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Allgäu Airport Memmingen: Flughafenfeuerwehr mit neuen Panther-Fahrzeugen

Die Flughafenfeuerwehr am Allgäu Airport Memmingen hat drei neue Rosenbauer Panther 6×6 in Dienst gestellt. Was die Spezialfahrzeuge leisten.

Flughafenfeuerwehr am Allgäu Airport Memmingen: Spezialisten für die entscheidenden Minuten

Wenn am Flughafen ein Alarm ausgelöst wird, zählt nicht die Minute danach, sondern die nächste Sekunde. Eine Flughafenfeuerwehr ist keine normale Betriebsfeuerwehr mit gelegentlichem Flugzeugbezug. Sie ist eine hochspezialisierte Rettungs- und Brandbekämpfungseinheit für den Luftverkehr. Ihr Auftrag lautet: Menschen retten, Überlebensbedingungen schaffen, Evakuierungswege sichern und Brände so schnell bekämpfen, dass Passagiere und Crew eine realistische Chance haben, ein beschädigtes oder brennendes Luftfahrzeug zu verlassen.

Am Allgäu Airport Memmingen ist diese Aufgabe besonders sichtbar geworden: Am 1. Juni 2026 nahm die Flughafenfeuerwehr drei neue Flugfeldlöschfahrzeuge des Typs Rosenbauer Panther 6×6 offiziell in Dienst. Der Flughafen investierte damit rund zwei Millionen Euro in moderne Sicherheitstechnik. Jedes Fahrzeug bringt 12.500 Liter Wasser, 1.500 Liter Schaummittel und 250 Kilogramm Löschpulver mit; die Pumpenleistung liegt bei bis zu 9.000 Litern pro Minute.

Der Allgäu Airport ist längst kein kleiner Sonderlandeplatz mehr. Der Flughafen Memmingen nahm 2007 den regelmäßigen Linien- und Charterflugverkehr auf, zählt sich heute zu den bedeutenden Low-Cost-Flughäfen in Süddeutschland und verzeichnete 2025 knapp 3,7 Millionen Passagiere. Die Start- und Landebahn ist 2.981 Meter lang, das Flughafengelände umfasst rund 200 Hektar. Gerade deshalb ist die Flughafenfeuerwehr ein zentraler Bestandteil der Sicherheitsarchitektur des Airports.

Was ist eine Flughafenfeuerwehr?

Die Flughafenfeuerwehr wird im internationalen Regelwerk meist als RFFS bezeichnet: Rescue and Fire Fighting Services. Im amerikanischen Sprachgebrauch ist auch ARFF üblich, also Aircraft Rescue and Fire Fighting. Gemeint ist eine Feuerwehr, die speziell für Notfälle mit Luftfahrzeugen auf dem Flugplatz und in dessen unmittelbarer Umgebung vorgehalten wird.

Das Hauptziel ist nach EASA eindeutig: Leben retten bei einem Luftfahrzeugunfall oder Zwischenfall am Flugplatz oder in dessen unmittelbarer Umgebung. Die Feuerwehr soll überlebensfähige Bedingungen schaffen, Ausstiegswege erhalten und die Rettung jener Insassen einleiten, die sich nicht selbst befreien können.

Damit unterscheidet sich die Flughafenfeuerwehr in ihrer Kernaufgabe deutlich von einer kommunalen Feuerwehr. Natürlich kann auch sie Gebäudebrände, technische Hilfeleistungen oder medizinische Erstmaßnahmen unterstützen. Ihr eigentlicher Spezialauftrag ist aber der schnelle Erstangriff bei Luftfahrzeuglagen: Flugzeugbrand, Triebwerksbrand, Fahrwerksbrand, Kraftstoffaustritt, Startabbruch, Landung mit technischem Defekt, Abkommen von der Piste oder Evakuierung eines Flugzeugs.

