🇦🇹 Lawine am Ifen: Freerider lösen Schneebrett bei Warnstufe 4 aus – Große Suchaktion im Kleinwalsertal

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Leichtsinn oder Unwissenheit? Trotz der ausgerufenen Lawinenwarnstufe 4 (große Gefahr) haben zwei Freerider am Sonntagmittag, 11.01.2026 am Hohen Ifen im Kleinwalsertal einen Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Ein Schneebrett riss in die Tiefe – und niemand wusste zunächst, ob Menschen darunter begraben wurden.

Der Vorfall ereignete sich gegen 11:40 Uhr. Zwei Wintersportler verließen die gesicherten Pisten und fuhren in den freien Skiraum im Bereich der berüchtigten „Kellerloch-Route“ ein. In dem steilen Gelände löste sich plötzlich ein Schneebrett.

Glück im Unglück – aber Unsicherheit für die Retter

Die beiden Verursacher hatten riesiges GlĂĽck: Sie wurden von den Schneemassen nicht erfasst. Doch fĂĽr die Beobachter und die alarmierte Leitstelle war die Lage unklar. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass unbeteiligte Wintersportler von der Lawine mitgerissen und verschĂĽttet wurden, lief eine massive Rettungskette an.

RECCO SAR – Foto: Bergwacht Sonthofen/Symbolbild

Drei Hubschrauber und LVS-Checks durch die Feuerwehr

Am Ifen spielten sich dramatische Szenen ab. Um keine Zeit zu verlieren, wurden gleich drei Hubschrauber eingesetzt, um Retter und Material an den Lawinenkegel zu fliegen. Eine besondere Rolle kam dabei der Feuerwehr zu. Ein Sprecher der Polizeiinspektion Kleinwalsertal erklärte die Taktik:

„Die Feuerwehr baut eine Schleuse auf, in der die Einsatzkräfte kontrolliert werden – zum Beispiel, ob ihre Verschüttetensuchgeräte (LVS) eingeschaltet sind und funktionieren.“

Erst nach diesem Sicherheits-Check wurden die Retter ins Gelände geflogen. Neben der Bergrettung Kleinwalsertal und der Alpinpolizei waren auch zwei Lawinensuchhunde im Einsatz, die den Kegel absuchten.

Entwarnung und Experten-Mahnung

Gegen 13:15 Uhr konnten die Einsatzkräfte aufatmen und abrücken: Die genaue Absuche bestätigte, dass sich keine Personen unter den Schneemassen befanden.

Der Vorfall zeigt jedoch eindringlich, wie brisant die Lage aktuell ist. Oberhalb der Waldgrenze herrschte am Sonntag im Kleinwalsertal die Lawinenwarnstufe 4. Der Lawinenwarndienst Vorarlberg warnt eindringlich:

  • Frischer Triebschnee ist extrem störanfällig.

  • Die Verbindung zur Altschneedecke ist schwach.

  • Bereits einzelne Wintersportler können Schneebrettlawinen auslösen.

Tourengeher und Freerider sollten auch in den kommenden Tagen extrem vorsichtig sein. Auch wenn die Gefahr spontaner Selbstauslösungen langsam abnimmt, bleibt das Risiko im freien Gelände akut lebensgefährlich.


+ POLIZEIMELDUNG +

Presseaussendung der Polizei Vorarlberg

Am Samstag, dem 11.1.2026, lösten ein 55-jähriger deutscher Freerider und sein 13-jähriger Sohn gegen 11:37 Uhr im freien Skiraum im Bereich „Ifen-Kellerloch“ ein Schneebrett aus. Die beiden waren vom organisierten Skibereich in den freien Skiraum eingefahren, als sich das etwa 200 Meter lange und rund 70 Meter breite Schneebrett löste. Vater und Sohn wurden nicht mitgerissen und blieben unverletzt.

Da zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, dass weitere Wintersportler von der Lawine verschüttet worden waren, wurde ein Großeinsatz ausgelöst. Einsatzkräfte der Bergrettung wurden mit drei Hubschraubern in das Gebiet auf rund 1900 Meter Seehöhe geflogen. Zunächst durchsuchten zwei Lawinenhunde der Vorarlberger Lawinenhundestaffel den Lawinenkegel, anschließend setzten Sondier-Mannschaften die Suche fort. Nachdem diese Maßnahmen ergebnislos blieben und auch Augenzeugen keine Hinweise auf weitere Verschüttete geben konnten, wurde der Einsatz um 13:15 Uhr beendet.

Im Einsatz standen insgesamt 40 Kräfte der Bergrettung mit zwei Lawinenhunden, 15 Mitglieder der Feuerwehren Riezlern und Mittelberg, die Pistenrettung Ifen, drei Hubschrauber sowie zwei Beamte der Alpinen Einsatzgruppe Kleinwalsertal.

FĂĽr den Unfallbereich war die Lawinengefahrenstufe 4 (groĂź) ausgegeben.


 

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