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Dienstag. 24. November 2020 / 48

eSports und eSports Wetten – Wie die Branche von der Corona-Krise profitiert

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Weltweit fallen während der Corona-Krise sämtliche Sportveranstaltungen aus. Spielbanken und Spielhallen sind wegen der Krise geschlossen und der Sportwetten-Markt liegt brach. Dieser Zustand trifft nicht nur die Spielfans, sondern auch die Anbieter von Sportwetten bis ins Mark. Nun erreichen die Probleme langsam ihren Höhepunkt, weil jetzt Online-Anbieter für Casinospiele und Poker auf Kundenfang gehen, kommt es in der allgemeinen Glücksspielbranche momentan zu einer Auseinandersetzung.

Die Spannungen in der Corona-Krise spitzen sich daher in der Glücksspielbranche von Tag zu Tag mehr zu. Natürlich gibt es zu bedenken, dass der Markt für Sportwetten aufgrund der weltweit abgesagten Spiele, komplett zusammengebrochen ist. Hinzu kommt, dass jetzt sogar ein Gericht in einem Rechtsstreit die Lizenzvergabe an Buchmacher gestoppt hat.
Hinter den Kulissen braut sich ein Unwetter zusammen. So hat sich der Interessenverband der Automatenwirtschaft mit einem Beschwerdebrief an die Landesmedienanstalten gewandt. In der Automatenwirtschaft sind auch die Spielhallenbesitzer organisiert.

Die sich mittlerweile immer mehr Werbung im Bereich der Online-Glücksspiele ausbreitet, werde es mit großer Sorge zur Kenntnis genommen. So wurde in dem Schreiben vom 31. März darauf hingewiesen. Dieses Schreiben liegt auch der F.A.Z. vor. Bedingt durch die Maßnahmen der Landesregierungen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie ist eine verstärkte Werbung, insbesondere auch wegen der Schließung der Spielbanken und Spielhallen zeitlich in diesen Wochen auffällig in Erscheinung getreten.

Die Werbeaktionen beziehen sich auf die Werbung im Fernsehen – Internet – und Radio. Hinzu kommen noch die illegalen Wettanbieter aus dem Ausland, aber auch Wettanbieter im Raum Schleswig –Holstein mit Sonderregelungen, die in ganz Deutschland auf Ihren Plattformen die Kunden visuell ansprechen.

Das Bundesland hoch oben im Norden besitzt derzeit eigene Lizenzierungen für Online-Glücksspiele. Dadurch entstünde ein nicht unerheblicher „Wettbewerbsnachteil“, lautet der Tenor in dem Brief. In der schweren Zeit der Corona-Krise massiv für illegales Glücksspiel zu werben, ist nicht nur unter der Gürtellinie, sondern auch verantwortungslos. Da gerade jetzt sehr viele Menschen wegen Corona zu Hause festsitzen, treibt es die Menschen in illegale Angebote ohne jeglichen Spielerschutz.

Schon ewig wird in Deutschland gestritten, welche Angebote im Glücksspiel legal sind und welche illegal sind. Dazu gab es auch unterschiedliche Gerichtsurteile. Schleswig-Holstein zeigte sich in diesem Bezug als einziges Bundesland recht offen und zieht seit dieser Zeit (2011) private Anbieter an. Lediglich Sportwetten werden landesweit in Deutschland toleriert.
So ist es bei diesem Gerangel nicht verwunderlich, dass alleine die Sportwetten-Branche enorm unter Corona leidet, wobei die ganze Tragweite noch nicht einmal abzusehen ist. Am Ende wird es davon abhängen, wie sich Corona weiterentwickelt.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer zeichnet sich ja am Himmel schon ab, wenn eventuell Spiele wieder freigegeben werden, jedoch ohne Publikum. Weltweit sind sich ja nicht alle einig und tragen Ihre Spiele weiterhin aus. So können zumindest Sportwetten peu à peu wieder an Fahrt gewinnen.

Olympia 2020

Ob Bundesliga, Tennis, NBA oder sonstige Ereignisse, alle haben Ihren Spielbetrieb schon seit Wochen unterbrochen. Selbst die Fußball-Europameisterschaft und die „Olympischen Spiele in Tokio“ wurden abgesagt oder verschoben. So finden die Olympischen Spiele erst 2021 statt.

Die Talfahrt der Aktien

Selbst auf den größten börsennotierten Anbieter „Bet-at-home.com hat die Corona-Krise negative Auswirkungen. Im Jahreshoch betrug der Börsenkurs noch 54,50 Euro im Januar und in der letzten Woche landete der Börsenkurs nach einer Talfahrt bei nur noch 18,28 Euro. Immerhin ein sattes Minus von über 66 Prozent. Allerdings konnte sich der Kurs in den letzten Tagen ein wenig erholen.

Kein Einzelfall, auch die Titel von anderen Unternehmen aus der Casino-Branche, befinden sich auf Talfahrt. Der Aktienkurs des weltweit größten und neugegründeten Konzernes „Flutter Entertainment“, entstanden aus Betfair und Paddy Power, machte vor der Talfahrt nicht halt und rutschte um satte 47 Prozent nach unten. Nach einem kürzlich vorgenommenen Erholungsversuch stieg der Kurs zeitweise um mehr als 10 Prozent auf dem Papier.
Nicht viel anders gestaltet sich die Situation auch bei der britischen bwin-Muttergesellschaft GVC. Bis vergangene Woche verlor die GVC-Aktie ca. 67 Prozent an Wert. Was sagt uns das? Die Zeiten der großen Anbieter werden durch Corona auch immer schwieriger.