Die Aufgabenstellung: Retten, schützen, löschen, sichern

Eine Flughafenfeuerwehr muss in sehr kurzer Zeit mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Sie muss den Einsatzort erreichen, eine wirksame Löschposition einnehmen, den Flugzeugrumpf vor Flammen und Wärmestrahlung schützen, Evakuierungswege freihalten, austretenden oder brennenden Kraftstoff bekämpfen und verletzte oder eingeschlossene Menschen retten.

Das ist bei Luftfahrzeugen besonders anspruchsvoll. Moderne Verkehrsflugzeuge führen große Mengen Kraftstoff mit. Brände können mit enormer Wärmestrahlung, dichter Rauchentwicklung und giftigen Brandgasen einhergehen. Gleichzeitig befinden sich viele Menschen in einer engen Kabine. Türen, Notausgänge oder Rutschen können blockiert sein. Triebwerke, Fahrwerk, Reifen, Batterien, Sauerstoffsysteme, Hydraulik und Gefahrgut können zusätzliche Risiken schaffen.

SKYbrary beschreibt die Flughafenfeuerwehr deshalb als Spezialform der Brandbekämpfung, die auf Ereignisreaktion, Gefahrenabwehr, Evakuierung und mögliche Rettung von Passagieren und Besatzung bei Boden-Notlagen ausgerichtet ist. Wegen des möglichen Massenanfalls von Verletzten sei es entscheidend, dass Einsatzmittel und Personal schnell am Ereignisort eintreffen.

Rechtsrahmen: EASA, ICAO und die Brandschutzkategorie

In Europa richtet sich der Betrieb von Flughafenfeuerwehren unter anderem nach der EU-Verordnung 139/2014 und den zugehörigen EASA-Regeln. Diese Regeln legen fest, dass der Flugplatzbetreiber Rettungs- und Feuerbekämpfungseinrichtungen, Ausrüstung, Löschmittel und ausreichend Personal bereitstellen muss. Das Personal muss ordentlich ausgebildet, ausgerüstet, qualifiziert und medizinisch geeignet sein. Außerdem muss der Betreiber ein Trainingsprogramm einrichten, wiederkehrende theoretische und fortlaufende praktische Ausbildung sicherstellen und Befähigungsüberprüfungen spätestens alle zwölf Monate durchführen.

Wichtig ist die Brandschutzkategorie des Flughafens. Sie richtet sich nach den größten Luftfahrzeugen, die den Flugplatz normalerweise nutzen. Entscheidend sind vor allem die Länge des Flugzeugs und die maximale Rumpfbreite. Kategorie 7 umfasst nach der EASA-Tabelle Flugzeuge von 39 Metern bis unter 49 Metern Länge bei maximal 5 Metern Rumpfbreite. Kategorie 9 umfasst Flugzeuge von 61 Metern bis unter 76 Metern Länge bei maximal 7 Metern Rumpfbreite.

Für den Allgäu Airport Memmingen ist in den verfügbaren AIP-Daten unter EDJA eine Brandschutzkategorie 7 ausgewiesen; auf vorherige Genehmigung, also PPR, ist Schutz bis Kategorie 9 möglich. In derselben Veröffentlichung wird auch genannt, dass die Rettungs- und Feuerlöschausrüstung nach ICAO Annex 14 sowie der EU-Verordnung 139/2014 beziehungsweise den EASA-Regeln vorgehalten wird.

Wie schnell muss die Flughafenfeuerwehr sein?

Die bekannte „Drei-Minuten-Regel“ ist im Kern richtig, wird aber oft ungenau wiedergegeben. Nach EASA muss der Rettungs- und Feuerlöschdienst unter optimalen Sicht- und Oberflächenbedingungen jeden Punkt jeder in Betrieb befindlichen Start- und Landebahn innerhalb von höchstens drei Minuten erreichen können. Das operative Ziel liegt sogar bei höchstens zwei Minuten. Dabei reicht es nicht, nur irgendwo in der Nähe anzukommen: Das erste Fahrzeug muss in einer Position sein, aus der es Schaum wirksam aufbringen kann, und zwar mit mindestens 50 Prozent der geforderten Ausstoßrate.

