Sprachbarrieren am Notruf 112: Bayreuth/Kulmbach testet KI‑Übersetzung – Bayern prüft landesweiten Einsatz

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Die Integrierte Leitstelle (ILS) Bayreuth/Kulmbach hat eine KI‑gestützte Übersetzungsfunktion in den Echtbetrieb gebracht. Das System ASGARD des Herstellers Frequentis erkennt eingehende Sprachen, transkribiert sie und übersetzt sie in Echtzeit ins Deutsche. Umgekehrt können Disponentinnen und Disponenten ihre Rückfragen und Anweisungen als Text oder Sprache eingeben; diese werden in die Sprache der anrufenden Person übertragen – auf Wunsch auch per Sprachausgabe. Laut Betreiber werden rund 400 Sprachen und Dialekte unterstützt.

Standort, Zuständigkeit, Anlass

Die ILS Bayreuth/Kulmbach ist für die Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Bayreuth und Kulmbach zuständig – insgesamt rund 250.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Offiziell eingeweiht wurde das Pilotprojekt am 26. September 2025; bereits seit Oktober 2024 läuft die automatische Übersetzung im Echtbetrieb. Das Bayerische Innenministerium unterstützt das Projekt finanziell.

So funktioniert die Technik

Herzstück ist das Leitstellen‑Kommunikationssystem ASGARD. Die Übersetzungs‑ und Sprachmodelle werden in der europäischen Private‑Cloud „BIFROST“ bereitgestellt (ISO 27001/BSI‑Grundschutz, verteilte Rechenzentren). Jede Kommunikation wird dokumentiert (Text & Audio); typische Standardfragen aus der strukturierten Notrufabfrage lassen sich als Textbausteine übernehmen. Ziel ist eine schnelle, nachvollziehbare und barrierearme Notrufabfrage – ohne Medienbruch für die Disposition.

Wer ist beteiligt?

  • Betreiber vor Ort: Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Kreisverband Bayreuth, im Auftrag des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung.

  • Technologie: Frequentis Deutschland GmbH (ASGARD/BIFROST).

  • Förderung/Koordination: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (StMI).

Stimmen und erste Erfahrungen

Bei der Einweihung sprach Innenstaatssekretär Sandro Kirchner von einem „einmaligen Pilotprojekt“, das die Notrufabfrage verbessern und die Einsatzkoordination effizienter machen soll. Die bisherigen Erfahrungen in Bayreuth/Kulmbach werden von BRK‑Seite als durchweg positiv beschrieben – die Verständigung mit nicht deutschsprachigen Anruferinnen und Anrufern werde spürbar erleichtert.

Grenzen und offene Fragen

Als Fehlerquelle bleibt die korrekte Erfassung von Orts‑ und Straßennamen – insbesondere bei starker Akzentfärbung. Hier sind weiterhin Erfahrung und Gehör der Disponentinnen und Disponenten gefragt. Zudem laufen Funktions‑ und IT‑Sicherheitstests (u. a. an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried). Ob und wann die Technologie bayernweit eingeführt wird, ist derzeit offen.

Einordnung: Bedeutung für Bayern

Bayern betreibt flächendeckend Integrierte Leitstellen für den Notruf 112; der Minister würdigte zuletzt die Arbeit von 25 ILS im Freistaat. Mit dem Pilot in Bayreuth/Kulmbach prüft der Freistaat, ob die Live‑Übersetzung als Standard in weiteren Leitstellen eingeführt werden kann – sofern Nutzen, Qualität und IT‑Sicherheit nachweislich überzeugen.


Zeitlinie

  • Dezember 2023: Projektstart (StMI).

  • Oktober 2024: Beginn der automatischen Live‑Übersetzung im Echtbetrieb.

  • 26. September 2025: Offizielle Einweihung in Bayreuth/Kulmbach.


Fakten kompakt

  • Wo wird getestet? ILS Bayreuth/Kulmbach (erste ILS in Bayern mit Live‑Übersetzung).

  • Wie funktioniert’s? Erkennen → Transkribieren → Übersetzen in Echtzeit; Rückfragen/Anweisungen als Text oder Sprache, auf Wunsch TTS in der Anrufersprache; vollständige Dokumentation.

  • Sprachenumfang: ca. 400 Sprachen/Dialekte.

  • Wer ist beteiligt? BRK (Betrieb), Frequentis (Technik), StMI (Förderung).

  • Zweck: Sprachbarrieren am 112‑Notruf abbauen, Abläufe beschleunigen, Sicherheit erhöhen.


 

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