Nürnberg: Ermittlungen zu Scheinehen als Aufenthaltshilfe – Razzien in vier Städten, 38 weitere Fälle im Fokus

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Die Kriminalpolizei Nürnberg ermittelt seit mehreren Monaten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen eine mutmaßliche Tätergruppierung, die in zahlreichen Fällen Scheinehen organisiert haben soll. Auslöser waren seit Mitte 2025 vermehrte Anträge nigerianischer Staatsangehöriger auf Aufenthaltskarte/EU, begründet mit Eheschließungen mit ungarischen Partnern.

Nach bisherigen Erkenntnissen führten die Paare keine eheliche Lebensgemeinschaft in Nürnberg. Vielmehr sollen ungarische „Ehepartner“ gegen Entgelt rekrutiert und zu Eheschließungen in Rom und Athen begleitet worden sein. Auffällig: Die ungarischen Beteiligten reisten nur für Behördengänge zur Aufenthaltserteilung nach Deutschland ein und hielten sich ansonsten nicht im Bundesgebiet auf. Der Verdacht: Scheinehen – ein Straftatbestand nach FreizügG/EU; gegen Hinterleute wird zudem wegen Einschleusens von Ausländern nach dem Aufenthaltsgesetz ermittelt.

Am 08.10.2025 vollstreckten Ermittler 13 Durchsuchungsbeschlüsse in Nürnberg, Bamberg, Berlin und Essen – darunter angebliche Wohnungen der Ehepaare sowie Adressen der Wohnungsgeber. Im Einsatz waren 92 Polizeibeamte, 10 Mitarbeitende der Ausländerbehörde und 7 Angehörige der Staatsanwaltschaft. In den Objekten wurden über 30 Mobiltelefone und zahlreiche Unterlagen sichergestellt. Nur drei nigerianische Eheleute wurden angetroffen; Hinweise auf Wohnsitznahmen der ungarischen Ehepartner ergaben sich nicht. Zwei weitere Personen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis wurden separat festgestellt; gesonderte Verfahren folgen.

Aktuell führen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen in weiteren 38 Fällen. Vorrangig ist die Identifizierung der Hintermänner der mutmaßlichen Scheinehe-Struktur.

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