Am Freitag, den 5. Dezember 2025, richtet sich der Blick weltweit auf Menschen, die etwas tun, ohne dafür eine Rechnung zu schreiben: Ehrenamtliche. Sie trainieren Kinder im Sportverein, löschen Brände, begleiten einsame ältere Menschen, engagieren sich in der Flüchtlingshilfe, der Kulturarbeit oder im Naturschutz. Der „Tag des Ehrenamts“ ist ihr Tag – ein Moment, um Danke zu sagen und gleichzeitig zu fragen: Tun wir als Gesellschaft genug für diejenigen, die sich für andere starkmachen?
Ein Aktionstag mit Geschichte
Der Internationale Tag des Ehrenamts (International Volunteer Day for Economic and Social Development, kurz IVD) geht auf eine Resolution der Vereinten Nationen vom 17. Dezember 1985 zurück. Seit dem 5. Dezember 1986 wird er jedes Jahr begangen. Ziel der UN war und ist es, freiwilliges Engagement weltweit sichtbar zu machen und zu fördern – ob in lokalen Projekten oder in internationalen Programmen.
In Deutschland hat der 5. Dezember noch eine besondere Bedeutung: Er ersetzt faktisch den früheren „Tag des Ehrenamts“ am 2. Dezember und ist eng mit der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verbunden. Anlässlich dieses Tages ehrt der Bundespräsident regelmäßig Bürgerinnen und Bürger, die sich in herausragender Weise ehrenamtlich engagieren – stellvertretend für Millionen andere, die meist im Stillen wirken.
Ehrenamt in Zahlen – eine stille Mehrheit
Ehrenamt ist längst kein Randphänomen: Laut dem neuesten Freiwilligensurvey der Bundesregierung engagieren sich im Jahr 2024 rund 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig – das entspricht etwa 26,97 Millionen Menschen.
Über die vergangenen Jahrzehnte ist die Engagementquote deutlich gestiegen: 1999 lag sie noch bei rund 31 Prozent, 2019 bereits bei knapp 40 Prozent (etwa 28,8 Millionen Engagierte). Auch wenn die aktuelle Quote leicht unter dem Spitzenwert von 2019 liegt, bleibt das Niveau hoch.
Je nach Studie ist von mehr als einem Drittel bis über 29 Millionen Engagierten die Rede – einige aktuelle Übersichten sprechen sogar von rund 31 Millionen Menschen, die sich in Deutschland freiwillig engagieren.
Die Bandbreite der Einsatzfelder ist groß:
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Sportvereine und Jugendarbeit
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Freiwillige Feuerwehren und Katastrophenschutz
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Wohlfahrtsverbände, Tafeln, Selbsthilfegruppen
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Kultur, Denkmalschutz, Bibliotheken, Musikvereine
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Umwelt- und Klimaschutzinitiativen
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Integrations- und Bildungsprojekte
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Online-Engagement, z.B. als Mentorin oder Beraterin
Alle diese Tätigkeiten eint, dass sie unentgeltlich, freiwillig und auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind.
Motto 2025: „Every Contribution Matters“
Für den International Volunteer Day 2025 haben die Vereinten Nationen das Motto „Every Contribution Matters“ ausgerufen – „Jeder Beitrag zählt“. Der Tag markiert zugleich den globalen Start der „International Year of Volunteers for Sustainable Development (IVY 2026)“, das die Rolle von Freiwilligen für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in den Mittelpunkt rückt.
Damit knüpft die UN an eine klare Botschaft an: Ohne die Mitwirkung der Zivilgesellschaft – ohne engagierte Bürgerinnen und Bürger – werden die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht zu bewältigen sein:
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Klimakrise und Artenschutz
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soziale Spaltung und Einsamkeit
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Integration und Bildungsgerechtigkeit
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globale Armut und gesundheitliche Versorgung
Freiwilligenarbeit ist dafür kein „nettes Extra“, sondern ein strategischer Hebel, um Ressourcen zu mobilisieren, Vertrauen zu schaffen und gesellschaftlichen Wandel von unten anzustoßen.
Der Kitt der Gesellschaft – warum Ehrenamt unverzichtbar ist
Was passiert, wenn Ehrenamt wegfällt, zeigt sich überall dort, wo Vereine schließen oder Initiativen mangels Mitstreiter aufgeben müssen:
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Kinder haben keinen Sportverein mehr in erreichbarer Nähe.
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Dorf- und Stadtteilfeste fallen aus.
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Besuchsdienste in Pflegeheimen dünnen aus.
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Jugendtreffs, Nachhilfeprojekte oder offene Angebote für Familien kämpfen ums Überleben.
Im Bevölkerungsschutz stammen rund 90 Prozent der Einsätze von Ehrenamtlichen, etwa bei Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz. Allein im DRK engagieren sich mehr als 450.000 Menschen freiwillig.
Ehrenamtliche sind da, wenn Flüsse über die Ufer treten, wenn Waldbrände wüten, wenn Geflüchtete ankommen oder wenn in der Nachbarschaft jemand Hilfe braucht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete sie jüngst als ein „Bollwerk gegen die Gleichgültigkeit“ – eine Formulierung, die den Kern trifft: Wer sich engagiert, widerspricht der Haltung „Das geht mich nichts an“.
