FREIheitsforum Memmingen: Großes Interesse am Dialogformat – Fortsetzung 2027 geplant

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Mit einer Podiumsdiskussion im Antoniersaal vor rund 80 Interessierten ist am 12. März das neue Dialog- und Kulturformat FREIheitsforum Memmingen zu Ende gegangen. Zwei Wochen lang widmete sich die Stadt einem gesellschaftlich stark diskutierten Thema: dem § 218 StGB (Schwangerschaftsabbruch) und der Lebenswirklichkeit Betroffener.

Diskussionen zeigen Informationsdefizit – und weiter Handlungsbedarf

Auch 37 Jahre nach den Memminger Prozessen besteht laut Stadt weiterhin großer Gesprächsbedarf – zunehmend auch bei einem jüngeren Publikum. In überwiegend sachlich geführten Diskussionen wurde deutlich, dass es nach wie vor ein Informationsdefizit gebe und politisch, rechtlich sowie gesellschaftlich weitere Schritte nötig seien, um mit Schwangerschaftsabbrüchen angemessen umzugehen.

Claudia Fuchs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen, betonte: „In Zeiten, in denen Gleichstellung erneut in Frage gestellt wird, stehen wir fest zu unserem Einsatz für Freiheit, Selbstbestimmung und gerechte Teilhabe aller Frauen.“

Spurensuche im Stadtarchiv und gut besuchte Kulturangebote

Eine Spurensuche im Stadtarchiv machte deutlich, dass Originalunterlagen zu den Memminger Prozessen auch wegen schutzwürdiger Belange Betroffener schwer zugänglich sind. Wichtige Quellen seien daher zunächst Zeitungs- und Medienberichte aus der damaligen Zeit. Das Stadtarchiv hat die Bestände zudem um Unterlagen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen erweitert – die Spurensuche ist über eine neue Webseite einsehbar.

Auch das Kulturprogramm stieß auf große Resonanz: Der Film „Mutter aus Passion“ (1990) im Stadtmuseum war sehr gut besucht. Zwei ausverkaufte Vorstellungen von „Der Uteruskomplex – Ein Schauprozess“ (Theaterkollektiv Hystera) im Landestheater Schwaben brachten Zeitzeuginnenberichte und aktuelle Erfahrungen betroffener Frauen auf die Bühne – inklusive intensiver Nachgespräche.

Podium: Kritik an Versorgungslage – Debatte um Beratungspflicht

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmerinnen einig, dass die ärztliche Infrastruktur zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen – insbesondere in Bayern und Baden-Württembergdefizitär sei. Beratungsangebote seien dagegen „reichlich vorhanden“ und wichtig, um Informationslücken zu schließen, sagte Stephanie Weißfloch, Leiterin der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae.

Prof. Dr. Liane Wörner, Expertin für Medizinstrafrecht und Mitglied der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin der letzten Bundesregierung, kritisierte den gesetzlich vorgesehenen Zwang zur Beratung und betonte, das Strafrecht sei nicht geeignet, den Schwangerschaftsabbruch zu regeln. Zugleich wurde der Bedarf einer Enttabuisierung des Themas hervorgehoben.

Fortsetzung 2027 geplant

Das große öffentliche Interesse hat die Stadt nach eigenen Angaben darin bestärkt, das Format fortzuführen: 2027 soll das FREIheitsforum erneut in der ersten Märzwoche stattfinden – mit einem neuen Thema sowie einer Mischung aus Kulturprogramm und Dialogformaten. „Das große öffentliche Interesse an dem neuen Format hat uns darin bestärkt, im nächsten Jahr mit einem neuen Thema in die Fortsetzung zu gehen“, resümiert Kulturamtsleiter Sebastian Huber.

Veranstaltet wurde das FREIheitsforum durch das Kulturamt der Stadt Memmingen in Kooperation mit mehreren städtischen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen, darunter Frauennetzwerk Memmingen, Stadtarchiv, Stadtbibliothek, Stadtmuseum und Landestheater Schwaben.

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