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Dienstag. 01. Dezember 2020 / 49

Angebliche Microsoft-Mitarbeiter erbeuten fünfstelligen Geldbetrag in Lindenberg und Oy-Mittelberg

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In gleich zwei Fällen waren falsche Microsoft-Mitarbeiter im Verlauf des vergangenen Wochenendes erfolgreich und erbeuteten damit mehr als 20.000 Euro.

Am Samstag, 31.10.2020, erhielt eine Lindenbergerin den Anruf eines angeblichen Microsoft-Mitarbeiters. Er könne ein vermeintliches PC-Problem sofort online beheben, dafür benötige er lediglich eine sogenannte TAN für das Online-Banking der Frau. Gutgläubig gab die Dame eine TAN an den Anrufer heraus. Kurze Zeit später stellte sie fest, dass von ihrem Konto ein hoher vierstelliger Betrag abgebucht wurde. Die Ermittlungen der Polizei Lindenberg dauern noch an.

Die Masche

Die Masche ist immer die gleiche: Die angeblichen – häufig nur Englisch oder gebrochen Deutsch sprechenden – Microsoft-Mitarbeiter behaupten, dass der Rechner des Angerufenen Fehler aufweise, von Viren befallen oder gehackt worden sei oder ein neues Sicherheitszertifikat benötige und bieten ihre Hilfe an. Dazu sollen ihre Opfer auf ihren Geräten eine Fernwartungssoftware installieren mit der die angeblichen Probleme gelöst werden können.

Das Problem

Mit diesem Programm haben die Betrüger Zugriff auf die Rechner ihrer Opfer und können sensible Daten, beispielsweise Passwörter für Online-Banking ausspähen. Darüber hinaus verlangen sie für ihre vermeintliche Service-Leistung eine Gebühr. Manchmal fordern Sie für das Erneuern einer angeblich abgelaufenen Lizenz ebenfalls Geld oder sie überreden ihre Opfer dazu, einen kostenpflichtigen Wartungsvertrag einzugehen.

Weigern sich die Betroffenen zu zahlen oder auf das Angebot einzugehen, drohen die Täter mit dem Sperren des Rechners und dem Verlust der Daten. Sie fragen u.a. nach den Kreditkartendaten, oder nutzen während des Fernzugriffs das Online-Banking des Geschädigten. Unter dem Vorwand die Transaktion sei fehlgeschlagen, verlangen sie u.a. Zugriff auf weitere Zahlungsarten und fordern eine nochmalige Zahlung. Zum Teil werden die Opfer dazu aufgefordert, im Supermarkt oder an der Tankstelle Gutscheincodes (z.B. iTunes) für das Bezahlen im Internet zu erwerben.

Das Phänomen

Mit dieser Masche ergaunerten Betrüger im Zuständigkeitsbereich des PP Schwaben Süd/West dieses Jahr bereits in 103 bekannt gewordenen Fällen rund 85.000 Euro. Im Landkreis Lindau wurden fünf Fälle mit einem Beuteschaden von rund 3.500 Euro und im Oberallgäu 19 Fälle mit einem Beuteschaden von etwa 21.000 Euro registriert.

So schützen Sie sich:

• Seriöse Unternehmen wie Microsoft nehmen nicht unaufgefordert Kontakt zu ihren Kunden auf. Sollte sich ein Servicemitarbeiter bei Ihnen melden, ohne dass Sie darum gebeten haben: Legen Sie einfach den Hörer auf.

• Geben Sie auf keinen Fall private Daten z.B. Bankkonto- oder Kreditkartendaten, oder Zugangsdaten zu Kundenkonten (z.B. PayPal) heraus.

• Gewähren Sie einem unbekannten Anrufer niemals Zugriff auf Ihren Rechner beispielsweise mit der Installation einer Fernwartungssoftware.

Wenn Sie Opfer wurden:

• Trennen Sie Ihren Rechner vom Internet und fahren Sie ihn runter. Ändern Sie über einen nicht infizierten Rechner unverzüglich betroffene Passwörter.

• Lassen Sie Ihren Rechner überprüfen und das Fernwartungsprogramm auf Ihrem Rechner löschen.

• Nehmen Sie Kontakt zu den Zahlungsdiensten und Unternehmen auf, deren Zugangsdaten in den Besitz der Täter gelangt sind.

• Lassen Sie sich von Ihrem Geldinstitut beraten, ob Sie bereits getätigte Zahlungen zurückholen können.

• Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Bei einem weiteren aktuellen Fall, in dem die Kriminalpolizei Kempten im Allgäu derzeit ermittelt, wurde eine Frau angerufen. Als sie ans Handy ging, meldet sich ein angeblicher Mitarbeiter der Firma Microsoft und überzeugte sie davon, dass sie einen Virus auf ihrem Computer habe. Tatsächlich erschien auf dem Bildschirm auch eine Fehlermeldung.

Der englisch sprechende Anrufer veranlasste sie dazu, dass sie ein Fernwartungsprogramm auf dem Computer sowie ihrem Handy installierte und ihm auch Passwörter für den E-Mailaccount gab. Schließlich war die Frau so verunsichert, dass sie dem Betrüger zur Fehlerbeseitigung auch die Zugangsdaten zu ihrem Online-Banking gab. Kurz darauf wurde ihr Bildschirm blockiert, worauf sie misstrauisch wurde und ihren Sohn verständigte. Gemeinsam stellten sie fest, dass bereits auf ihre Bankkonten zugegriffen wurde.

Die Betrüger überwiesen so insgesamt 20.000 Euro auf andere Konten ins Ausland. Auch die sofortige Verständigung der Bank konnte die Echtzeit-Überweisungen nicht mehr stoppen.

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