Streng genommen bedeutet das: Die feste Drei-Minuten-Vorgabe gilt nicht pauschal für jeden Parkplatz, jedes Terminalgebäude oder jeden beliebigen Punkt des Flughafengeländes. Sie gilt für die betriebliche Start- und Landebahn. Für andere Teile der Bewegungsfläche, also Rollwege und Vorfelder, müssen Reaktionszeiten berechnet und im Notfallplan des Flugplatzes berücksichtigt werden. Weitere Fahrzeuge, die für eine kontinuierliche Löschmittelabgabe erforderlich sind, sollen spätestens eine Minute nach dem ersten Fahrzeug eintreffen.

Während des Flugbetriebs muss ausreichend geschultes Personal bereitstehen, um die Rettungs- und Löschfahrzeuge zu besetzen und die Ausrüstung mit voller Leistung zu betreiben. Diese Einsatzbereitschaft gilt während der Flugbewegungen und mindestens 15 Minuten nach dem Abflug des letzten Fluges.

Am Allgäu Airport wurde diese Anforderung bereits 2023 in einem Bericht über ein Fahrsicherheitstraining deutlich: Die dort beschriebenen Flugfeldlöschfahrzeuge müssen bei einem Flugzeugbrand wegen der hohen Temperaturen in weniger als drei Minuten am Einsatzort sein. Damals wurde ein Fahrzeug mit rund 40 Tonnen Gewicht, 1.000 PS, bis zu 140 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie 12.500 Litern Wasser und 1.600 Litern Löschschaum beschrieben.

Drei neue Panther 6×6: Was die neue Technik am Allgäu Airport leistet

Mit der Indienststellung der drei neuen Rosenbauer Panther 6×6 hat der Allgäu Airport seine Flughafenfeuerwehr sichtbar modernisiert und verstärkt. Die Fahrzeuge sind keine gewöhnlichen Löschfahrzeuge, sondern Spezialgeräte für den schnellen und massiven Erstangriff auf dem Flugfeld.

Jeder Panther verfügt laut Bericht über:

Merkmal Wert
Fahrzeugtyp Rosenbauer Panther 6×6
Wasser 12.500 Liter
Schaummittel 1.500 Liter
Löschpulver 250 Kilogramm
Pumpenleistung bis zu 9.000 Liter pro Minute
Motorleistung 750 PS
Höchstgeschwindigkeit bis zu 120 km/h
Beschleunigung 0 auf 80 km/h in 32 Sekunden

Die drei Fahrzeuge wurden am 1. Juni 2026 offiziell in Dienst gestellt. Die Anschaffung wurde durch Fördermittel des Freistaats Bayern unterstützt. Bei der Übergabe betonten die Geschäftsführer Ralf Schmid und Marcel Schütz die Bedeutung der Sicherheit für Passagiere, Crews und Beschäftigte; Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hob laut Bericht die Notwendigkeit einer modernen und leistungsfähigen Flughafenfeuerwehr hervor.

Redaktionell ist diese Beschaffung deshalb wichtig, weil sie die abstrakten Sicherheitsanforderungen greifbar macht. Eine Flughafenfeuerwehr braucht nicht nur Personal, sondern Fahrzeuge, die schnell beschleunigen, große Mengen Löschmittel mitführen, während der Anfahrt einsatzfähig sind und über Werfer große Mengen Wasser-Schaum-Gemisch präzise abgeben können. Gerade bei einem Luftfahrzeugbrand muss der Erstangriff so massiv sein, dass Flammen vom Rumpf abgedrängt, Kraftstoffbrände niedergeschlagen und Fluchtwege freigehalten werden können.

Für die taktische Arbeit bedeutet eine Flotte aus drei leistungsfähigen FLF mehr Flexibilität. Ein Fahrzeug kann den Rumpf schützen, ein zweites brennenden oder ausgelaufenen Kraftstoff bekämpfen, ein drittes Evakuierungswege sichern, einen zweiten Angriffswinkel aufbauen oder Löschmittelreserve bereitstellen. Das ist wichtig, weil Windrichtung, Rauch, Trümmerlage, Kraftstoffausbreitung und die Position des Luftfahrzeugs über die Einsatztaktik entscheiden.

