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Sonntag. 11. April 2021 / 14

Füssen | Polizei erschießt angreifenden Schäferhund

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Eine Streife der Füssener Polizei befand sich am Donnerstagvormittag, 07.05.2020, im sogenannten Baumgarten im Füssener Innenstadtgebiet, als ein Beamter von einem belgischen Schäferhund angegriffen wurde.
Der Hund saß zuvor bei einer jungen Frau an einer Parkbank. Das nicht angeleinte Tier sprang unvermittelt auf einen der Polizeibeamten zu und versuchte mehrfach diesen zu beißen. Der Beamte wich zurück und gab dann zwei Schüsse auf den Hund ab.
Der Vorfall wird der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt.

 

 

FACEBOOK 08.05.2020 – Post der Hundebesitzerin

 

An Gedenken an meine geliebte Hündin

Betreff: Erschießen einer Hündin mit zwei Kopfschüssen im Beisein ihrer Besitzerin und eines Neugeborenen von einem jungen Polizisten am 07.05.2020 – ca. 11:45 Uhr im Baumgarten Füssen

Ich habe lange überlegt mit diesem unfassbar traumatisierenden und auch nicht wiedergut zu machendem Ereignis in die Öffentlichkeit zu gehen. Aus tiefer Liebe zu meiner Hündin und für die Gerechtigkeit für sie und für andere Tiere, möchte ich meinen ganzen Mut zusammenfassen, zu erzählen was am Donnerstag, den 07.05.20 um ca.11:45 Uhr im Baumgarten, Füssen, vorgefallen ist.

– Ich saß im Baumgarten auf der mittleren Bank mit meinem vierwöchigen Baby.
– Der Park war menschenleer, nur weiter weg auf einer hinteren Bank saß noch eine Person. Aus diesem Grund habe ich meine Hündin abgeleint, dass sie ein wenig spielen kann. Spielen liebte sie so sehr.
– Plötzlich lief meine Hündin los. Ich stehe auf, drehe mich um und sehe zwei Männer auf der Wiese mit Blickrichtung zu mir. Es war mir nicht erkennbar, dass es Polizisten waren, da sie in zivil waren.
– Ich denke meine Hündin wollte mich und das Neugeborene einfach nur beschützen und sah die zwei Männer als Gefahr an, da sie sich in die Nähe zu mir begaben.
– Was dann passierte ist für mich und meine Freundin das Schlimmste was mir auf der Welt erfahren konnte. Ich dachte sowas passiert nur in Amerika oder in Filmen.
– Ich höre meine Hündin laut bellen und sehe wie sie auf die Oberschenkel des jungen Mannes springt. Die Aussage des Polizisten war, dass er den Hund daraufhin weggekickt habe.
– Ich will betonen, dass die Hündin zu keinem Zeitpunkt zugebissen hat und niemals zuvor einen Menschen gebissen hat. Seit 5 Jahren, so alt ist meine liebe, treue Hündin am 30.04.20 geworden.
– Man sah keine Löcher oder Risse in der Kleidung des Polizisten, was ein Hinweis auf ein Zubeißen des Hundes gewesen wäre. Dies bestätigte der Polizist mir und meiner Freundin im Gespräch im Nachhinein.
– Der Polizist ging dann ein paar Schritte zurück, daraufhin ging meine Hündin die Schritte mit und sprang erneut bellend auf seine Oberschenkel.
– Bellen ist ein Warnsignal bei Hunden. Sie hat jedoch weiterhin zu keinem Zeitpunkt gebissen.
– Der andere Polizist unternahm nichts. Ich wurde zu keinem Zeitpunkt aufgerufen meine Hündin anzuleinen, obwohl ich sofort schnell zu ihm lief um einschreiten zu können beziehungsweise die Hündin beruhigen zu können. Das heißt, die Polizisten, die in Zivil waren und damit als solche mir nicht erkennbar waren, warnten mich zu keinem Zeitpunkt, dass sie bereit sind zu schießen.
– Es gab auch keinen Warnschuss vor der Erschießung der Hündin an mich als Hundehalterin.
– Dies ist eine Unterlassung von Hilfeleistung der Polizisten.
– Während ich so schnell wie möglich mit meinem Säugling im Tragetuch zur Situation herbeieilte, um meinen Hund von dem Mann wegzubringen und so die Situation wieder zu beruhigen, fielen innerhalb weniger Sekundentakte zwei gezielte Kopfschüsse. Ohne jeglichen vorhergehenden Warnschuss für das Tier oder an mich als Hundebesitzerin. Die zwei Schüsse in den Kopf, fielen in kurzem zeitlichem Abstand, Millisekunden.
– Ich dachte, das sind Jugendliche, die mit einer Schreckschusspistole schießen. Rief noch: „Hey, was macht ihr da??!“. Während ich mit meinem Baby zu meiner Hündin rannte und im Schock registrieren musste, dass es eine echte Waffe war. Da lag sie schon blutend am Boden. Die Bilder verfolgen mich und meine Freundin ständig. Wir können nicht schlafen, wir können nicht essen, wir weinen und trauern um unsere wundervolle, liebenswerte Hündin und diese unverhältnismäßige Vorgehensweise. Sie war für mich und meine Familie und alle, die sie kannten, unser Sonnenschein. Eine liebe, verschmuste Hündin, sehr fröhlich und klug und hat einen natürlichen Beschützerinstinkt, wie viele Hunde.
– Es lagen die Voraussetzungen für eine Notsituation, die dieses extreme und gnadenlose Vorgehen begründen würden, definitiv nicht vor.
– Zu diesem Zusammenhang möchte ich herausheben, dass der zweite Polizist nicht ein einziges Mal aktiv eingegriffen hat. Die Hündin war mit einem stabilen Brustgurt ausgestattet, mittels dem man ihn hätte wegziehen können.

