Tierschutz-Prozess in Memmingen: Landwirte wegen Tierquälerei vor Gericht

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Am Dienstagvormittag, den 20.01.2026, startete vor dem Landgericht Memmingen ein bedeutendes Verfahren aus der Reihe des sogenannten Allgäuer Tierschutz-Skandals. Die Anklagebank ist prominent besetzt: Vier Beschuldigte, sieben Rechtsanwälte, drei Gutachter und zwei Dolmetscher füllen mit zahlreichen Medienvertretern und Zuschauern den Gerichtssaal bis auf den letzten Platz. Dieser Prozess markiert den Abschluss der ersten Serie von Verfahren in diesem Komplex.

Vorwurf der Tierquälerei: 58 kranke Rinder vernachlässigt

Im Zentrum der Anklage stehen zwei Landwirte – Vater und Sohn – sowie zwei ihrer ehemaligen Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft Memmingen wirft ihnen vor, im Jahr 2019 für das Leid von insgesamt 58 behandlungsbedürftigen Rindern auf ihrem Milchviehbetrieb im Unterallgäu verantwortlich gewesen zu sein.

Laut Anklageschrift wurden diese Tiere nicht von einem Tierarzt versorgt, obwohl dies dringend notwendig gewesen wäre. In einigen Fällen hätten Tiere sogar notgetötet werden müssen, was jedoch unterlassen wurde. Besonders schockierend: Einigen Tieren sollen durch brutale Behandlung, wie etwa das Bewegen nicht gehfähiger Rinder mittels eines Radladers, länger anhaltende erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt worden sein.

Verteidigung plädiert auf Freispruch

Die Anwälte von Vater und Sohn wiesen die Vorwürfe bereits zum Prozessauftakt in einem Statement zurück und plädierten auf Freispruch. Die Verteidigung argumentiert, dass ständig Tierärzte auf dem Betrieb vor Ort gewesen seien und die Verantwortung für die medizinische Versorgung nicht allein bei den Angeklagten gelegen habe. Zudem ziehen die Verteidiger die Methoden in Zweifel, mit denen der Zustand der Tiere damals dokumentiert und festgestellt wurde.

Proteste vor dem Gerichtsgebäude

Der Prozess wird von großem öffentlichem Interesse begleitet. Vor dem Landgericht versammelten sich zum Auftakt zahlreiche Tierrechtler mit Bannern und Plakaten. Die Aktivisten fordern ein deutliches Signal der Justiz und betonen, dass in diesem Fall Haftstrafen angemessen seien, um Tierquälerei in der Landwirtschaft konsequent zu ahnden.

Ausblick: Ein langwieriger Verfahrensmarathon

Das Gericht hat bis Mitte Mai insgesamt 16 Verhandlungstage angesetzt. Es ist zu erwarten, dass die Verteidigung die Ermittlungsarbeit der Behörden akribisch hinterfragen wird. Da einige der beteiligten Anwälte bereits aus vorangegangenen Verfahren bekannt sind, steht ein intensiver Schlagabtausch zwischen Sachverständigen, Zeugen und Juristen bevor.

Die kommenden Wochen werden zeigen, inwieweit die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft haltbar sind und wie die Kammer die Beweislast sowie die Verantwortlichkeiten auf dem Hof bewertet.

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