Welche Fahrzeuge und Löschmittel sind vorgeschrieben?

Die Zahl der erforderlichen Rettungs- und Feuerlöschfahrzeuge richtet sich nach der RFF-Kategorie. Nach den EASA-Regeln sind für Kategorie 6 und 7 mindestens zwei Rettungs- und Feuerlöschfahrzeuge vorgesehen, für Kategorie 8 bis 10 mindestens drei.

Als Hauptlöschmittel sieht das Regelwerk Schaum vor, der bestimmte Leistungsstufen erfüllt. Zusätzlich müssen ergänzende Löschmittel vorhanden sein, etwa Trockenlöschpulver für Kohlenwasserstoffbrände. Die EASA-Tabellen legen je nach Kategorie Mindestmengen an Wasser, Ausstoßraten und ergänzenden Löschmitteln fest.

Die neuen Panther am Allgäu Airport passen genau in dieses Anforderungsprofil: große Löschmittelmengen, hoher Pumpendurchsatz, Schaum und Löschpulver an Bord, hohe Geschwindigkeit und Geländegängigkeit. Damit sind sie für die ersten Minuten eines Flugzeugnotfalls ausgelegt – also für jenen Zeitraum, in dem sich entscheidet, ob eine Evakuierung geschützt und eine Brandausbreitung verhindert werden kann.

Was passiert bei einer Luftnotlage?

Meldet ein Flugzeug im Anflug oder kurz nach dem Start ein technisches Problem, wird die Flughafenfeuerwehr je nach Alarmstufe in Bereitschaft versetzt oder sofort alarmiert. Typische Auslöser sind Triebwerksprobleme, Rauch im Cockpit oder in der Kabine, Hydraulikfehler, Fahrwerksstörungen, Vogelschlag, Kraftstoffverlust, Bremsenprobleme, medizinische Notfälle an Bord oder eine angekündigte Sicherheitslandung.

In einer solchen Lage fahren die FLF meist nicht planlos los, sondern beziehen taktische Bereitstellungsräume. Entscheidend sind Windrichtung, betroffene Piste, voraussichtlicher Aufsetzpunkt, Rollwegführung, Flugzeugtyp und Meldung der Cockpitbesatzung. Die Feuerwehr stimmt sich mit Tower, Flughafenbetrieb und gegebenenfalls Rettungsdienst und Polizei ab. Bleibt die Landung ohne Folgeproblem, wird die Maschine kontrolliert begleitet oder an einer sicheren Position überprüft. Entwickelt sich ein Brand, ein Fahrwerksschaden oder eine Evakuierung, greift die Feuerwehr sofort ein.

Am Allgäu Airport ist auch die Kommunikation geregelt: In den AIP-Daten ist eine eigene Frequenz für die Flughafenfeuerwehr, „MEMMINGEN RESCUE“, angegeben. Diese darf nur nach Einleitung und Freigabe durch die Flugverkehrskontrolle genutzt werden, wenn sich das Luftfahrzeug am Boden befindet, und sie ist für Notfälle vorgesehen.

Einsatzlage: Startabbruch, heiße Bremsen, Reifen- oder Fahrwerksschaden

Ein Startabbruch gehört zu den klassischen Flughafenfeuerwehrlagen. Ein Verkehrsflugzeug kann nach einem abgebrochenen Start mit hoher Geschwindigkeit und stark erhitzten Bremsen zum Stehen kommen. Die Feuerwehr muss dann beurteilen, ob Reifen platzen könnten, ob Bremsen brennen, ob Hydraulik oder Kraftstoff austritt und ob eine Evakuierung notwendig ist.

