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Freitag. 02. Dezember 2022 / 48

Memmingen/Berlin | Betrugsverfahren mit mehr als 500.000 Euro Schaden – Vier Personen in Untersuchungshaft

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Am 20.05.2021, nahmen Beamte der Polizeiinspektion Mindelheim drei mutmaßliche Betrüger vorläufig fest. Dies war der Auftakt zu umfangreichen Betrugsermittlungen, deren vorläufiges Fazit vier Inhaftierungen, mehrere eingefrorene Konten sowie ein Betrugsschaden von mehr als 500.000 Euro sind.

Die drei im Verdacht stehenden mutmaßlichen Betrüger hatten unmittelbar davor versucht, in zwei Bankfilialen in Loppenhausen und Breitenbrunn Geldbeträge vom Konto einer ortsansässigen Firma in Höhe von mehreren tausend Euro abzuheben, indem sie einen gefälschten Ausweis vorzeigten. Den aufmerksamen Bankmitarbeiterinnen war der Täuschungsversuch jedoch aufgefallen. Sie verweigerten die Auszahlung und verständigten die Polizei, so dass die Beamten der Polizeiinspektion Mindelheim die Tatverdächtigen wenig später festnahmen.

Die polizeilichen Ermittlungen übernahm in der Folge die Kriminalpolizei Memmingen. Es zeigte sich, dass das mutmaßliche Betrüger-Trio an zahlreichen weiteren Orten im gesamten Bundesgebiet tätig war. Aus diesem Grund eröffnete die Staatsanwaltschaft Memmingen ein sogenanntes Sammelverfahren und übernahm die Strafverfolgung aus dem gesamten Bundesgebiet für alle derartigen Betrugsdelikte, die mutmaßlich von diesen Tatverdächtigen begangen wurden. Die Kriminalpolizeiinspektion Memmingen richtete dazu eigens eine Ermittlungsgruppe unter dem Namen EG „Frankenstein“ ein.

Es zeigte sich nach den ersten Ermittlungen sehr schnell, dass die Tätergruppe nicht nur aus den drei festgenommen Personen bestand, sondern dass der „Geldabheber“ von wechselnden Personen auf seinen Beutetouren begleitet wurde und im Hintergrund weitere Tatverdächtige als Organisatoren der Gruppierung agierten. Letztendlich werfen die Ermittler dem festgenommenen Tatverdächtigen vor, sich im Zeitraum von Februar 2021 bis Mai 2021 in 110 Fällen in Banken als falscher Geschäftsmann mit verschiedensten gefälschten Ausweisen ausgegeben zu haben. In der Hälfte der Fälle gelang es ihm tatsächlich, sich Geld ausbezahlen zu lassen. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich auf rund 570.000 Euro. Der mittlerweile 32 Jahre alte Mann befindet sich genauso wie seine 21-jährige Begleiterin seit seiner Festnahme auf Antrag der Staatsanwaltschaft Memmingen in Untersuchungshaft. Eine 47-Jährige wurde wieder entlassen.

Durch die Ermittlungen der Kriminalpolizei Memmingen nahmen im September 2021 Beamte einen 40-Jährigen an seinem Wohnort in Brandenburg als weiteres Mitglied der Gruppierung aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Memmingen fest. Dem Mann wird eine maßgebliche Beteiligung innerhalb der Gruppe als Organisator der Taten vorgeworfen. Er befindet sich seitdem ebenfalls in Untersuchungshaft.

Gegen diese vier Beteiligten hat die Staatsanwaltschaft Memmingen bereits Anklage zum Landgericht Memmingen erhoben.

Die Kripo Memmingen führte die Ermittlungen unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Memmingen weiter fort und in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Berlin ermittelten die Kriminalbeamten weitere Tatverdächtige, darunter auch eine weitere zentrale Figur der Gruppierung. Der 46-jährige Mann steht im Verdacht, die Betrugstaten geplant und in Auftrag gegeben zu haben. Zudem soll er die Daten der betroffenen Firmeninhaber beschafft, die Herstellung der gefälschten Ausweise in Auftrag gegeben und die Logistik für die bundesweiten Fahrten bereitgestellt haben. Auch gegen ihn wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Memmingen von der Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Memmingen ein Haftbefehl erlassen.

In einer groß angelegten gemeinsamen Festnahme- und Durchsuchungsaktion von Kripo Memmingen und LKA Berlin vollzogen die Einsatzkräfte am Mittwoch, 19.01.2022, den Haftbefehl gegen den Haupttatverdächtigen und Durchsuchungsbeschlüsse gegen 14 weitere Beschuldigte im Stadtgebiet Berlin. Neben den Memminger und Berliner Kriminalbeamten waren an der Aktion auch Beamte der Berliner Bereitschaftspolizei und von Spezialeinheiten beteiligt. Letztendlich stellten die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung von 25 Wohnungen, Firmenadressen und Lagerräumen zahlreiche Beweismittel sicher. Darunter befanden sich eine Vielzahl gefälschter in- und ausländischer Personalausweise, aber auch Behörden- und Arztstempel sowie Vordrucke von Impfausweisen. In einer Wohnung fanden sie zusätzlich noch Aufzuchtanlagen mit 25 Marihuana-Pflanzen.

Die Kriminalbeamten gehen derzeit davon aus, dass einer der weiteren Beschuldigten, ein 36-Jähriger aus Berlin, einer der Hersteller der falschen Ausweise ist. Die Beamten fanden bei ihm einen Großteil der Geräte und Vordrucke zur Dokumentenfälschung.

Im Zuge der Durchsuchungsmaßnahmen froren die Ermittler auch eine Vielzahl von Bankkonten der Beschuldigten ein. Es besteht der Verdacht, dass sich auf diesen Konten Geld befindet, das durch Straftaten erlangt wurde. Auf einem der gepfändeten Konten sicherten die Beamten bereits einen sechsstelligen Betrag.

Die umfangreiche Auswertung der Beweismittel und Konten dauert noch an. Der festgenommene 46-jährige Haupttatverdächtige wurde dem zuständigen Ermittlungsrichter in Berlin vorgeführt. Dieser ordnete die Untersuchungshaft an und der Mann wurde in eine Berliner Justizvollzugsanstalt gebracht.