Hohe Spritpreise belasten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste

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Der Preisschub an den Tankstellen trifft längst nicht mehr nur Autofahrerinnen und Autofahrer. Auch Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Bundeswehr spüren die Folgen des Nahostkriegs – und damit Kommunen, Länder und den Bund.

Was an der Zapfsäule für viele Bürger mit einigen Cent mehr pro Liter beginnt, wächst im öffentlichen Sektor schnell zu einem echten Haushaltsproblem. Nach Angaben des ADAC lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 am 19. März 2026 bei 2,068 Euro je Liter, Diesel kostete 2,229 Euro. Parallel dazu war der Brent-Ölpreis infolge des Kriegs in Nahost massiv gestiegen und lag zuletzt bei rund 109 US-Dollar je Barrel, nachdem er vor Kriegsbeginn am 27. Februar noch bei rund 72 Dollar notiert hatte. Aus einer geopolitischen Krise ist damit auch in Deutschland ein sehr konkreter Kostenfaktor geworden.

Besonders hart trifft diese Entwicklung jene Bereiche, in denen Mobilität kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung staatlichen Handelns ist. Polizeistreifen müssen fahren, Rettungswagen ausrücken, Feuerwehren einsatzbereit bleiben, THW-Kolonnen Material bewegen und die Bundeswehr ihre logistischen Wege sichern. Anders als Privatpersonen oder Unternehmen können diese Organisationen ihren Bedarf nicht einfach herunterfahren, wenn die Preise steigen. Hinzu kommt: Die kommunalen Spitzenverbände warnen schon jetzt vor Rekorddefiziten und einer strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen. Jeder zusätzliche Euro für Kraftstoff fällt also in eine ohnehin angespannte Finanzlage.

Wie konkret diese Belastung ausfällt, zeigt das Beispiel des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten. Das Präsidium ist für ein Gebiet von knapp 6.000 Quadratkilometern mit rund 990.000 Einwohnern zuständig; über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dort für Sicherheit und Ordnung. Wenn nach den von dir genannten Angaben im Jahr 2025 pro Monat rund 63.300 Liter Diesel und Superkraftstoff vertankt wurden, dann genügt bereits ein Preisaufschlag von 10 Cent je Liter, um Mehrkosten von rund 6.330 Euro im Monat auszulösen. Bei 20 Cent wären es 12.660 Euro, bei 30 Cent bereits 18.990 Euro. Aus einer scheinbar kleinen Preisbewegung wird damit binnen weniger Wochen ein spürbarer Posten im Etat.

Legt man die zuletzt gemeldeten bundesweiten Aufschläge seit dem letzten Tag vor Kriegsbeginn zugrunde, wird die Dimension noch deutlicher: Laut dpa/ADAC lag Benzin Mitte März 2026 knapp 26 Cent, Diesel knapp 41 Cent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Auf die 63.300 Liter in Kempten heruntergerechnet ergäben sich damit rein rechnerisch monatliche Mehrkosten zwischen rund 16.458 und 25.953 Euro – je nachdem, wie hoch der Anteil von Benzin und Diesel im tatsächlichen Kraftstoffmix ist. Exakte Werte hängen natürlich vom Einkaufspreis und der Zusammensetzung des Fuhrparks ab, doch die Größenordnung zeigt bereits, wie schnell ein Preissprung an der Tankstelle zur Belastung für den Staatshaushalt wird.

Und Kempten ist nur ein Beispiel. Bundesweit vervielfacht sich der Effekt. Das THW ist mit 669 Ortsverbänden flächendeckend in Deutschland präsent; nach eigenen Angaben wuchs sein Fahrzeugbestand 2025 auf mehr als 12.000 Fahrzeuge. Für die Bundeswehr betreibt die BwFuhrparkService nach eigenen Angaben 42.024 Fahrzeuge an 185 Standorten. Diese Zahlen machen deutlich, welche Wucht steigende Kraftstoffpreise entfalten, sobald sie auf große, dauerhaft einsatzbereite Flotten treffen. Wo täglich gefahren, transportiert, abgesichert und verlegt werden muss, wird jeder Cent pro Liter zum Faktor.

Gerade bei Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst ist die Lage besonders sensibel. Zwar sind Fahrzeuge in diesen Bereichen von der Kraftfahrzeugsteuer befreit, doch an der Zapfsäule nützt diese Entlastung wenig: Der laufende Kraftstoffverbrauch bleibt ein permanenter Kostenblock. Gleichzeitig wird vielerorts ohnehin über steigende Ausgaben und die Finanzierung des Rettungsdienstes gestritten. Steigende Spritpreise verschärfen dieses Problem zusätzlich, weil sie nicht spektakulär wirken, aber Monat für Monat zuverlässig durchschlagen.

Politisch ist die Brisanz inzwischen erkannt. Die Bundesregierung will Tankstellen Preissteigerungen künftig nur noch einmal täglich erlauben und zugleich das Kartellrecht verschärfen; bei Verstößen sollen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro möglich sein. Ob diese Maßnahmen die Entwicklung an der Zapfsäule schnell genug bremsen, bleibt offen. Für Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Bundeswehr ist das ohnehin nur ein Teil der Wahrheit. Denn ihre Einsatzfähigkeit ist nicht verhandelbar. Sie müssen raus, wenn Hilfe gebraucht wird – auch dann, wenn jeder Kilometer den Staat ein Stück mehr kostet.

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