Start Memmingen DLRG Memmingen warnt nach tödlichem Wochenende: Gewässer bleiben gefährlich

DLRG Memmingen warnt nach tödlichem Wochenende: Gewässer bleiben gefährlich

Das erste warme Wochenende des Jahres hat bundesweit mindestens sechs Menschenleben gefordert, darunter vier Kinder. Auch im Allgäu und in der Region Memmingen lockten die ersten Sonnentage an Pfingsten viele Menschen ans Wasser und an die umliegenden Badeseen.

Der DLRG Kreisverband Memmingen/Unterallgäu richtet deshalb einen dringenden Appell an die Bevölkerung: Flüsse und Seen sind keine harmlosen Ausflugsziele. Gerade zu Beginn der warmen Jahreszeit werden die Gefahren häufig unterschätzt.

DLRG Memmingen/Unterallgäu warnt vor unterschätzten Gefahren

„Was sich an diesem Wochenende an deutschen Gewässern ereignet hat, macht uns als Rettungsschwimmer fassungslos und gleichzeitig hellwach“, erklärt Jürgen Bonnemann, Einsatzleiter Wasserrettung der DLRG Memmingen/Unterallgäu. Sechs Menschen seien bundesweit ertrunken, vier davon Kinder. Für die DLRG sind solche Zahlen keine abstrakte Statistik. Ähnliche Tragödien könnten sich auch an Badeseen im Unterallgäu oder im angrenzenden Baden-Württemberg ereignen. Bonnemann ist seit über 35 Jahren im Dienst der DLRG Memmingen/Unterallgäu aktiv und weiß aus Erfahrung: Gerade die ersten warmen Tage des Jahres gehören zu den gefährlichsten. „Die Leute sind ausgehungert nach Sommer, die Gewässer aber noch eiskalt“, warnt er.

Warum die ersten warmen Tage besonders gefährlich sind

Wenn die Sonne scheint und die Temperaturen steigen, zieht es viele Menschen ans Wasser. Doch während die Luft bereits sommerlich wirken kann, sind Seen, Flüsse und Baggerseen oft noch sehr kalt. Diese Temperaturunterschiede können lebensgefährlich werden. Wer erhitzt oder unvorbereitet ins kalte Wasser geht, riskiert einen Kälteschock. Besonders Kinder, ältere Menschen, ungeübte Schwimmerinnen und Schwimmer sowie Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen sind gefährdet. Doch auch erfahrene Schwimmer können innerhalb weniger Sekunden handlungsunfähig werden.

Iller ist kein Badefluss

Ein besonderes Risiko in der Region ist die Iller. Der Fluss wirkt an manchen Stellen harmlos, ist aber ein Gebirgsfluss mit unberechenbarer Strömung, wechselnden Tiefen und kaltem Schmelzwasser aus den Alpen. Auch im Hochsommer kann das Wasser der Iller sehr kalt sein. Die DLRG warnt deshalb ausdrücklich: Baden in der Iller ist lebensgefährlich und an den meisten Abschnitten verboten. Strömungen, Unterspülungen, plötzlich wechselnde Tiefen und kaltes Wasser können selbst für gute Schwimmerinnen und Schwimmer zur tödlichen Gefahr werden.

Kälteschock im Baggersee: Gefahr innerhalb von Sekunden

Auch Baggerseen können gefährlich sein. Eine Wassertemperatur unter 12 Grad kann innerhalb von Sekunden dazu führen, dass der Körper verkrampft und die Atmung reflexartig einsetzt. Wird dabei Wasser eingeatmet, kann die Situation sehr schnell lebensbedrohlich werden. Der sogenannte Kälteschock trifft nicht nur ungeübte Schwimmer. Auch erfahrene Menschen im Wasser können durch die plötzliche Kälte orientierungslos oder handlungsunfähig werden.

Viele Badestellen sind nicht bewacht

Ein weiteres Problem: Viele Badestellen im Umkreis von Memmingen sind nicht bewacht. Wer dort in Not gerät, ist auf zufällig anwesende Passanten angewiesen. Bis Hilfe eintrifft, können wertvolle Minuten vergehen. Gerade bei Badeunfällen zählt jede Sekunde. Deshalb empfiehlt die DLRG, nur an ausgewiesenen und möglichst bewachten Badestellen zu baden.

Kinder nie unbeaufsichtigt lassen

Besonders eindringlich warnt die DLRG vor Gefahren für Kinder und Nichtschwimmer. Kinder überschätzen ihre Fähigkeiten häufig oder reagieren in gefährlichen Situationen nicht richtig. Schon wenige Sekunden Unaufmerksamkeit können am Wasser dramatische Folgen haben. Eltern und Begleitpersonen sollten Kinder deshalb niemals unbeaufsichtigt am oder im Wasser lassen. Auch kurze Ablenkungen, etwa durch das Handy, können lebensgefährlich sein. Aufblasbare Schwimmtiere, Luftmatratzen oder Spielzeuge sind zudem keine Rettungsmittel. Sie vermitteln oft eine trügerische Sicherheit.

Was Badegäste in der Region beachten sollten

Die DLRG Memmingen/Unterallgäu bittet alle Ausflügler und Badenden dringend, nur an ausgewiesenen und bewachten Badestellen zu baden – besonders mit Kindern. Die Iller sollte nicht zum Schwimmen genutzt werden, auch wenn sie ruhig oder harmlos wirkt. Kinder dürfen am Wasser nie unbeaufsichtigt bleiben. Warnschilder und Sperrungen sollten unbedingt beachtet werden, denn sie dienen dem Schutz von Menschenleben. Im Notfall gilt: sofort die 112 wählen. Jede Sekunde zählt.

DLRG bietet Unterstützung für Medienberichte an

Der DLRG Kreisverband Memmingen/Unterallgäu bietet lokalen Medien seine Unterstützung bei der Berichterstattung an. Möglich sind Interviews vor Ort an einem See, an der Iller oder an der DLRG-Station. Auch O-Töne und Statements für Radiobeiträge können kurzfristig und telefonisch bereitgestellt werden. Zudem bietet die DLRG begleitende Kameratermine bei Übungen und Rettungsübungen auf dem Wasser an.

Warnungen können Leben retten

Die DLRG Memmingen/Unterallgäu hofft, mit ihrer Warnung möglichst viele Menschen in der Region zu erreichen. Denn jeder Badeunfall, der verhindert wird, zählt. „Wer einmal einen Menschen aus dem Wasser gezogen hat, der nicht mehr atmet – der weiß, dass jede Warnung, die wir aussprechen, keine ist zu viel“, sagt Jürgen Bonnemann. Sein Appell ist klar: Die Menschen in Memmingen, im Unterallgäu und im gesamten Allgäu sollen die Gefahren am Wasser ernst nehmen – damit aus einem sommerlichen Ausflug keine Tragödie wird.