Bei Fahrwerksproblemen oder Reifenschäden geht es zunächst um Sicherung, Beobachtung und Brandverhinderung. Die Feuerwehr hält Löschmittel bereit, kontrolliert Temperaturbereiche, sichert den Gefahrenbereich und unterstützt die Crew bei der Entscheidung, ob Passagiere an Bord bleiben oder evakuiert werden. Wird Kraftstoff freigesetzt oder entsteht Feuer, kommt Schaum zum Einsatz.

Einsatzlage: Flugzeugbrand auf Piste, Rollweg oder Vorfeld

Bei einem Flugzeugbrand ist der Erstangriff der Flughafenfeuerwehr massiv und schnell. Die FLF fahren so an, dass sie möglichst nicht in Rauch und Wärmestrahlung geraten, den Wind taktisch nutzen und den Evakuierungsbereich nicht blockieren. Über Dach- oder Frontwerfer wird Schaum auf brennenden Kraftstoff und gefährdete Bereiche gegeben.

Ziel ist nicht einfach „Feuer aus“. Ziel ist zuerst, den Rumpf und die Kabine zu schützen. Brennt Kraftstoff unter oder neben dem Flugzeug, muss die Feuerwehr die Flammen vom Rumpf wegdrücken, Ausgänge nutzbar halten und eine Rettungsachse schaffen. Wenn Rauch oder Feuer in die Kabine eindringen oder Menschen eingeschlossen sind, müssen Atemschutztrupps zur Rettung und Brandbekämpfung vorgehen.

Einsatzlage: Abkommen von der Bahn

Kommt ein Flugzeug nach der Landung oder bei einem Startabbruch von der Bahn ab, wird die Lage schnell komplex. Das Luftfahrzeug kann in weichem Untergrund stecken, beschädigt sein, Kraftstoff verlieren oder teilweise brennen. Trümmerteile, beschädigte Fahrwerke, heiße Bremsen, laufende Triebwerke und panische Passagiere können den Einsatz erschweren.

Genau solche Lagen werden regelmäßig geübt. Am Allgäu Airport wurde 2023 eine große Notfallübung beschrieben, bei der ein Passagierflugzeug mit 79 Personen an Bord im Anflug auf die Piste 24 zu tief kam, die Anflugbefeuerung berührte, nach einem geplatzten Reifen von der Piste abkam und in unwegsames Gelände rutschte. Rund 100 Einsatzkräfte von THW, Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehren, Kreisbrandinspektion und Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung waren beteiligt. Ziel war es, den Notfallplan und die Zusammenarbeit mit der Flughafenfeuerwehr zu überprüfen.

Einsatzlage: Kraftstoffaustritt und Betankungszwischenfall

Kraftstoffaustritt ist eine der gefährlichsten Lagen im Flughafenbetrieb. Dabei geht es nicht nur um sichtbare Flüssigkeit, sondern vor allem um entzündliche Dämpfe. Die Feuerwehr muss Zündquellen verhindern, den Bereich absperren, Betankungsvorgänge stoppen, Personen entfernen und beurteilen, ob ein Schaumteppich erforderlich ist.

Bei brennendem Jet A1 oder AVGAS ist Schaum das zentrale Löschmittel. Der Schaum trennt den Kraftstoff von Sauerstoff, unterdrückt brennbare Dämpfe und kühlt durch seinen Wasseranteil. Die FAA beschreibt für moderne fluorfreie Schaummittel genau diese beiden Hauptwirkungen: Die Schaumschicht unterdrückt Kraftstoffdämpfe, und das Wasser kühlt den Brand.

Wann legt die Flughafenfeuerwehr einen Schaumteppich?

Ein Schaumteppich wird dann gelegt, wenn brennbare Flüssigkeiten gesichert, Dämpfe unterdrückt, Flammen niedergeschlagen oder eine Wiederentzündung verhindert werden sollen. Typische Anwendungsfälle sind ausgelaufener Flugkraftstoff, ein Kraftstoffbrand, ein beschädigtes Fahrwerk mit austretenden Betriebsstoffen, eine Bauchlandung, ein Triebwerks- oder APU-Schaden mit Kraftstoffbeteiligung oder die Sicherung von Evakuierungswegen.

