Wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht und nicht mehr normal atmet, läuft die Zeit gnadenlos: Jede Minute ohne Herzdruckmassage (CPR) und – falls nötig – frühe Defibrillation verschlechtert die Überlebenschancen. Genau hier setzt Region der Lebensretter e.V. an: Ein gemeinnütziger Verein, der seit 2018 ein smartphonebasiertes Alarmierungssystem betreibt, das medizinisch qualifizierte Ersthelfende zusätzlich zum Rettungsdienst in der Nähe alarmiert – um die „therapiefreie Zeit“ zu verkürzen.
Was ist „Region der Lebensretter“?
Der Verein wurde 2017 in Freiburg gegründet – u. a. durch Notfall- und Intensivmedizin, Rettungsdienst-Akteure, DRK, Malteser und die Stadt Freiburg.
Das Ziel: Qualifizierte Hilfe soll bereits vor dem Eintreffen von Rettungswagen/Notarzt beginnen – weil genau diese Minuten oft über neurologisch gutes Überleben entscheiden.
So funktioniert die Alarmierung in der Praxis (parallel zur 112)
Geht über 112 ein Notruf mit Verdacht auf Herz-Kreislaufstillstand bei der Integrierten Leitstelle ein, wird das System automatisch parallel zum regulären Rettungsdiensteinsatz aktiviert. In der Umgebung erhalten registrierte Ersthelfende einen Voralarm – anschließend werden vier Personen ausgewählt, die voraussichtlich am schnellsten und vor dem Rettungsdienst eintreffen.
In der aktuellen Systemgeneration werden u. a. Transportmittel, Routing und voraussichtliche Ankunftszeiten berücksichtigt – damit nicht „irgendwer“ losfährt, sondern die schnellsten am Einsatzort ankommen.
Klare Rollen statt Chaos: Wer macht was?
Damit Hilfe koordiniert abläuft, setzt das System auf Rollenlogik:
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2 Ersthelfende werden direkt zum Patienten geroutet (sofortige Reanimation).
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1 Person wird – wenn es zeitlich sinnvoll ist – zu einem AED (Defibrillator) geschickt.
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1 Person kann u. a. den Zugang erleichtern und den Rettungsdienst einweisen.
Wichtig: Der Rettungsdienst übernimmt bei Eintreffen die Einsatzführung – die App ist ausdrücklich Ergänzung, kein „Parallelrettungsdienst“.

AED-Defibrillatoren schnell finden: DEFI-map als Schlüssel
Ein zweiter Kernbaustein ist die Defibrillator-Infrastruktur: Region der Lebensretter nutzt als AED-Kataster DEFI-map. Entscheidend sind Datenqualität (Zugang, Öffnungszeiten, Fotos), damit ein AED im Ernstfall nicht „irgendwo im Gebäude“ bleibt.
Wer kann mitmachen – und wer nicht?
Alarmiert werden nicht alle, sondern volljährige, medizinisch geschulte Ersthelfende. Die Qualifikation wird per Upload nachgewiesen und von Verantwortlichen geprüft; die Teilnahme ist organisationsunabhängig (kein Muss: DRK/Malteser/JUH/ASB etc.).
Datenschutz & Sicherheit: Warum Leitstellen das System nutzen können
Für die Integrierten Leitstellen zählt neben Geschwindigkeit vor allem Rechtssicherheit: Region der Lebensretter nennt u. a. ISO 27001, Betrieb auf DSGVO-konformen Servern in der EU, Auftragsverarbeitung und minimale Datennutzung im Einsatz; Positionsdaten werden nur für teilnehmende Helfende zur Einsatzführung übermittelt und danach gelöscht.
Zahlen & Fakten: Was 2025 bereits erreicht wurde
Laut der öffentlichen Statistikdarstellung des Vereins (Stand 01.12.2025) gibt es:
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41.537 aktuelle Lebensretter (registrierte Helfende)
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16.883 Lebensretter-Einsätze 2025
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Median 3:16 Minuten bis zur Ankunft des ersten Lebensretters (2025)
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12.248 installierte AEDs, davon 6.228 24/7 verfügbar
Hebt das die Überlebenschancen wirklich?
Die medizinische Grundlogik ist klar: frühe CPR und frühe Defibrillation verbessern Outcomes. Seit 2021 empfehlen Reanimationsleitlinien die Alarmierung von Ersthelfenden per App/SMS über Leitstellen, um Zeiten bis zur ersten Kompression/Defibrillation zu verkürzen.
Wie stark sich das in harten Outcome-Zahlen niederschlägt, wird u. a. im HEROES Trial wissenschaftlich untersucht (u. a. „survival to hospital discharge“ in einem Pre-Post-Design).
Fazit
Region der Lebensretter macht aus einer App ein Rettungsketten-Konzept: 112-Einbindung, qualifizierte Responder, klare Rollen und ein AED-Register – mit dem Ziel, die entscheidenden Minuten bis zum Rettungsdienst zu überbrücken.










