Der Memminger Fischertag und seine geschichtliche Entstehung

Vor einigen hundert Jahren wurde aus dem Benninger Ried ein kleiner Bach in die nahegelegene Siedlung Mammingen geleitet, um als Antrieb für Mühlräder, aber auch Bäckern, Bierbrauern und generell den Bürgern als Trinkwasserversorgung zu dienen. Dieser Bach, die Memminger Ach (Stadtbach), musste jedoch einmal im Jahr gereinigt werden. Dazu musste das Wasser abgelassen, vorher aber alle Forellen aus dem Wasser gefischt werden. Das Ausfischen wurde gemeinschaftlich von den Gesellen aller Handwerkerbetriebe verrichtet, was bereits seit dem 16. Jahrhundert schriftlich überliefert ist. Außerdem wurde im 16. Jahrhundert die Reinigung des Bachbettes als Abschlagen des Baches bezeichnet.

Das Ausfischen ist nun der Kern des Memminger Fischertages. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm man das Ausfischen zum Anlass, den Fischertag zu einem Fest zu gestalten, und in diesem Zusammenhang gab es Festumzüge und Bälle, die die Memminger Bürger erfreuen sollten. Seit 1900 wird der Fischertag schließlich von einem eigens gegründeten Verein, dem Memminger Fischertag Verein e.V., organisiert. In diesem Zusammenhang findet sich in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Fischertagsvereins Memmingen im Jahr 2000 ein Auszug aus dem Protokollbuch des Comités für die Fischertagsfeier von 1900, in dem über die Gründung nachgedacht wird. Dort heißt es:

Am Fischertag des Jahres 1899 besuchten mehrere Herren, des um das Zustandekommen des Fischerzuges vor neun Jahren so erfolgreich thätig gewesenen Comités, den althergebrachten Frühschoppen im Rabenkeller […]. Sie thaten sich noch gleichen Ortes als provisorisches Comités zusammen und in aller Stille wurde der Plan ausgearbeitet, der nicht allein in einem Festzug gipfelte, sondern schon den kühnen Gedanken barg: >Etwas Bleibendes zu schaffen<.

In einer Bürgerversammlung am 8. September 1900 wurde schließlich der Antrag auf Gründung des Vereins angenommen.

Entstehungssage

Über die Entstehung des Fischertages gibt es mehrere Sagen, wobei in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Fischertagsvereins im Jahr 2000 folgende Sage zu finden ist:

Ein reicher Memminger Kaufherr hatte ein Dienstmädchen, das wegen seiner Sittsamkeit und Frömmigkeit von allen geliebt ward. Eines Tages vermißte nun der Kaufherr ein Ringlein, das ihm als Andenken von Vater und Mutter gar teuer war. Böse Zungen brachten das Mägdlein in Verdacht, daß es den Ring gestohlen habe; es kam vor Gericht und wurde zum Strang verurteilt. Da geschah es, daß an dem Tage, an welchem die Hinrichtung sein sollte, der Bach ausgefischt wurde, da dessen Bett gereinigt werden sollte. Dabei wurden viele >Forchen< gefangen. Eine derselben kam in das Haus des Kaufherrn. Zur Verwunderung aller fand sich das Ringlein im Magen des gefräßigen Fisches. Die Kinder des Hauses hatten damit gespielt und den Ring in den vorüberfließenden Stadtbach geworfen. Das Mägdlein war gerettet und aus Freude darüber wurde alljährlich am Bartholomäustage arm und reich das Fischen im Stadtbach erlaubt.