Über 50 gefälschte Impfpässe: Amtsgericht Memmingen verurteilt 72-jährige Rentnerin

-

Vor dem Amtsgericht Memmingen wurde kürzlich der Fall einer 72-jährigen Rentnerin verhandelt, die über 50 gefälschte Impfpässe mit frei erfundenen Corona-Impfungen hergestellt und verkauft hatte. Die Verurteilte, eine selbstständige Gewerbetreibende aus dem Unterallgäu, zeigte sich vor Gericht wortkarg – doch ihr Geständnis fiel eindeutig aus: „Ja, war halt so.

Im Herbst 2021, auf dem Höhepunkt der Pandemiebekämpfung, betrieb die Frau ein äußerst professionelles System, wie die Staatsanwaltschaft betonte. Kunden konnten zwischen Barzahlung oder Paypal wählen, wobei sie bei Bargeldversand über einen Link detaillierte Anweisungen erhielten. Zur perfekten Täuschung nutzte die 72-Jährige 37 gefälschte Stempel von Arztpraxen und Impfzentren, um regionale Wünsche der Käufer abzudecken.

Das Memminger Amtsgericht verurteilte die Frau zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zusätzlich muss sie 3.000 Euro an den SKM Memmingen zahlen. Die durch den Verkauf der Impfpässe erwirtschafteten 13.166 Euro werden eingezogen.

Mildernd wurde gewertet, dass die Angeklagte geständig war. So konnte auf die Vernehmung zahlreicher Zeugen, darunter vier aus dem Ausland, verzichtet werden. Die richterliche Bewertung berücksichtigte zudem, dass die Rentnerin nicht vorbestraft ist, eine positive Sozialprognose vorliegt und sie ihre schwerbehinderte Tochter finanziell unterstützt.

Die Verurteilung wirft erneut ein Schlaglicht auf das lukrative Geschäft mit gefälschten Impfpässen in Zeiten der Pandemie – und zeigt, dass die Justiz auch Jahre später noch aktiv gegen derartige Delikte vorgeht.

spot_img