Nach dem mutmaßlichen Doppelmord in Steinheim arbeitet die Ermittlungsgruppe „EG Fenster“ bei der Kriminalpolizei Memmingen weiter mit Hochdruck. Nach der Tatortarbeit der vergangenen Tage beginnt nun die aufwendige Phase der Rekonstruktion: Welche Spuren passen zu welchem Ablauf? Stimmen gesicherte Hinweise mit den Ergebnissen der rechtsmedizinischen Untersuchungen überein? Und lässt sich dem 45-jährigen Tatverdächtigen die Tat zweifelsfrei nachweisen – insbesondere, solange die Tatwaffe weiterhin nicht aufgefunden ist?
Hunderte Spuren – jetzt beginnt die Detailarbeit
Am Tatort wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen mehrere hundert Spuren gesichert. Solche Spuren reichen von klassischen kriminaltechnischen Befunden bis zu digitalen Hinweisen, die später vor Gericht belastbar ausgewertet werden müssen. Der nächste Schritt ist das Zusammenführen der Puzzleteile: Was belegt den Tatzeitpunkt, was belegt Bewegungen, Kontakte oder mögliche Ablageorte von Beweismitteln?
Handy als Schlüssel: Bewegungsprofil und Kontaktanalyse
Ein zentrales Beweismittel dürfte das sichergestellte Mobiltelefon des Tatverdächtigen sein. Aus digitalen Spuren lässt sich häufig ein Bewegungsprofil erstellen: Wo hielt sich jemand wann auf – und wie lange? Solche Daten werden anschließend mit weiteren Ermittlungen abgeglichen, etwa durch die Auswertung von Videoüberwachung (zum Beispiel an Tankstellen) oder durch die Frage, ob es Kontakte zu Dritten gab. Mögliche Zeugen oder Kontaktpersonen müssten dann ermittelt und vernommen werden.
Auch das Verhalten des Tatverdächtigen vor und nach der mutmaßlichen Tat spielt in der Ermittlungsarbeit eine Rolle: Hatte er enge Bezugspersonen? Gab es auffällige Kontakte oder Treffen? Welche Aussagen könnten mögliche Zeugen dazu machen? Genau diese „Kleinarbeit“ ist zeitintensiv – und erklärt, warum Ermittler und Staatsanwaltschaft meist nur zurückhaltend informieren.
BLKA-Labore werten aus – und der Fall ist nur einer von vielen
Die gesicherten Spuren werden in der Regel in spezialisierten Laboren – etwa beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) – untersucht und bewertet. Dabei geht es nicht nur um die technische Analyse, sondern auch um Gutachten, die in einem späteren Gerichtsverfahren als belastbare Beweismittel dienen können. Gleichzeitig ist klar: Solche Labore bearbeiten viele Fälle parallel – die Auswertung braucht Zeit.
Festnahme durch SEK – Ermittlungen auch zur Zeitspanne danach
Der 45-jährige Tatverdächtige wurde am Donnerstagmorgen (19.02.2026) im Raum Landsberg am Lech durch ein Sondereinsatzkommando (SEK) vorläufig festgenommen. Auch an seinem Aufenthaltsort bzw. in seinem Umfeld wurden Spuren gesichert – einschließlich möglicher Kleidung und weiterer kriminaltechnischer Hinweise. Für die Ermittler ist besonders die Zeitspanne zwischen dem Tatort in Steinheim und einer möglichen Rückkehr in sein Umfeld ein wichtiger Ermittlungszeitraum.
Warum die Staatsanwaltschaft wenig sagt
Gerade in Kapitaldelikten gilt: Die Beweiskette muss lückenlos und sauber sein. Fehler in der Dokumentation oder Auswertung können später im Verfahren entscheidend sein. Deshalb wird häufig erst dann öffentlich detaillierter informiert, wenn zentrale Punkte – etwa Tatablauf, Tatzeit und Beweislage – ausreichend abgesichert sind.
Für den 45-jährigen Tatverdächtigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Ermittler suchen nach Tatwaffe: Obduktion im Steinheimer Tötungsdelikt abgeschlossen