Ich beklage nachfolgend die Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise unter folgenden Aspekten:

1. Die Verhältnismäßigkeit der Vorgehensweise durch Erschießen und Exekution des Hundes.

2. Die Unterlassung von Hilfeleistung der Polizisten, da ich sofort zum Geschehen hinzueilte um den Hund zu beruhigen, was für alle Beteiligten sichtbar war sowie die nicht ausgesprochene Vorankündigung, dass die Polizei bereit ist meine Hündin zu erschießen.

3. Ich als Hundebesitzerin wurde zu keinem Zeitpunkt aufgefordert bzw. mir wurde gar nicht die Möglichkeit gegeben, den Hund von dem Mann weg zu ziehen, was vorausgesetzt hätte, dass die Polizisten noch etwas abgewartet hätten, bis ich da bin. Ich betone nochmal ausdrücklich, dass der Hund nicht zugebissen hat und keine öffentliche Gefährdung bestanden hat.

4. Die Überreaktion des jungen Polizisten im Einsatz, die zu einer solchen familiären Tragweite führte.

5. Der Umgang mit der Waffe ist in einem solchen Fall äußerst fragwürdig, weil ich mich mit meinem Baby in der unmittelbaren Nähe befand.
Es muss bei Gebrauch einer Schusswaffe sichergestellt werden, insbesondere bei gezielter Schussabgabe, dass keine anderen Personen im Schusskanal stehen oder durch Bewegung unvorhersehbar in diesen geraten können.
Mit diesem Verhalten hat er auch mich und mein Neugeborenes, ohne Vorwarnung in Lebensgefahr gebracht.

6. Meine Hündin ist kein Kampfhund und hatte noch nie in ihrem Leben einen Menschen „gezwickt“, geschweige denn gebissen.

In tiefster Trauer und Fassungslosigkeit um unsere geliebte Hündin.

Deine Familie, die dich immer in ihrem Herzen behält.❤️ 😭

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