Wie gut ist Bayern wirklich auf Katastrophen, Naturereignisse oder militärische Krisenlagen vorbereitet? Genau diese Frage stellt die Landtags-SPD – und bringt einen Vorstoß ins Spiel, der in der „Blaulichtfamilie“ für Diskussionen sorgen dürfte: Alle konkret einsatzbereiten Menschen sollen zentral erfasst werden, damit der Freistaat im Spannungs-, Verteidigungs- oder Katastrophenfall schneller und realistischer planen kann.
Was fordert die SPD? Zentrale Erfassung einsatzbereiter Helfer
Nach einem Entwurf für ein Positionspapier der Fraktion soll Bayern künftig zentral dokumentieren, wie viele Menschen im Ernstfall tatsächlich verfügbar sind. Das Ziel: verbindliche, belastbare Zahlen – statt Listen, die auf dem Papier groß wirken, aber in der Realität zu Doppelnennungen führen können.
SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer betont laut dpa, Sicherheit sei „kein Nice-to-have“, sondern Kernaufgabe des Staates. Angesichts der Lage in Europa, möglicher Terrorgefahren und zunehmender Naturkatastrophen brauche es belastbare Strukturen – auch wenn das Aufwand und Geld koste.
Das Kernproblem: Doppelmeldungen in Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei
Die Idee klingt logisch – sie hat aber einen Haken, den viele aus der Praxis sofort erkennen: Ein großer Teil der engagierten Kräfte ist mehrfach aktiv.
Beispiele, die in vielen Regionen Alltag sind:
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hauptberuflich Polizei oder Rettungsdienst, zusätzlich ehrenamtlich Feuerwehr
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ehrenamtlich BRK/ASB/JUH/MHD, parallel THW oder Freiwillige Feuerwehr
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als Fachkraft im Regel-Rettungsdienst tätig, gleichzeitig in Sanitätszügen geführt
Genau hier entstehen in Statistiken schnell aufgeblähte Zahlen, weil dieselbe Person – je nach Organisation – zwei- oder sogar dreifach auftaucht. Im Krisenfall kann das zur gefährlichen Fehleinschätzung führen: Viele Helfer „auf dem Papier“, aber zu wenige real verfügbar.
Prioritäten im Ernstfall: Wer wird wo zuerst gebraucht?
Wenn eine Person gleichzeitig bei mehreren Organisationen geführt wird, braucht es für den Krisenfall eine klare Regelung:
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Welche Rolle hat Priorität?
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Welche Einheit wird im Alarmfall zuerst bedient?
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Wer bleibt im Hauptamt – und wer wird ehrenamtlich eingesetzt?
Ohne diese Klärung droht im Ernstfall Chaos: Organisationen melden verfügbare Stärke – aber die Kräfte stehen zeitgleich an anderer Stelle.
Nicht nur zählen, sondern qualifizieren: Ausbildungsstand ist entscheidend
Ein weiterer Punkt ist mindestens genauso wichtig wie die reine Zahl: der Ausbildungsstand.
Gerade in spezialisierten Bereichen wie:
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Sanitätszüge / Betreuungszüge
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Führungs- und Stabsarbeit
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CBRN/ABC-Lagen
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Technische Hilfeleistung / Logistik
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Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)
reicht es nicht, „Köpfe“ zu zählen. Entscheidend ist, wer welche Qualifikation hat – und wie aktuell diese ist. Ein Register, das nur Personen erfasst, aber keine belastbare Aussage über Einsatzfähigkeit und Fachkompetenz liefert, hilft im Ernstfall nur begrenzt.
Warum ein Soll-Ist-Vergleich dringend nötig ist – in Bayern und bundesweit
Der Vorstoß zeigt eine Debatte, die nicht nur Bayern betrifft: Wie viele Kräfte stehen im Krisenfall wirklich zur Verfügung – und wo fehlen Fachkräfte?
Ein transparenter Soll-Ist-Vergleich würde sichtbar machen:
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welche Einheiten personell solide aufgestellt sind
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wo Ausbildungskapazitäten fehlen
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welche Anreize nötig sind, um Fachpersonal zu gewinnen und zu halten
Denn Katastrophenschutz funktioniert nicht durch Zahlenkolonnen, sondern durch real verfügbare, ausgebildete und koordinierte Einsatzkräfte.









