesses geschlossen werden könnten.
Die Rolle von EDEKA und das Schicksal der 3.000 Mitarbeiter
Mit rund 71 Filialen und etwa 3.000 Mitarbeitern ist Feneberg ein Schwergewicht in der Region und ein wichtiger Partner für EDEKA Bayern. Bereits in der Vergangenheit stützte EDEKA das Unternehmen mit Millionenbeträgen. Es gilt als wahrscheinlich, dass EDEKA selbst als einer der Hauptinteressenten für eine Übernahme auftritt.
Für die Belegschaft ist die Nachricht ein herber Schlag. Viele Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren bereits Lohnverzichte hingenommen, in der Hoffnung, das Ruder gemeinsam mit der Führung wieder herumzureißen. Entsprechend groß ist nun die Enttäuschung über die aktuelle Schieflage.
Strategische Planung oder plötzliche Krise?
Die Geschwindigkeit, mit der das Verfahren eingeleitet wurde, lässt darauf schließen, dass dieser Schritt nicht erst zwischen den Feiertagen geplant wurde. Vielmehr scheint das Vorgehen strategisch vorbereitet worden zu sein. Interessant ist hierbei auch die Immobilienstruktur: Einige Märkte befinden sich im Besitz von Gesellschaften, an denen Familienmitglieder von Hannes Feneberg beteiligt sind. Dies wirft Fragen zur Gleichbehandlung von Vermietern und Verpächtern in der Vergangenheit auf.
Fazit: Befreiungsschlag mit moralischen Fragen
Während das Gesetz Sanierungspläne und Schuldenschnitte ausdrücklich zulässt, bleibt die moralische Komponente diskutabel. Für die Familie Feneberg könnte das Verfahren der notwendige Befreiungsschlag sein, um Altlasten loszuwerden. Die Verantwortung für die Zukunft des Personals und des Filialnetzes liegt dann jedoch in den Händen des neuen Investors.
Aufgrund der starken Marke Feneberg und der tiefen Verwurzelung in der Region dürfte das Interesse potenzieller Geldgeber dennoch hoch sein. Es bleibt abzuwarten, wie viele der 71 Filialen den harten Sanierungskurs überstehen werden.