Vor Corona war der Boom der Online-Buchmacher nicht aufzuhalten

Noch 2019 vor der Krise liefen die Sportwetten auf Hochtouren. Im letzten Jahr betrug die Kaufsumme der Deutschen bei Anbietern aus dem Ausland im Bereich Sportwetten und Glücksspiele gewaltige 3,06 Milliarden Euro (Bundesbank). Laut der Glücksspielaufsichtsbehörde betrugen die Wetteinsätze in Deutschland alleine im letzten Jahr ca. 9,3 Milliarden Euro. Ein enormer Zuwachs, denn 2012 waren es gerade einmal 3,5 Milliarden Euro.
Hinzu kommt, dass viele Online- und Wettanbieter auch in Kooperationen mit Verbänden und Vereinen stehen.

Außerdem wurde Anfang 2020 staatlich entschieden, dass ab Mitte 2021 Sportwetten online im Internet in Deutschland landesweit erlaubt sein sollen. Zudem bestehen darüber hinaus größere Möglichkeiten wie zum Beispiel Ergebniswetten. Bisher bewegten sich die Anbieter von Sportwetten in einer rechtlichen Grauzone.
Langfristig sehen Experten die sonst boomende Branche nicht als gefährdet an. Die Umsätze würden zwar einbrechen, sobald die Corona-Krise beendet ist, sollte sich wieder ein Run, mit Blick auf den neuen und geänderten Glücksspielstaatsvertrag positiv bemerkbar machen.

So bestätigte zumindest der Analyst von FMR Research Marcus Silbe seine Kaufempfehlung für Bet-at-home.com und schraubte die Kursziel-Spirale nur minimal nach unten. Wenn es hart auf hart kommt, wird die komplette Saison abgesagt, was aber dann mit rasanten Umsatzeinbrüchen daher geht. Seiner Meinung nach sei wahrscheinlicher eine Wiederaufnahme in den nächsten Wochen, wenn sich die Lage hoffentlich dann beruhigt hat. In diesem Fall war dann die jetzige Situation nur ein kleiner Ausrutscher, denn die Beliebtheit von Sportwetten ist ungebrochen vorhanden.

Es gibt aber kein Zweifel, dass hauptsächlich die großen Sportevents und Spielklassen, die meisten Kunden anlocken. So gesehen ist momentan leider ein Ende ohne Sportereignisse nicht in Sicht. Dadurch verlängert sich schon mal die Zwangspause der Bundesliga bis mindestens 30. April. Derzeit sieht die Situation nicht gerade rosig aus.

eSports – Hier boomt es enorm

Für Sportwetten-Fans fallen aktuell kaum noch Topveranstaltungen an, auf die sie setzen können. Doch offenbar hat dies verursacht, dass seit dem Corona-Shutdown ein großer Teil der Glücksspieler auf eSports Wetten umgestiegen sind, denn dort ist der Gesamtumsatz enorm gestiegen. eSport-Wetten sind keine Sportwetten im klassischen Sinne. Hier geht es nämlich um Computerspiel-Turniere, auf die Wetten abgeschlossen haben. Selbst, wer nicht so ganz in der Materie steckt, dürfte mittlerweile schon mitbekommen haben, dass dies längst kein Nischenmarkt mehr ist, sondern sich vor allem bei jungen Menschen an großer Beliebtheit erfreut. Besonders bekannte Spieltitel, wie FIFA oder League of Legends werden regelmäßig von einem Millionenpublikum, insbesondere über Online-Streams verfolgt.

Wo es einen Wettschein gibt, gibt es auch Spiele

Denn bei weitem nicht alle Länder halten sich an die Spiel- und Versammlungspause. Überall auf der Welt kann man auf irgendeinem Event seine Wette abgeben. So zum Beispiel auf die Fußball-Liga in Weißrussland. Dort sind sicherlich alle immun gegen Corona dank Wodka. Tippen kann man auch auf ein laufendes Schachduell in Weißrussland zwischen Ian Nepomnijatschtschi und Fabiano Caruana. Selbst die Tatsache, dass ganz Europa alle Spiele aussetzt, beeindruckt Weißrussland nicht sonderlich.

Die treibende Kraft in Weißrussland war der Präsident Alexander Lukaschenko. Dem gingen die europäischen Maßnahmen zu weit. Für Wett- Fans ein Trost, denn in Weißrussland hat die Spielsaison gerade erst begonnen. Um die kalte Wintersaison zu umgehen, finden die Sportereignisse in Weißrussland von März bis Dezember statt. Die weißrussische Fußballföderation erklärte dazu: „Es sei nicht geplant, später die Saison auszusetzen“.

In einer Erklärung hieß es dazu: „Wir laden alle Fans ein, auf die Tribünen zu kommen“. Da praktisch auf der ganzen Welt irgendwo noch Ligafußball gespielt wird, könnten die Sportereignisse in Weißrussland für manch einen Fernsehsender oder Fans absolut interessant sein und natürlich auch für Sportwettenanbieter.

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