Schwere Vorwürfe im Landkreis Günzburg: Aktivisten zeigen Tierhalter und Veterinäramt an

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Im Landkreis Günzburg erheben Tierrechtsaktivisten um Philipp Hörmann schwere Vorwürfe gegen mehrere Tierhalter sowie gegen das Veterinäramt Günzburg. Im Zentrum stehen zwei Fälle aus Landensberg und Münsterhausen, in denen Schafe nach Darstellung der Aktivisten unter massiven Schmerzen gelitten haben sollen. Die Vorwürfe reichen von unterlassener Versorgung der Tiere bis hin zu möglichem Behördenversagen bei den Kontrollen. Das Veterinäramt Günzburg ist im Landkreis die zuständige Behörde für Tierschutz und Tiergesundheit.

Wichtig ist dabei: Bei den geschilderten Abläufen handelt es sich zunächst um Vorwürfe und Darstellungen der Anzeigeerstatter. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West hat auf Anfrage der Redaktion bestätigt, dass Ermittlungen gegen die Tierhalten laufen. Teilweise wurden Ermittlungsergebnisse bereits an die Staatsanwaltschaft Memmingen übergeben.

Bock robbt auf Kapalgelenken – Foto: Team Hörmann

Fall Landensberg: Lahme Schafe auf Weide bei der Kläranlage

Nach Darstellung des „Team Hörmann“ sollen Ende November 2025 auf einer Weide neben der Kläranlage Landensberg mehrere Schafe mit deutlichen, für Laien sofort sichtbaren Lahmheiten gestanden haben. Die Aktivisten berichten von Tieren, die nur noch auf drei Beinen gelaufen seien oder sich kniend fortbewegt hätten. Um das Geschehen zu dokumentieren, sei eine feste Kamera installiert worden. Über Tage hinweg habe sich aus Sicht der Tierrechtler am Zustand der Tiere nichts geändert, obwohl das Gelände weiter angefahren worden sei.

Erst nach drei Tagen habe das Team die zuständige Kontrollbehörde verständigt. Nach der Schilderung der Aktivisten habe das Veterinäramt später angegeben, mit zwei Personen rund 30 Minuten an der Weide gewesen zu sein, elf auffällige Tiere festgestellt und Behandlungsbelege eingesehen zu haben.

Blick ins Gehege – Foto: Team Hörmann

Aktivisten stellen Darstellung des Veterinäramts infrage

Genau hier setzen die schwersten Vorwürfe an. Nach Angaben des „Team Hörmann“ sei die Kontrolle des Veterinäramts sowohl von der festen Kamera als auch mit einer Drohne dokumentiert worden. Diese Aufnahmen würden die behördliche Darstellung aus Sicht der Aktivisten infrage stellen. Demnach hätten sich die kontrollierenden Personen während eines nur kurzen Aufenthalts weitgehend an einem Ort aufgehalten, während sich die Tiere teilweise mehrere hundert Meter entfernt befunden hätten. Später sei eingeräumt worden, dass keine Ohrenmarken erfasst worden seien.

Der Landkreis Günzburg weist auf seiner Website selbst darauf hin, dass Halter von Schafen und anderen Nutztieren entsprechende Bestands- und Melderegeln beachten müssen.

Der betroffene Tierhalter habe sich laut dem vorliegenden Material zu den Vorwürfen geäußert. Er habe demnach erklärt, es handele sich um einen Altbestand, den man bewusst nicht habe schlachten lassen. Zugleich habe er angegeben, die Herde stehe regelmäßig unter tierärztlicher Betreuung. Auf weitere Nachfragen, wie es trotz dieser Betreuung zu der Vielzahl auffälliger Tiere kommen konnte, habe es nach Darstellung der Aktivisten keine weiteren Antworten mehr gegeben.

Tier II kann Lamm nur auf Knien säugen – Foto: Team Hörmann

Fall Münsterhausen: Hochträchtige Schafe mit schweren Lahmheiten

Ein zweiter Fall betrifft nach den Schilderungen der Anzeigeerstatter den Bereich zwischen Hagenried und Kemnat bei Münsterhausen. Dort sollen Anfang Dezember 2025 erneut mehrere auffällige Schafe gemeldet worden sein. Nach Darstellung der Aktivisten habe es bereits zuvor zwei Meldungen an das Veterinäramt gegeben, ohne dass sich an der Situation etwas geändert habe.

Dokumentiert worden seien hochträchtige Mutterschafe, die nur noch auf drei Beinen gelaufen oder sich auf den Karpalgelenken fortbewegt hätten. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass einzelne Tiere zusammen mit frisch geborenen Lämmern in eine Halle ohne Licht und Fenster gebracht worden seien und dort weiter gelitten hätten.

