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Samstag. 16. Januar 2021 / 02

Das Landwirtschaftsamt Biberach informiert: Ackerbauforum „Pflanzenschutzreduktion“

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Etwa 350 Landwirtinnen und Landwirte kamen am Dienstag, 08.12.2020, im virtuellen Raum zusammen, um sich beim ersten Online-Ackerbauforum über die Möglichkeiten der Pflanzenschutzreduktion zu informieren.

In seiner Begrüßung verwies Felix Teufel vom Landwirtschaftsamt Biberach auf das Biodiversitätsstärkungsgesetz, in dem sich das Land Baden-Württemberg zu einer Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes um 40 bis 50 Prozent bis zum Jahr 2030 verpflichtet hat. Bei der Umsetzung dieser Forderung sei es wichtig, die Reduktion nicht zu pauschalisieren, sondern dort umzusetzen, wo es Sinn mache.

Pflanzenschutzreduktionsprogramm „Ecophyto“

Alfred Klinghammer von der Landwirtschaftskammer Grand Est in Sainte-Croix-en-Plaine stellte das französische Pflanzenschutzreduktionsprogramm „Ecophyto“ vor. Laut Klinghammer ist eine Einsparung um 30 Prozent durch technische Ansätze kombiniert mit einer verbesserten Wirkungseffizienz realisierbar. Sollen bis zu 50 Prozent eingespart werden, müssen alternative Verfahren, wie beispielsweise der Einsatz von Trichogramma gegen den Maiszünsler oder der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln gegen Krankheiten angewandt werden und zudem betriebliche Umstellungen im Bereich der Fruchtfolge und der Bodenbearbeitung vorgenommen werden.

Werner Lehmann, ein französischer Praktiker, beschrieb, wie er im Laufe der letzten Jahre durch eine Anpassung seiner Fruchtfolge, dem Einsatz mechanischer Verfahren und der Verlagerung der Pflanzenschutzanwendungen in die Nacht den Einsatz des chemischen Pflanzenschutzes reduzieren konnte. Am Beispiel seiner Hauptkultur Körnermais verdeutlichte er sein Vorgehen. Das Häckseln der Maisstoppeln, die Unkrautbehandlung im Nachauflauf bei Nacht mit deutlicher Herbizidreduktion sowie das Hacken in der Reihe mit gleichzeitiger Stickstoffdüngung und der Einsatz von Trichogramma helfe nicht nur, Betriebsmittel einzusparen, sondern resultiere letztendlich auch in konstant hohen Erträgen.

Herausforderungen im Pflanzenschutz

Welche Herausforderungen im Pflanzenschutz zu bewältigen sind und wie darauf technisch reagiert werden kann, beleuchtete Marc Kaiser von der Firma Amazone. Bereits heute tragen Systeme wie die aktive Gestängeführung und elektrische Düsenschaltungen dazu bei, Wirkstoffe optimal an den Zielort zu applizieren. Zukünftig sieht er Chancen, wettbewerbsfähig zu sein und gleichzeitig den politischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, im Einsatz von Bandapplikationstechnik und Drohnen- sowie Sensortechnik in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Er grenzte jedoch klar ab, welche Möglichkeiten für den kleinstrukturierten süddeutschen Raum sinnvoll sind und welche nicht.

Zukunftsfähigkeit im Pflanzenschutz

Jens Fehl von der Firma Horsch beschrieb abschließend, wie es gelingen kann, im Pflanzenschutz zukunftsfähig zu werden. Er unterstrich die Bedeutung unterschiedlicher Bodenbearbeitungsverfahren und mechanischer Unkrautbekämpfungsverfahren sowie der passenden Applikationsbedingungen. Um ein Pflanzenschutzgerät zukunftsfähig zu machen, kann beispielsweise eine aktive Gestängeführung, verringerte Düsenabstände, das Prinzip der Pulsweitenmodulation oder der Einsatz nützlingsschonender Düsentechnik ein Weg zum Ziel sein. Jens Fehl ist davon überzeugt, dass Applikationstechniken mit Gestängen und Flüssigkeiten auch weiterhin fester Bestandteil im Pflanzenbau bleiben werden.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestand nach jedem Vortrag die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die von Moderatorin Stefanie Hotz, Pflanzenschutzberaterin am Landwirtschaftsamt Biberach, mit den Referenten intensiv diskutiert wurden. Die rege Beteiligung zeigte das große Interesse der Landwirtinnen und Landwirte an der aktuellen Thematik.

Über den in dieser Veranstaltung getätigten Blick über den Tellerrand, beziehungsweise über die Landesgrenzen hinaus, zeigte sich Walter Holderried, Erster Landesbeamter im Landkreis Biberach, sehr erfreut. Die gesetzten Ziele sind nur bei optimalem Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen zu erreichen. Neue Impulse zur Umsetzung der Pflanzenschutzmittelreduktion sind daher sehr zu begrüßen.

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