Start 02 VIP unterer Block Schnelle Hilfe aus der Luft: Rettungshubschrauber bei Großunfällen im Allgäu

Schnelle Hilfe aus der Luft: Rettungshubschrauber bei Großunfällen im Allgäu

Foto: Pöppel/Symbolbild

Memmingen und das Unterallgäu sind bislang weitgehend von schweren Großschadenslagen verschont geblieben. Dennoch gibt es in der Region realistische Szenarien, bei denen innerhalb weniger Minuten viele Verletzte versorgt werden müssten: ein Busunfall auf der A7 oder A96, ein Zwischenfall am Flughafen Memmingen, ein Bahnunfall oder ein Brandereignis mit mehreren Betroffenen.

Zuständig ist in solchen Fällen die Integrierte Leitstelle Donau-Iller mit Sitz in Krumbach. Ihr Bereich umfasst die Landkreise Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu sowie die kreisfreie Stadt Memmingen. Von dort werden Rettungsdienst- und Feuerwehreinsätze alarmiert, koordiniert und geführt. Ergänzend zum bodengebundenen Rettungsdienst kann die Leitstelle auf ein dichtes Netz von Rettungshubschraubern zurückgreifen; für Sekundärverlegungen stehen außerdem Intensivtransporthubschrauber über die Koordinierungszentrale für Intensivtransporthubschrauber in München zur Verfügung.

Bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten, kurz MANV, reicht die normale Notfallversorgung schnell nicht mehr aus. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist darauf hin, dass bei MANV-Lagen die Zahl der Patienten die Behandlungskapazitäten von Krankenhäusern übersteigen kann. Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie schnell Hilfe an der Einsatzstelle eintrifft, sondern auch, wie die Verletzten auf geeignete Kliniken verteilt werden.

In Bayern übernehmen bei größeren Lagen der Leitende Notarzt (LNA) und der Organisatorische Leiter Rettungsdienst (OrGL) gemeinsam die Sanitätseinsatzleitung (SanEL). Sie bewerten die medizinische Lage, organisieren Sichtung und Priorisierung und entscheiden mit, welche Patienten mit welchem Rettungsmittel in welche Zielklinik gebracht werden.

Das Klinikum Memmingen ist selbst ein zertifiziertes regionales Traumazentrum und Mitglied des Traumanetzwerks Ulm. Es steht damit für die Versorgung von Schwer- und Schwerstverletzten bereit. Gleichzeitig gilt: Bei einem Großereignis mit vielen Verletzten müssen umliegende Kliniken wie Memmingen, Kempten, Mindelheim, Ottobeuren, Kaufbeuren, Ulm, Augsburg oder München je nach Verletzungsmuster, Kapazität und Spezialisierung sinnvoll eingebunden werden. Traumazentren garantieren nach dem TraumaNetzwerk DGU grundsätzlich die Aufnahme Schwerverletzter rund um die Uhr; Ziel ist, dass ein Patient nach Rettung und Erstversorgung innerhalb von rund 30 Minuten in einem passenden Traumazentrum eintrifft.

Hier kommt die Luftrettung ins Spiel. Rettungshubschrauber bringen nicht nur den Notarzt schnell zur Einsatzstelle, sondern können schwerverletzte Patienten auch rasch in geeignete Kliniken transportieren. Moderne Maschinen vom Typ H135 oder H145 fliegen im Einsatz grob mit rund 220 bis 230 km/h. Nach Alarmierung sind viele Crews innerhalb von etwa zwei Minuten startklar beziehungsweise in der Luft.

Gerade bei einem MANV ist der Hubschrauber aber kein Ersatz für den Rettungswagen, sondern ein zusätzlicher Baustein. Er wird vor allem dann wichtig, wenn Patienten besonders schnell in Spezialkliniken müssen, wenn bodengebundene Rettungsmittel gebunden sind oder wenn längere Transportwege überbrückt werden müssen. Auch Intensivtransporthubschrauber spielen eine Rolle, wenn bereits erstversorgte Patienten von einem Krankenhaus in ein spezialisiertes Zentrum verlegt werden müssen.

Rettungshubschrauber im Umkreis von Memmingen

Die folgenden Zeiten sind überschlägige reine Flugzeiten bis Memmingen Stadtmitte. Sie enthalten noch nicht Alarmierung, Start, Anflug zur konkreten Einsatzstelle, Landung, Patientenübernahme oder Wetter- und Luftraumfaktoren.