Wichtig ist: Ein Schaumteppich ist kein dekorativer Sicherheitsfilm, sondern ein taktisches Werkzeug. Er muss in ausreichender Menge, mit richtiger Zumischung, passendem Angriffswinkel und ausreichender Applikationsrate aufgebracht werden. Die FAA weist darauf hin, dass eine zu geringe Auftragsrate dazu führen kann, dass die Schaumschicht zusammenbricht; auch der richtige Angriffswinkel und mehrere abgestimmte Löschmittelabgaben sind entscheidend.

Nicht richtig ist die häufige Vorstellung, bei jeder Landung mit Fahrwerksproblem werde vorsorglich die gesamte Startbahn eingeschäumt. Dieses sogenannte „Runway Foaming“ war historisch bekannt, ist aber heute nicht mehr die übliche Standardmaßnahme. Boeing schreibt, dass es keine empfohlenen Verfahren gibt, bei unsicherer Fahrwerksanzeige Schaum auf eine Landebahn aufzubringen; neuere Schaummittel seien für diese Operation nicht geeignet, das Verfahren werde nicht breit genutzt, und die FAA habe ihre alte Empfehlung dazu 1987 zurückgezogen.

In der Praxis wartet die Flughafenfeuerwehr daher nicht untätig, aber sie schäumt auch nicht blind eine komplette Piste ein. Sie positioniert sich taktisch, begleitet die Landung, sichert den Stillstand und bringt Schaum dort auf, wo er tatsächlich gebraucht wird: an Kraftstofflachen, an Brandstellen, an gefährdeten Ausgängen, unter dem Rumpf oder entlang einer Rettungsachse.

Einsatzlage: Triebwerksbrand oder APU-Brand

Ein Triebwerksbrand ist eine besondere Lage, weil sich Feuer, Öl, Kraftstoff, heiße Metallteile und rotierende Komponenten überlagern können. Zunächst nutzt die Besatzung die bordeigenen Löschanlagen und stellt das Triebwerk ab. Die Flughafenfeuerwehr beobachtet, sichert den Bereich und greift ein, wenn das Feuer nicht unter Kontrolle ist oder sich ausbreitet.

Ähnlich ist es bei einem APU-Brand, also einem Brand am Hilfstriebwerk. Die APU befindet sich meist im Heckbereich. Hier muss die Feuerwehr taktisch anfahren, die Brandstelle erreichen, Rumpf und Kabine schützen und bei Bedarf die Evakuierung unterstützen.

Einsatzlage: Rauch oder Feuer in der Kabine

Rauch in der Kabine ist auch dann gefährlich, wenn von außen kein großes Feuer sichtbar ist. In einem Flugzeug können Rauchgase, enge Gänge, blockierte Ausgänge und Panik sehr schnell lebensbedrohlich werden. Die Flughafenfeuerwehr muss Atemschutz einsetzen, Türen und Notausgänge sichern, eine Evakuierung schützen und gegebenenfalls in die Kabine vorgehen.

Gerade hier ist die Zusammenarbeit mit der Crew entscheidend. Flugbegleiter und Cockpitbesatzung wissen, wo Rauch auftritt, welche Systeme betroffen sind, ob Personen eingeschränkt mobil sind und welche Türen nutzbar sind. Die Feuerwehr muss diese Informationen schnell aufnehmen und in eine Rettungstaktik übersetzen.

Einsatzlage: Gefahrgut, Lithium-Batterien und Sonderrisiken

Luftfahrzeuge transportieren nicht nur Passagiere und Gepäck, sondern auch Fracht. Darunter können Gefahrgüter, Lithium-Batterien, Druckgasbehälter, medizinische Stoffe oder technische Geräte sein. Auch im Passagiergepäck können Lithium-Akkus, Powerbanks oder elektronische Geräte Brände auslösen.

