Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Memmingen und des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) zur Gasexplosion im Memminger Kalkerfeld vom 26. Juli 2024 dauern an. Bei dem Unglück verlor ein 17-Jähriger sein Leben. Der Sachschaden, der durch die massive Explosion entstanden ist, beträgt mehrere Millionen Euro. Zwischenzeitlich liegt jedoch eine Bewertung der Waffen und Munition vor, die im Schutt und Keller des explodierten Hauses aufgefunden wurden.
Aufgefundene Waffen in den Trümmern
Von den insgesamt rund 30 sichergestellten Schusswaffen und Waffenteilen lag etwa für die Hälfte keine entsprechende waffenrechtliche Erlaubnis vor.
Thomas Schuhmaier, der leitende Rechtsdirektor der Stadt Memmingen gibt auf Anfrage der Redaktion im Oktober 2024 folgende Rückmeldung: „Der Beteiligte besaß seit 1991 Waffenbesitzkarten als Sportschütze und über die Zeit insgesamt 35 verschiedene Waffen. Die Stadt Memmingen erhielt in der Folgezeit Kenntnis davon, dass der Beteiligte tatsächlich nicht mehr in dem Anwesen Im Kalker Feld 51 wohnhaft war. Nach § 36 des Waffengesetzes (WaffG) i. V. m. § 13 Abs. 4 der Ausführungsverordnung zum Waffengesetz (AWaffV) ist in einem nicht dauerhaft bewohnten Gebäude jedoch nur die Lagerung von maximal drei Langwaffen zulässig. In der Folge wurde ermittelt, dass der Beteiligte in eine Landkreisgemeinde verzogen war.
In einem derartigen Fall bieten sich waffenrechtlich zwei Möglichkeiten: Entweder es werden Waffen und Munition veräußert und auf die Erlaubnisse verzichtet oder es wird für die ordnungsgemäße Aufbewahrung gesorgt, indem die Waffen und die Munition an den neuen Wohnort verbracht werden und dort entsprechend den waffenrechtlichen Vorgaben aufbewahrt werden. Der Beteiligte entschied sich für die erste Variante und veräußerte alle Waffen an einen berechtigten Waffenhändler. Die Abgabe der Waffen erfolgte am 06.10.2021, anschließend wurden die Waffenbesitzkarten an die Stadt Memmingen zurück gegeben. Entsprechende Bestätigungen wurden im Rahmen des waffenrechtlichen Verfahrens vorgelegt.“
Auf Anfrage bei der Waffenbehörde beim Landratsamt Unterallgäu wurde mitgeteilt, dass keine neue waffenrechtliche Erlaubnis in der Folge durch den Eigentümer der Hausnummer „Kalkerfeld 51“ beantragt wurde.
Kripo prüft waffenrechtliche Unterlagen
Die waffenrechtlichen Unterlagen zum Tatverdächtigen wurden von der Kriminalpolizei Memmingen bei der Stadtverwaltung eingeholt. Hieraus ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte seine Waffen am 06.10.2021 einem Waffenhändler aus Memmingen überlassen hat. Seitens der Kripo besteht kein Anlass, an der behördlichen Auskunft der Stadt Memmingen zu zweifeln. Ebenso besteht kein Anlass für eine polizeiliche Überprüfung der Unterlagen des Waffenhändlers, so die Auskunft des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Ein Abgleich der Eintragungen mit den sichergestellten Waffen erfolgt dennoch durch die Kripo nach Vorliegen des schriftlichen Berichts zur waffenrechtlichen Einordnung der Schusswaffen durch die Kriminalpolizei Augsburg.
Vorbehaltlich des Ergebnisses des Abgleichs der sichergestellten Waffen mit den Eintragungen in der WBK-Register (Waffenbesitzkarten-Inhaber) liegt derzeit im vorliegenden Fall kein Anlass für Ermittlungen zum Weiterverkauf der abgegebenen Waffen vor, so die Ermittler.
Mehrere tausend Schuss Munition sichergestellt
Ebenso hatte der Hauseigentümer „Kalkerfeld 51“ auch für mehrere Tausend Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers keine entsprechende Erlaubnis für den Erwerb und Besitz der Munition. Die bisherigen Ermittlungen der Kripo ergeben keinen Zweifel daran, dass es sich bei den Munitionsfunden um „Altbestände“ aus der Sportschützenzeit vor dem 06.10.2021handelt. Sie wurden damals legal erworben.
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Stand der Ermittlungen
Gegen den Eigentümer führt die Polizei deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen den Verstößen gegen das Waffengesetz.

Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass der Waffen- und Munitionsbesitz mit der Explosion nicht in Verbindung steht. Als Unglücksursache wird weiterhin eine Gasexplosion angenommen. Zur genauen Ermittlung, wie es zu der Explosion kam, sind Sachverständige des Bayerischen Landeskriminalamts momentan noch mit den umfangreichen Untersuchungen und der Erstellung des Gutachtens befasst.
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