Daraufhin habe das „Team Hörmann“ das Veterinäramt mit einer nach eigener Darstellung eindringlichen E-Mail erneut auf die Situation aufmerksam gemacht und auf schwer verletzte Tiere in der Halle und auf der Weide hingewiesen.

Vorwurf: Kontrolle erneut unzureichend

Auch im zweiten Fall wird dem Veterinäramt ein unzureichendes Vorgehen vorgeworfen. Nach Darstellung der Aktivisten seien auf der Weide liegende Tiere nicht aufgetrieben worden, um deren Zustand näher beurteilen zu können. Die Halle sei an diesem Tag überhaupt nicht kontrolliert worden, weil sie verschlossen gewesen sei und der Tierhalter gefehlt habe. Amtshilfe durch die Polizei sei nicht angefordert worden. Stattdessen sei der Schäfer telefonisch verständigt worden. Als die Halle am Folgetag kontrolliert worden sei, hätten sich dort keine auffälligen Tiere mehr befunden.

Bei einer persönlichen Konfrontation vor Ort habe der betroffene Tierhalter nach Darstellung des Teams jede Verantwortung zurückgewiesen. Selbst ein hochgradig lahmes Tier habe er zunächst nicht als Problem wahrnehmen wollen. Anschließend soll er versucht haben, die Lage mit einem Klauenschnitt zu entschärfen – jedoch ohne Erfolg.

Lamm von Tier I im Todeskampf – Foto: Team Hörmann

Strafanzeigen gegen Tierhalter und Verantwortliche im Veterinäramt

Nach Angaben der Aktivisten wurden durch die Rechtsanwaltskanzlei Gabriela Riley im Auftrag von Philipp Hörmann Strafanzeigen erstattet – im Fall Landensberg am 4. Dezember 2025, im Fall Münsterhausen am 21. Dezember 2025. Die Anzeigen richten sich demnach nicht nur gegen die jeweiligen Tierhalter, sondern auch gegen Verantwortliche des Veterinäramts Günzburg. Das gesamte Bild- und Videomaterial sei an die Staatsanwaltschaft Memmingen übergeben worden. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ist als zuständige Strafverfolgungsbehörde öffentlich erreichbar; eine fallbezogene öffentliche Bestätigung zu diesen konkreten Anzeigen lag mir bei der Recherche jedoch nicht vor.

Video von Team Philipp Hörmann

Harte Vorwürfe von Philipp Hörmann

Philipp Hörmann findet für die Vorgänge deutliche Worte. Er spricht von einem möglichen Behördenversagen und wirft dem Veterinäramt vor, Missstände nicht verwertbar verfolgt zu haben. Besonders scharf ist seine Kritik an der Haltung, sichtbares Tierleid trotz klarer Anzeichen nicht konsequent genug aufgegriffen zu haben.

Zugleich verweist Hörmann auf ein grundsätzliches Problem: Schafe seien aus seiner Sicht „stille Leider“, die Schmerzen oft erst sehr spät zeigten. Wenn die Symptome bereits für Außenstehende klar erkennbar seien, wiege das Versagen von Haltern und Kontrollbehörden umso schwerer.

Warum der Fall politisch und gesellschaftlich brisant ist

Der Fall ist über die beiden konkreten Weiden hinaus brisant, weil er eine grundsätzliche Frage aufwirft: Wie wirksam sind amtliche Tierschutzkontrollen wirklich? Das Veterinäramt Günzburg ist offiziell für Tierschutz, Tiergesundheit und Verbraucherschutz im Landkreis zuständig. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, würde das nicht nur einzelne Tierhalter belasten, sondern auch die Kontrollpraxis der Behörde selbst in den Fokus rücken.

Gerade deshalb wird entscheidend sein, ob Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden die vorgelegten Video- und Bildaufnahmen sowie die behaupteten Kontrollabläufe nachvollziehen und rechtlich bewerten können.

Stand heute: schwere Vorwürfe, aber noch keine abschließende Bewertung

Stand jetzt bleibt festzuhalten: Es liegen schwere, detailliert geschilderte Vorwürfe von Tierrechtsaktivisten vor, verbunden mit Strafanzeigen gegen Tierhalter und Verantwortliche des Veterinäramts. Ob sich diese Vorwürfe strafrechtlich bestätigen, ist derzeit offen.

Für eine vollständige Einordnung wäre eine Stellungnahme des Landratsamts Günzburg beziehungsweise des Veterinäramts Günzburg zu den konkreten Vorwürfen zentral. Ebenso relevant wäre eine Auskunft der Staatsanwaltschaft Memmingen, ob und in welchem Umfang förmliche Ermittlungen aufgenommen wurden.

Bis dahin gilt journalistisch: Der Fall ist schwerwiegend, aber rechtlich noch nicht entschieden.

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