Die Flughafenfeuerwehr muss solche Lagen erkennen, absperren, kühlen, belüften, Stoffinformationen beschaffen und Spezialkräfte nachfordern. Batteriebrände können längere Nachkontrollen erfordern, weil Rückzündungen möglich sind. Bei Gefahrgutlagen zählt nicht nur das Löschen, sondern auch der Schutz der Einsatzkräfte und die Verhinderung einer Ausbreitung.

Einsatzlage: Medizinischer Notfall, Gebäudebrand, technische Hilfeleistung

Die Flughafenfeuerwehr wird nicht nur bei Flugzeugbränden tätig. Sie kann bei medizinischen Notfällen erste Maßnahmen übernehmen, bis Rettungsdienst und Notarzt eintreffen. Ein Bericht über die Betriebsfeuerwehr am Allgäu Airport beschreibt ebenfalls, dass das Team bei medizinischen Notfällen unterstützt, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.

Dazu kommen Gebäudebrände, Brandmeldealarme, technische Hilfeleistungen, ausgelaufene Betriebsstoffe, Unfälle auf dem Vorfeld, Unterstützung bei Flugzeugbewegungen oder Sicherungsaufgaben im Betriebsbereich. Bei größeren Lagen arbeitet die Flughafenfeuerwehr eng mit kommunalen Feuerwehren, Rettungsdienst, Polizei, THW, Flughafenbetrieb und Luftfahrtunternehmen zusammen.

Ausbildung: Wie wird man Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau am Flughafen?

Die Ausbildung in einer Flughafenfeuerwehr verbindet klassische Feuerwehrgrundlagen mit spezieller Luftfahrt- und Flugzeugbrandbekämpfung. Die EASA fordert, dass das Personal ordentlich ausgebildet, ausgerüstet, qualifiziert und medizinisch geeignet ist. Außerdem müssen wiederkehrende theoretische und praktische Trainings sowie Befähigungsüberprüfungen in Abständen von höchstens zwölf Monaten stattfinden.

Für den Allgäu Airport wurde in einem früheren Bericht beschrieben, dass die Mitglieder der Betriebsfeuerwehr die Ausbildung zum Feuerwehrmann beziehungsweise zur Feuerwehrfrau nach FwDV 2 abgeschlossen haben. Zusätzlich wurden Ausbildungen als Atemschutzgeräteträger und als Flugzeugbrandbekämpfer genannt. Ebenfalls beschrieben wurden regelmäßiges wöchentliches Training und größere Übungen mindestens einmal im Monat.

Zur flughafenspezifischen Ausbildung gehören typischerweise:

Ausbildungsbereich Inhalt
Feuerwehrgrundlagen Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, Gerätekunde, Einsatztaktik
Atemschutz Vorgehen unter Rauch, Hitze und giftigen Gasen
Flugplatzkunde Pisten, Rollwege, Vorfelder, Sicherheitsbereiche, Funk und Verkehrsregeln
Flugzeugkunde Aufbau, Türen, Notausgänge, Triebwerke, APU, Fahrwerk, Batterien
Schaumeinsatz Zumischung, Werfertechnik, Schaumteppich, Kraftstoffbrände
Fahrzeugbeherrschung Fahren schwerer FLF, Bremsen, Ausweichen, Kurven, Anfahrtaktik
Rettung Evakuierungsunterstützung, Zugang zum Flugzeug, Personenrettung
Gefahrgut Erkennen, Absperren, Stoffinformationen, Schutzmaßnahmen
Zusammenarbeit Tower, Flughafenbetrieb, Rettungsdienst, Polizei, externe Feuerwehren
Medizinische Erstmaßnahmen Versorgung bis zur Übergabe an Rettungsdienst oder Notarzt

Am Flughafen Memmingen wurde 2023 eigens ein Fahrsicherheitstraining für die Flughafenfeuerwehr beschrieben. Sieben Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau trainierten auf speziellen Parcours Beschleunigen, Slalom, Kurventechnik und Ausweichverhalten mit dem schweren Flugfeldlöschfahrzeug. Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid betonte dabei, dass der sichere Umgang mit einem solchen Fahrzeug die Basis der Einsatzbereitschaft sei.

