Bankhaus-Lampe-Chef ruft eigene Branche zur Besinnung

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Foto: Banken-Hochhäuser, über dts Nachrichtenagentur

Bielefeld – Der Chef des Bankhauses Lampe, Stephan Schüller, hat die eigene Branche zur Besinnung gerufen. „Grundsätzlich wäre es hilfreich für das Ansehen unseres Berufsstandes, wenn wir es endlich schaffen würden, über längere Zeit mal keine neuen Skandale zu produzieren“, sagte Schüller der „Welt am Sonntag“. „Weniger Krawall wäre schön.“

Einen Grund für die vielen Skandale der Vergangenheit sieht Schüller in der „massiven Selbstüberschätzung“, die es in der Finanzindustrie gegeben habe. Heute sei dafür zumindest weniger Platz. Aufsicht und Politik hätten den Handlungsspielraum jeder einzelnen Bank und ihrer Akteure deutlich eingeschränkt. In diesem Zusammenhang forderte Schüller weniger, dafür aber strengere Regeln. „Noch sehr viel strengere Eigenkapitalanforderungen würden viele andere Regeln überflüssig machen“, sagte er. Wolle eine Bank unbedingt hohe Risiken eingehen, müsse sie für den Verlustfall auch mehr Eigenkapital vorhalten. In anderen Bereichen sprach sich Schüller dagegen für eine Lockerung aus. „Warum müssen Berater einer Privatbank wie Lampe für wirklich jedes einzelne Gespräch mit einem wohlhabenden und erfahrenen Kunden ein Protokoll anfertigen und für jedes einzelne Produkt ein Informationsblatt vorhalten“, fragte er im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. Dies sei für beide Seiten ein hoher bürokratischer Aufwand mit höchst zweifelhaftem Nutzen. Schüller steht seit 2006 an der Spitze der Privatbank im Besitz der Oetker-Familie. Zuvor war er unter anderem Vorstandsmitglied der HypoVereinsbank.

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