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Montag. 08. August 2022 / 32

Ukrainische Flüchtlingskinder sollen „Anschlüsse“ an ihr Bildungssystem behalten

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Beim Schulunterricht für ukrainische Flüchtlingskinder in Deutschland soll deren voraussichtlich nur befristeter Aufenthalt eine wichtige Rolle spielen. Es handle sich bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine um eine „besondere Situation“, sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder, die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU), am Donnerstag in Lübeck am Rande eines Treffens mit ihren Ressortkolleginnen und -kollegen.
Für Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten aus der Ukraine sei es entscheidend, „Anschlüsse an das ukrainische Bildungssystem“ zu behalten, sagte Prien am Rande der zweitägigen KMK-Sitzung in der schleswig-holsteinischen Stadt. Das gelte insbesondere für Jugendliche kurz vor Schulabschlüssen. Die KMK berät noch bis Freitag über die Betreuung von ukrainischen Flüchtlingskindern in Kitas und Schulen sowie die Coronapandemie.
Die KMK hatte sich zuvor mit der ukrainischen Generalkonsulin in Hamburg, Oksana Tarasyuk, über den Unterricht für ukrainische Flüchtlingskinder ausgetauscht. Die ukrainische Regierung hoffe, dass die Menschen „bald, in einem Jahr spätestens“ in ihre Heimat zurückkehren könnten, sagte Tarasyuk bei einem gemeinsamen Auftritt mit Prien vor Journalisten. Die „Kontinuität der Bildungsprozesse“ seien deshalb von entscheidender Bedeutung.
Derweil forderten Lehrerverbände und Bundesländer angesichts der Notwendigkeit zur Betreuung von ukrainischen Flüchtlingskindern mehr Geld und Lehrkräfte für Schulen. Diese müssten finanzielle Unterstützung sowie zusätzliches Personal erhalten, sagte der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).
Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, mahnte in den RND-Zeitungen mehr Lehrkräfte mit der Qualifikation zur Unterrichtung von Deutsch als Fremdsprache sowie Dolmetscherinnen und Dolmetscher an. Pädagogen müssten zudem im Umgang mit den Themen Flucht und Traumatisierung geschult werden.
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach sich in der „Augsburger Allgemeinen“ für finanzielle Hilfen des Bundes aus. „Wir werden an den Schulen zusätzliche Kapazitäten schaffen müssen“, sagte er. Der Bund müsse sich an der Aufgabe beteiligen.
Prien betonte die Aufnahmebereitschaft von Kitas, Schulen und Hochschulen für ukrainische Flüchtlinge. Bei der Aufnahmen in Deutschland gehe es zuerst um „Schutz von Leib und Leben“, in einem „nächsten Schritt“ aber „möglichst schnell“ auch um eine Rückkehr in Bildungs- und Betreuungsangebote.
Deutschland habe dafür seit der Flüchtlingskrise 2015 bewährte Strukturen. Zugleich sei die Ausgangslage nun eine andere, betonte Prien. Viele Menschen aus der Ukraine wollten nur „vorübergehend“ in Deutschland bleiben.
Die Bundesländer bemühen sich laut Prien deshalb um Lösungen im Sinn der ukrainischen Schülerinnen und Schüler. Eine große Rolle könnten digitalisierte ukrainische Lehrwerke spielen, sagte sie in Lübeck. Die Länder bemühten sich um den Erwerb der erforderlichen Nutzungslizenzen. Auch der Einsatz von geflüchteten ukrainischen Lehrerinnen und Lehrern an deutschen Schulen könne helfen. Diese sollten „unkompliziert“ die Möglichkeit zur Unterstützung erhalten.
Auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sprach sich für den Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern aus der Ukraine aus. „Wir brauchen schnelle Lösung – dabei werden sicher auch geflüchtete ukrainische Lehrkräfte helfen wollen und können“, sagte die Ministerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Stark-Watzinger wurde am Donnerstag bei der KMK erwartet, um sich mit den Kolleginnen und Kollegen der Länder abzustimmen.
Deutschland richtet sich wegen des weiter anhaltenden Kriegs in der Ukraine auf eine zunehmend steigende Zahl von Flüchtlingen ein. Seit dem Beginn des russischen Angriffs registrierten die Behörden bereits rund 96.000 Menschen, viele davon Frauen und Kinder. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch deutlich höher sein.
bro/cfm

© Agence France-Presse

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