Übungen und Notfallplan

Eine Flughafenfeuerwehr kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn die Abläufe regelmäßig geübt werden. Die EASA fordert, dass ein Flugplatz-Notfallplan vorhanden ist, der auf die Flugzeugoperationen und sonstigen Aktivitäten am Flugplatz abgestimmt ist und die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen regelt. Große Notfallübungen sollen in Intervallen von höchstens zwei Jahren stattfinden; in den Zwischenjahren sind Teilübungen vorgesehen.

Am Allgäu Airport zeigte die Übung von 2023, wie breit eine solche Lage angelegt ist: Flugzeugunfall, Brand, eingeklemmte Personen, panische Passagiere, unwegsames Gelände, beteiligte Gebäude und die Zusammenarbeit zahlreicher Organisationen. Genau dafür gibt es Notfallpläne. Die Flughafenfeuerwehr führt den schnellen Erstangriff; externe Kräfte verstärken, übernehmen Abschnitte, behandeln Verletzte, sichern Bereiche und unterstützen die Einsatzleitung.

Warum die neuen Panther für Memmingen wichtig sind

Die drei neuen Panther 6×6 sind mehr als eine Fahrzeugbeschaffung. Sie sind ein sichtbares Sicherheitsversprechen. Der Allgäu Airport wächst, die Passagierzahlen steigen, der Linien- und Charterverkehr ist dicht, und damit steigen auch die Anforderungen an eine moderne Gefahrenabwehr.

Mit den neuen FLF verfügt die Flughafenfeuerwehr über Fahrzeuge, die große Löschmittelmengen in sehr kurzer Zeit an den Einsatzort bringen können. Bei einem Luftfahrzeugbrand zählt genau das: nicht nur ankommen, sondern sofort wirksam löschen. 12.500 Liter Wasser pro Fahrzeug, 1.500 Liter Schaummittel, 250 Kilogramm Pulver und eine Pumpenleistung von bis zu 9.000 Litern pro Minute schaffen die Grundlage für einen kraftvollen Erstangriff.

Zugleich erhöht eine moderne FLF-Flotte die Ausfallsicherheit. Fällt ein Fahrzeug aus, wird trainiert oder muss ein Fahrzeug taktisch anders positioniert werden, bleiben weitere leistungsfähige Einsatzmittel verfügbar. Bei einer Lage mit Wind, Rauch, mehreren Brandstellen oder blockierten Zufahrten kann diese Redundanz entscheidend sein.

Fazit

Die Flughafenfeuerwehr am Allgäu Airport Memmingen ist eine spezialisierte Rettungs- und Brandbekämpfungseinheit für Luftfahrzeugnotfälle. Ihr wichtigster Auftrag ist die Menschenrettung in den ersten Minuten nach einem Zwischenfall. Sie muss Feuer eindämmen, Evakuierungswege sichern, Kraftstoffbrände bekämpfen, technische Hilfe leisten und eng mit Tower, Flughafenbetrieb, Rettungsdienst, Polizei, THW und umliegenden Feuerwehren zusammenarbeiten.

Die entscheidende Vorgabe lautet: Unter optimalen Bedingungen muss die Feuerwehr jeden Punkt der in Betrieb befindlichen Start- und Landebahn in höchstens drei Minuten erreichen können, mit dem operativen Ziel von zwei Minuten. Für andere Bewegungsflächen werden die Reaktionszeiten im Notfallplan berücksichtigt.

Mit der Indienststellung der drei neuen Rosenbauer Panther 6×6 hat der Allgäu Airport seine Flughafenfeuerwehr deutlich gestärkt. Die Fahrzeuge stehen für das, was diese besondere Feuerwehr ausmacht: hohe Geschwindigkeit, große Löschmittelmengen, spezialisierte Technik, regelmäßiges Training und die Fähigkeit, in den entscheidenden ersten Minuten professionell zu handeln.