Rufname Standort Besonderheit Luftlinie ca. reine Flugzeit ca.
Christoph 17 Kempten-Durach Allgäuer RTH, Zivilschutz-Hubschrauber, Rettungswinde 34 km 9 Min.
Christoph 22 Ulm ADAC/Bundeswehr, Standort Bundeswehrkrankenhaus Ulm 52 km 14 Min.
Christoph 40 Augsburg ADAC, Station am Universitätsklinikum Augsburg 66 km 18 Min.
Christoph 45 Friedrichshafen DRF, H145, Einsatzgebiet auch Donau-Iller und Allgäu 66 km 18 Min.
RK-2 Reutte/Ehenbichl, Österreich ARA Flugrettung, H145 mit Rettungswinde, auch für Einsätze im deutschen Allgäu 69 km 19 Min.
Christoph Murnau Murnau ADAC-ITH/RTH, BG Unfallklinik, Rettungswinde 83 km 23 Min.
Rega 7 St. Gallen-Winkeln, Schweiz Rega-Basis, 24-Stunden-Bereitschaft 93 km 25 Min.
Christophorus 8 Nenzing/Galina, Österreich ÖAMTC/Bergrettung Vorarlberg, ganzjährig in Betrieb 95 km 26 Min.
Christoph München München-Großhadern DRF-Intensivtransporthubschrauber, 24 Stunden einsatzbereit 97 km 26 Min.
Christoph 1 München-Harlaching erster ziviler RTH Deutschlands, ADAC 103 km 28 Min.

Christoph 17 ist für das Allgäu besonders relevant: Er deckt unter anderem Oberallgäu, Ostallgäu, Westallgäu und Unterallgäu ab, verfügt seit 2021 über eine Rettungswinde und wird täglich von 7 Uhr bis Sonnenuntergang eingesetzt. Die Crew fliegt Primäreinsätze, Verkehrsunfälle, Bergrettungen und Sekundärverlegungen.

Christoph 45 aus Friedrichshafen ist ebenfalls interessant, weil die DRF Luftrettung sein Einsatzgebiet ausdrücklich auch mit Donau-Iller, Allgäu und Vorarlberg beschreibt. Der Hubschrauber ist am Klinikum Friedrichshafen stationiert und fliegt mit einer H145 mit Fünfblattrotor.

Auch grenzüberschreitende Hilfe ist möglich. Der RK-2 aus Reutte wird laut ARA Flugrettung nicht nur in Tirol eingesetzt, sondern auch von den Integrierten Leitstellen Allgäu und Oberland für Einsätze im deutschen Allgäu beziehungsweise im Bayerischen Oberland angefordert. Rega 7 aus St. Gallen fliegt ebenfalls grenzüberschreitend, wenn sie von zuständigen Leitstellen angefordert wird.

Für Nachteinsätze ist wichtig: Nicht alle Rettungshubschrauber sind rund um die Uhr verfügbar. In Bayern sind die Rettungstransporthubschrauber und Christoph Murnau in der Regel von 7 Uhr bis Sonnenuntergang in Betrieb; die Intensivtransporthubschrauber in München, Nürnberg und Regensburg werden dagegen im 24-Stunden-Betrieb vorgehalten.

Ergänzung: Polizeihubschrauber

Zusätzlich können bei Großschadenslagen auch Hubschrauber der Bayerischen Polizei und der Bundespolizei eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen in der Regel nicht dem regulären Patiententransport, können aber bei Lageerkundung, Suche, Verkehrsbeobachtung, Ausleuchtung, Transport von Einsatzkräften oder Katastropheneinsätzen unterstützen. Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern verfügt über Standorte am Flughafen München und in Roth bei Nürnberg; die Bundespolizei kann ihre Hubschrauber auf Anforderung der Länder ebenfalls zur Katastrophenhilfe einsetzen.

Die schnelle Hilfe aus der Luft ist damit ein wichtiger Bestandteil der Notfallversorgung in Memmingen, im Unterallgäu und im gesamten Allgäu. Ob ein Hubschrauber tatsächlich alarmiert wird, entscheidet die Leitstelle je nach Lage, Wetter, Verfügbarkeit, Verletzungsmuster und Zielklinik. Klar ist aber: Die Region kann im Ernstfall auf ein dichtes Netz an Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern in Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und der Schweiz zurückgreifen.