Zwischen Applaus und Realität: Wo es noch klemmt
So groß die Zustimmung zum Ehrenamt ist – in Umfragen liegt die gesellschaftliche Wertschätzung regelmäßig hoch –, so deutlich weisen Verbände und Engagierte auf Probleme hin:
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Ungleiche Rahmenbedingungen: Während etwa für die Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk bundesweit klare Regelungen zur Freistellung und Lohnfortzahlung bei Einsätzen gelten, sind Ehrenamtliche anderer Hilfsorganisationen oft schlechter gestellt.
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Bürokratie und Formalitäten: Datenschutz, Förderrichtlinien, Haftungsfragen – viele Vereine berichten, dass die Verwaltungsanforderungen Ehrenamtliche eher abschrecken als unterstützen.
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Zeitdruck und Erwerbsarbeit: Verdichtete Arbeitszeiten, Schichtmodelle und unsichere Beschäftigungsverhältnisse erschweren langfristiges Engagement.
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Nachwuchssorgen: Besonders Landgemeinden und klassische Vereine klagen darüber, dass es schwieriger wird, Vorstände oder langfristig Verantwortliche zu finden.
Verbände wie das DRK fordern daher seit Langem eine „Aufwertung des Ehrenamts“, unter anderem durch bessere Ausstattung, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und eine Gleichstellung von Ehrenamtlichen in allen Hilfsorganisationen.
Ansätze für mehr Anerkennung – von der Ehrenamtskarte bis zur Engagementstrategie
Politik und Zivilgesellschaft reagieren:
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Mit Engagementberichten und einer Engagementstrategie versucht die Bundesregierung, freiwilliges Engagement systematisch zu stärken und Zugangsbarrieren abzubauen.
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Viele Bundesländer haben die Ehrenamtskarte eingeführt, mit der Engagierte Vergünstigungen bei Unternehmen, Kultureinrichtungen oder im ÖPNV erhalten. In Rheinland-Pfalz wird aktuell darüber diskutiert, die Zugangshürden zu senken – etwa durch eine geringere Mindeststundenzahl und eine digitale Beantragung per App.
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Organisationen wie die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt werben mit Kampagnen wie #TeamEhrenamt dafür, den 5. Dezember aktiv zu nutzen, um öffentlich Danke zu sagen – von Social-Media-Aktionen bis hin zu lokalen Ehrungsveranstaltungen.
Doch bei aller Symbolik bleibt entscheidend, ob Ehrenamt im Alltag unterstützt wird: durch verständliche Verfahren, verlässliche Förderung, flexible Freistellungsmodelle und eine Kultur, in der Engagement selbstverständlich zur Biografie gehört – unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder Einkommen.
Wie aus Anerkennung Beteiligung wird
Der Tag des Ehrenamts 2025 steht unter dem Motto „Every Contribution Matters“. Damit stellt sich unweigerlich die Frage: Was kann jede und jeder Einzelne beitragen?
Einige Wege, wie aus einem guten Vorsatz konkretes Engagement werden kann:
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Im eigenen Umfeld anfangen: Im Sportverein, in der Kita, in der Schule, in der Kirchengemeinde, im Nachbarschaftsprojekt oder im lokalen Umweltverband nachfragen, wo Hilfe gebraucht wird.
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Kurzzeit- und Projektengagement nutzen: Nicht jede*r kann wöchentlich mehrere Stunden aufbringen. Viele Organisationen suchen auch Unterstützung für zeitlich begrenzte Projekte oder Aktionen.
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Digitale Möglichkeiten nutzen: Von Online-Nachhilfe über Mentoring bis zur Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit – Engagement funktioniert längst nicht mehr nur analog.
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Engagement mit Beruf verbinden: Immer mehr Unternehmen fördern Corporate Volunteering, also die Freistellung von Mitarbeitenden für gemeinnützige Einsätze.
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Politisch mitreden: Ehrenamt braucht politische Rahmenbedingungen. Wer sich engagiert, kann auch in Bürgerbeteiligungsprozessen, Gremien und Initiativen für bessere Bedingungen eintreten.
5. Dezember 2025: Ein Tag zum Feiern – und zum Handeln
Der Internationale Tag des Ehrenamts am Freitag, 5. Dezember 2025, ist mehr als ein Datum im Kalender. Er erinnert daran, dass unsere Gesellschaft auf Menschen baut, die sich nicht abfinden, sondern mit anpacken – ob sichtbar auf der großen Bühne oder leise im Hintergrund.
Das Motto „Every Contribution Matters“ bringt auf den Punkt, worum es geht: Jeder Beitrag zählt – auch der kleine, unscheinbare, der vielleicht niemandem auffällt außer der Person, der er hilft.
Wer an diesem Tag einem engagierten Menschen einfach einmal bewusst „Danke“ sagt, wer sich informiert oder selbst die erste Anfrage bei einem Verein oder einer Initiative stellt, macht schon den ersten Schritt.
Ehrenamt ist keine Frage großer Gesten, sondern vieler kleiner. Und genau deswegen ist der 5. Dezember ein Tag, an dem wir uns vergegenwärtigen sollten: Ohne Ehrenamt wäre unser Alltag ein anderer – ärmer, kälter, einsamer. Mit Ehrenamt ist er menschlicher.








